Bedingungslose Liebe

Trotz meiner Ungläubigkeit las ich auf Empfehlung das Buch „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch. Das Buch beinhaltet einen Dialog über verschiedene Themen zwischen dem Autor und Gott. Obwohl mich das Buch nicht vom Hocker gerissen hat und ich es auch nicht begeistert weiterempfehlen würde, behandelte es ein Thema, das mich seither nicht mehr loslässt. Es ist die bedingungslose Liebe.

Gott sagt in diesem Buch, dass er alle Menschen liebt. Und zwar bedingungslos. Ob ein Mensch sich schlecht verhält, anderen schadet oder gar mordet, trübe seine Liebe für diesen Menschen nicht. Sie sei eben bedingungslos. Weiter sagt Gott, dass der Gedanke und das Gefühl, man würde nicht mehr geliebt werden, wenn man etwas Schlechtes täte, von der Erziehung, genauer gesagt von den Eltern, kommt.

Unsere Eltern brächten uns bei, dass wir nicht liebenswert sind, wenn wir etwas tun, das nicht den gesellschaftlichen Moral- und Wertevorstellungen entspricht. Möglicherweise strafen sie uns mehr oder weniger bewusst mit Liebesentzug, wenn wir etwas tun, das als „schlecht“ klassifiziert wird. Jedenfalls würden sie uns auf gewisse Art und Weise zeigen, dass ihre Liebe nicht bedingungslos ist. Das wiederum würde in uns das Gefühl auslösen, dass wir nur dann geliebt werden, wenn wir Gutes tun und gut sind. So erklärt Gott auch, warum viele Menschen nicht daran glauben, dass sie in den Himmel kommen, wenn sie Schlechtes tun. Sie lernen ihr Leben lang, dass Liebe nicht bedingungslos ist.

Ich habe lange darüber nachgedacht und kam zeitweise zu dem Entschluss, dass das stimmt. Liebe ist an die Bedingung geknüpft, dass man sich mehr oder weniger gut, mindestens aber im moralischen Rahmen, bewegt. Genau das wird Kindern im Grunde häufig suggeriert. Damit ist auch der Gedanke, dass die Liebe, die Menschen füreinander empfinden, eben nicht bedingungslos ist, gar nicht abwegig. Doch ist es nicht im Grunde die Liebe der Eltern, die wir als die bedingungsloseste erfahren?

In Wirklichkeit und im Regelfall ist die Liebe der Eltern zu ihrem Kind bedingungslos. Kinder können sich falsch verhalten, Schlechtes tun, sogar straffällig werden und haben trotzdem immer noch zwei Menschen, die am Ende zu ihnen stehen: ihre Eltern. Normalerweise verzeihen Eltern ihren Kindern alles. Nicht unbedingt sofort, aber irgendwann.

Wo würde die Welt hinkommen, wenn Eltern ihre bedingungslose Liebe so zeigen würden, wie Gott es in dem Buch tut? Es würde keine Strafen und Konsequenzen für falsches Verhalten geben. Vermutlich würde das Moral- und Wertesystem der Gesellschaft dann auch nur schwer vermittelt werden können und auf lange Sicht zusammenbrechen. Kinder würden nicht lernen, in welchem Rahmen sie sich bewegen dürfen und wo Grenzen sind. Vielleicht liegt der Irrglaube auch darin, dass man Strafen und Konsequenzen auf den ersten Blick nicht mit Liebe in Verbindung bringt. Aber ist es denn nicht Liebe, seine Kinder so zu erziehen, dass sie lebensfähig werden und sich in dieser Gesellschaft mit den ungeschriebenen, aber festgelegten Moral- und Wertevorstellungen zurechtfinden?

Der Gedanke an bedingungslose Liebe geht häufig mit dem Gedanken an permanente Harmonie einher. Liebe für einen bestimmten Menschen ist allerdings ein Gefühl, das bei jeder Handlung mitschwingt. Auch wenn der Gegenüber es in dem einen Moment vielleicht so empfinden mag, dass er nicht geliebt wird, wenn er Konsequenzen für bestimmte Handlungen spürt, ist die Liebe trotzdem da. Und sie ist bedingungslos. Denn Liebe ist ein Gefühl und diese sind bekanntermaßen irrational. Sie lassen sich eben nicht an Bedingungen knüpfen.

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