Peers Poserpanne

Peers Poserpanne
Pleiten, Pech und Pannen – so könnte man den bisherigen Wahlkampf von Peer Steinbrück zusammenfassen. Nun gesellt sich allerdings noch Peinlichkeit in höchstem Maße dazu. Wie kommt man dazu, sich als Kanzlerkandidat in einer solch provokanten Pose ablichten zu lassen?

Das Bild entstand im Zuge einer Fotoserie. Die Süddeutsche Zeitung stellte hierbei Fragen, während Steinbrück nichts sagen, sondern mit einer Pose antworten sollte. Dass man sich im Zuge der Spontaneität und vielleicht auch einer innerlichen Wut zu einer solchen Pose hinreißen lässt, kann ich noch verstehen. Mein Verständnis endet allerdings genau an dem Punkt, an dem Peer Steinbrück die Bilder vorlagen und er sie zum Druck freigegeben hat. Wie dämlich kann man denn sein? Und wo war in dem Moment sein PR- und Image-Berater?

Das Motto „jede PR ist gute PR“ mag sicherlich für ein paar Stars und Sternchen, Sänger, Schauspieler, It-Girls und andere öffentliche Personen gelten, aber nicht für Politiker, lieber Herr Steinbrück. Das ist ein Fauxpas, der ihm noch sehr lange anhaften und mehr oder weniger das Kanzleramt kosten wird. Wer möchte schon einen Repräsentanten Deutschlands haben, der sich zu peinlichen, provokanten, unreifen und beleidigenden Gesten hinreißen lässt? Sobald er Kanzler wäre, würde das Bild durch die gesamte internationale Presse huschen – wenn es das nicht längst schon tut. Damit würde sein Bild nicht nur ihm schaden, sondern auch dem Land, das er repräsentiert.

Steinbrücks Sprecher sagte erst, er könne nichts Verwerfliches an dem Bild finden – vielleicht ist das innerhalb der SPD auch eine normale Umgangsform, wer weiß? Später kam von ihm der entschuldigend wirkende Kommentar, dass Steinbrück „zu spontan“ reagiert hätte. Die Pose war sicherlich spontan, die Freigabe der Bilder allerdings nicht. Dass diese für Wirbel sorgen würden, hätte Steinbrück klar sein sollen und auch müssen. Rösler war noch recht zurückhaltend, als er sagte, eine solche Geste schicke sich nicht für einen Kanzlerkandidaten. Der Parteichef der Linken äußerte sich zu dem Verhalten folgendermaßen: „Franz Müntefering hat die Wähler erst nach der Wahl beschimpft, Steinbrück macht es schon vorher.“

Ob dieses Bild seine Pannenserie fortsetzt oder reines Kalkül in der Hoffnung auf einen PR-Coup war, kann ich nicht beurteilen. Dass ein solches Bild nicht auf Lob, sondern auf massive Kritik und starken Gegenwind treffen wird, war ihm sicherlich bewusst. Sobald man den Zusammenhang zum Bild kennt und weiß, dass es die Antwort auf die Frage nach seinen Spitznamen wie Problem-Peer oder Peerlusconi war, wirkt es etwas weniger dramatisch – wenngleich es dennoch nichts daran ändert, dass es sich um eine äußerst respektlose Geste handelt und die Spitznamen nach dieser Geste gerechtfertigter sind als vorher. Trotzdem weiß man nach jahrelanger Presseerfahrung, dass in den Medien alles aus dem Zusammenhang gerissen wird, wenn es dem Drama und damit den Verkaufszahlen dient.

Vielleicht hat Peer Steinbrück sich aber auch einfach damit abgefunden, dass er so oder so nicht Kanzler wird und macht sich nun einen Spaß daraus, im Wahlkampf nochmal auf den Putz zu hauen – was hat er schon zu verlieren außer dem bisschen Reputation? Das Image war vorher schon beschädigt, die Umfragewerte sprachen noch nie für ihn und wirkliches Gehör hat ihm auch kaum einer geschenkt. Zumindest hat er nun eindrucksvoll bewiesen, dass er auch ohne Worte hervorragend kommunizieren kann.

