Und was denkst du von mir?

Es gibt viele Menschen, die liebend gerne und mit voller Stolz behaupten, dass ihnen die Meinung anderer Menschen egal wäre. Und es gibt Menschen, denen die Meinung anderer viel zu wichtig ist. In Wirklichkeit ist kaum einem Menschen die Meinung anderer egal – auch nicht den Menschen, die es so gerne behaupten. Es mag zwar sein, dass ihnen die Meinung der breiten Masse egal ist, nicht aber die der nahestehenden und wichtigen Personen.

Manchmal ist Menschen die Meinung anderer so wichtig, dass sie alles versuchen, um es den Menschen recht zu machen. Am Ende vergessen sie allerdings, es sich selbst recht zu machen. Wer sich zu sehr verbiegt, zerbricht über kurz oder lang. Manche sind so sehr von der Meinung anderer abhängig, dass sie sich ausschließlich durch diese definieren und ihren Selbstwert bedauerlicherweise nicht weitgehend autonom erkennen können.

Andere hingegen behaupten, die Meinung anderer wäre ihnen vollkommen egal. Im gleichen Zug holen sie dann jedoch ihr iPhone aus der Tasche oder legen den BMW-Schlüssel demonstrativ auf den Tresen. Wie viele Menschen würden ein iPhone besitzen, wenn es nicht mittlerweile für einen bestimmten Status stehen würde? Statussymbole sind fast ein todsicherer Beweis dafür, dass einem die Meinung anderer Menschen nicht egal ist. Auch auf diese Art und Weise definiert man sich über die Meinung anderer.

Im Grunde definiert sich jeder Mensch irgendwo über die Meinung anderer. Das eigene Sein hat viel mit den äußeren Einflüssen und dem zu tun, wie unsere Umgebung uns sieht. Dennoch ist es eine Kunst, die Meinung der anderen zwar zu beachten, sie aber im richtigen Maße zu beurteilen und für sich zu nutzen. Natürlich ist es schön, wenn man von anderen als toller Hecht angesehen wird, weil man ein iPhone besitzt. Das ist aber nicht die Definition des Selbst, die einen Menschen weiter bringt.

Schon am Arbeitsplatz fällt oft auf, dass es schwer wird, sich oder seine Leistung ohne die Meinung anderer zu definieren. Wer weder Lob noch Kritik vom Vorgesetzten erzählt, verliert auf Dauer die Fähigkeit, seine eigene Arbeitsleistung zu beurteilen. Woher soll ich wissen, dass meine Arbeit gut ist, wenn es mir nicht in irgendeiner Art und Weise zugetragen wird? Woher soll ich wissen, wo ich noch Verbesserungspotenzial habe, wenn niemals Kritik geübt wird? Wir sind immer wieder auf das Feedback anderer Personen angewiesen. Dennoch sollte man sich einen gewissen Grad an Unabhängigkeit bewahren.

Viele verschiedene Meinungen führen am Ende allerdings auch nicht unbedingt dazu, dass man sich besser kennt oder sich besser selbst definieren kann. Sie werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten liefern. Auf irgendeine Art und Weise müssen diese Meinungen gefiltert werden, um mit ihnen arbeiten zu können. Ansonsten ist man verwirrt und wankelmütig und weiß überhaupt nicht mehr, wer man eigentlich ist.

Die Meinung anderer kann zwar dazu führen, dass man an sich zweifelt, dass man unberechtigter Weise seinen Selbstwert senkt oder zu falschen Höhenflügen neigt, sie kann aber umgekehrt auch zu einem positiveren Selbstbild und Selbstwert führen. Letztlich ist das Feedback und die Meinung anderer Menschen immer eine Chance, sich durch gezieltes Hinterfragen weiterzuentwickeln. Die Kunst dabei ist allerdings, die Balance zwischen „die Meinung anderer ist mir sehr wichtig“ und „ich bin nicht von der Meinung anderer abhängig“ zu finden.

Advertisements

8 Gedanken zu “Und was denkst du von mir?

  1. Danke für deine schönen Gedankenanregungen. Ich stimme dir voll und ganz zu. Es ist schwierig sich nicht vollständig von der Meinung anderer abhängig zu machen und sich in allem anzupassen und noch schwieriger ganz ohne diese Meinungen zu leben und als Einzelgänger zu enden. Allerdings glaube ich, dass jeder Mensch ein individuelles Mittelmaß hat, bei dem er sich wohlfühlt.

    Gefällt mir

  2. Ich kann meine Arbeit meist sehr gut selbst einschätzen. Positives wie auch negatives Feedback sind dann meist nur eine Bestätigung für das was ich selbst auch schon wusste. Darum kann man mich auch nicht ködern, wenn man dies mittels Lob versucht. Zieht nur bedingt. Und auch sonst leg ich keinen Wert auf Statussymbole. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ich aus dem Osten komme und mit der ganzen Scheinwelt nichts anfangen kann. Aber ich geb dir recht, es ist extrem schwer den goldenen Mittelweg zu finden. Besonders für Menschen, die von sich glauben nichts wert zu sein. Denen das irgendwann mal vermittelt wurde. Schlimm ist es dann, wenn man sich in der Welt der anderen verliert und sich nur über die Außenwirkung definiert. Und so gar nicht in der Lage ist, sein wahres selbst zu finden und somit sein Leben lang eine Marionette anderer ist. Und sich mal so und mal so verhält, je nach Interaktionspartner. Und so weiter. Und am Ende bleibt ein Mensch, den man nie wirklich kennenlernen kann.

    Gefällt mir

    1. Manchmal kann man seine Arbeitsleistung durch die Ergebnisse schon rein rational einschätzen – wie z. B. beim Programmieren. Entweder läuft das Programm oder es läuft nicht.
      Die meisten Menschen verhalten sich „mal so und mal so“ je nach Interaktionspartner. Das ist an sich auch nicht schlimm, weil wir immer verschiedene Rollen einnehmen. Mit unserem Vorgesetzten gehen wir anders um als mit unserer Mutter. Mit unserer Mutter gehen wir anders um als mit unseren Freunden etc. Trotzdem ist es natürlich wichtig, im Grunde man selbst zu sein und sich entsprechend als „man selbst“ in diesen verschiedenen Rollen wiederzufinden und sich so zu verhalten, dass die verschiedenen Leute uns trotz unserer unterschiedlichen Rollen dennoch weitgehend deckungsgleich charakterisieren..

      Gefällt mir

      1. Sehe ich zum Teil anders. Ich stimme zu, dass wir uns auf unsere Interaktionspartner einlassen „müssen“. Aber zum Beispiel einem Vegitarier zu sagen, man ist selbst Vegitarier ist – nur um ihm eine Gemeinsamkeit vorzuweisen – obwohl mal gar keiner ist, hat schon was mit Selbstverleugnung und Lügen zu tun. Sprich wenn man zum Zwecke des angenommen/ geliebt Werdens vortäuscht jemand anderes zu sein, hat es am Ende die Konsequenz, dass man gar nicht (mehr) weiß, wer man überhaupt ist. Und im Zweifelsfall als Lügner entlarvt wird. Scheinwelten brechen früher oder später zusammen.

        Zum Thema Verhalten gegenüber dem Chef. Da fällt mir was zu ein. Wenn du zusammen mit deinen Kollegen eine Aufgabe erhältst ein Konzept zu erarbeiten und ihr euch auf eine Lösung einigt, von der ihr wisst, dass sie nicht die bevorzugte Lösung des Chefs ist, aber ihr euch alle einig und kampfbereit seid … bis zu dem Moment in dem der Chef wieder ins Spiel kommt. Und dann plötzlich deine Kollegen wieder ganz der Meinung des Chefs sind und du der einzige bist, der noch versucht zu kämpfen … ganz ehrlich, das sind dann die Moment, die mich zweifeln lassen an der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit meiner Mitmenschen. Ich hab kein Problem damit, wenn man mir vorher sagt, dass man Konflikte mit dem Chef lieber vermeidet. Kann ich verstehen. Muss ja nicht jeder tun. Aber wenn du plötzlich das Messer im Rücken spürst, dann ist das was anderes.

        Und auch wenn das Programm läuft, kann und sollte man reflektieren, was passiert ist, bis er gelaufen ist. Nicht nur das Ziel ist wichtig, sondern auch der Weg. Ein wenig Selbstreflexion und Eigenkritik oder auch Eigenlob schadet nicht. Hilft vor allem, wenn man nicht ganz vor den Kopf gestoßen werden will, wenn der Chef dann seine Meinung äußert :-)

        Gefällt mir

      2. Bei den verschiedenen Rollen geht es ja nicht darum, sein Selbst zu leugnen, sondern sein Verhalten dem Internaktionspartner entsprechend anzupassen. Das heißt aber nicht, dass ich in Gegenwart eines Vegetariers kein Fleisch essen darf.
        Einem Kunden verhalte ich mich anders gegenüber als meiner Mutter. Bei dem Kunden bin ich aber auch der Dienstleister, bei meiner Mutter die Tochter – das setzt zwar unterschiedliches Verhalten, nicht aber das Leugnen des eigenen Selbst voraus.

        Gefällt mir

  3. Den goldenen Mittelweg finden … das ist die Kunst, ja! :-) Da wir nicht alleine auf der Welt sind, müssen wir uns irgendwie miteinander arrangieren, und wir orientieren uns auch aneinander. Aber man muß sein eigenes Ich finden, und lernen, es auszuleben. Das ist gar nicht so einfach, wenn man entsprechend anders erzogen wurde …

    Gefällt mir

  4. Ich denke von Ihnen, dass Sie ein Mensch sind, der sozial ist, aber dennoch gesellschaftskritisch. Zumindest soweit, dass Sie weiter nach „richtig“ oder „falsch“ und „echt“ und „unecht“ fragen. Ein Ethiker also, um gleich auf die Schiene Ihrer philosophischen Denk-Richtung zu verweisen …
    Sie scheinen ein Praktiker zu sein, was jedoch nicht schwer sein wird, da Sie keine kompromisslose Ideologie verfolgen. Vermutlich hat das seine Vorteile. – Der „angepassteste“ gewinnt (siehe Evolution)!
    … Ich kenne Sie nicht weiter, wollte aber dennoch Ihre Titel-Frage nicht unbeantwortet lassen.
    Mit frohem Gruße – Herr R. R. L. J. Jonas.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s