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15 Gedanken zu “Peers Poserpanne

  1. Geht gar nicht, aber vielleicht spiegelt er eben den Gedanken vieler wider, wenn sie an die bevorstehende Wahl denken…? Und sammelt so Sympathie-Punkte? Ich weiss es nicht…er ist jedenfalls in aller Munde…

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  2. Tatsächlich wollte sein Berater das Bild nicht freigeben lassen, Steinbrück bestand aber darauf. Er ist eben ein Starrkopf. Mir wäre auf solch eine Frage auch eine bessere Pose eingefallen, man kann auf wiederholte Beschimpfungen nämlich auch mit einem Lachen und einer wegwischenden Hand reagieren und damit zeigen, dass es einen nicht im geringsten interessiert. Nun denn, er hat sich für diese Pose entschieden und es war klar, dass das Bild in Deutschland nicht unkommentiert bleiben würde. Allerdings ist es für mich nichts weiter als ein Ausdruck dessen, was hier eh falsch läuft. Hier berichtet man nicht mehr um den Kampf von Parteien und ihren Konzepten, sondern nur noch zwei Personen, dabei leben wir gar nicht in den USA, wo es tatsächlich um die Wahl einer Person geht. Wirklich schade.

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      1. Da gebe ich dir durchaus recht, solch eine Geste ist reine Provokation, egal in welchem Raum und Kontext. Dennoch bleibe ich dabei, dass mich das politische Programm viel mehr interessiert und das geht momentan komplett unter. Gewählt wird nach Sympathie für den Kanzlerkandidaten. Schade.

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      2. Ich finde, dass die Programme in fast jedem Wahlkampf untergehen. Manchmal konzentrieren sich die Parteien mehr darauf, auf den anderen rumzuhacken, als ihr Programm anzupreisen und manchmal geht es einfach nur noch darum, ob mal ein Kanzlerkandidat eine Putzfrau schwarz beschäftigt hat.
        Ich habe auf vielen Blogs gelesen, dass die Menschen sich mit keinem Programm annähernd identifizieren können und noch nie so ratlos vor einer Wahl waren wie diesmal. Da kann man wahrscheinlich nicht verhindern, dass auch die Sympathie das Kreuz beeinflusst.

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  3. Dass solche Politiker die Chance haben, Deutschland und unsere Politik darzustellen, gibt mir ein ziemlich unwohles Gefühl. Vielleicht wollte er einfach nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen, jedoch ist da so ein Mittel dafür bei Politikern recht unangebracht meiner Meinung nach. So ein Verhalten ähnelt da eher so Personen wie Miley Cyrus bei den VMA’s, auch wenn dies vielleicht ein ziemlicher krasser Vergleich ist, ist beides wohl irgendwie doch nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit.

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  4. Also wenn der Peer Kanzler werden würde, hätte das bestimmt einen super Unterhaltungswert. Der Mann ist für jeden Blödsinn/ jedes Fettnäpfchen zu haben. Obwohl es einen manchmal schon etwas an seiner Intelligenz zweifeln lässt. Zumindest strategisch betrachtet, hätte ihm das ein oder andere mal klar sein müssen, dass das als Bumerang zurück kommt. Ich unterschreib z.B. sofort, dass Spitzenpolitiker im Vergleich zu Managern in der freien Wirtschaft unterbezahlt sind. Is ja nicht so, dass man als Spitzenpolitiker ne 40 Stunden Woche hat. Darum gehen fähige Leute auch eher in die Wirtschaft als in die Politik und viele Politiker verdienen sich deshalb auch in der Wirtschaft noch was dazu. Soweit die Fakten. Aber dass das bei der Allgemeinbevölkerung in der viele zusehen müssen wie sie überhaupt über die Runden kommen (und das werden immer mehr) nicht gut ankommt, dass hätte er wissen müssen. Dem fehlt absolut eine Portion Empathie würde ich sagen ;-) .. oder anders ausgedrückt, er is einfach etwas zu blöde für den Kanzlerjob. Aber unterhaltsam wärs sicher :-D …und wer weiß. Was wir beim Unverständnis über solche Fehltritte vergessen ist, ob er vielleicht nicht doch ein fähiger Macher wäre. Für so ganz unfähig in Punkto Wirtschaft und Finanzen halte ich ihn nicht. Als Finanzminister hat er damals schon keine schlechte Arbeit geleistet. Weiß nicht obs andere hätten besser gemacht.

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    1. Meinetwegen können Politiker deutlich mehr verdienen. Dafür sollen sie sich dann aber auch ausschließlich auf den Job des Politikers konzentrieren. Am besten wäre wohl, wenn man sie erfolgsabhängig entlohnen würde ;)
      Ich glaube, dass Steinbrück von seinen Kompetenzen her nicht unfähig ist. Was Wirtschaft und Finanzen betrifft, hat er jedenfalls deutlich mehr Durchblick als Mutti.

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      1. Aber Mutti macht auch keine schlechten Job. Hätte ich ihr nie zugetraut, dass sie sich länger als 10 min auf dem Posten hält. Analytisch, zielorientiert, bodenständig. Und bisher hats keiner geschafft an ihrem Stuhl zu sägen. Also Respekt! Muss man auch mal sagen. :-)

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