Schwarze Witwe

Auch wenn es schon zahlreiche Blogeinträge zum gestrigen Wahlergebnis gab, kann ich mir nicht verkneifen, meinen Senf ebenfalls dazu zu geben.

Scheinbar gingen sämtliche Menschen mit einer „Alles Schlampen außer Mutti“-Attitüde an die Wahlurnen. Ich hatte mich auf verschiedene Ergebnisszenarien eingestellt – aber nicht darauf, dass die Union für ihre politischen Aussetzer wie das Betreuungsgeld exorbitant belohnt wird und nahezu die absolute Mehrheit erringt.

Vermutlich ist es auch weniger die Union, die belohnt wurde. Ich schätze, dieses Wahlergebnis gehört allein Angela Merkel. Unabhängig von ihrer favorisierten Partei sind die meisten Menschen zufrieden mit unserer Bundeskanzlerin. Ihre „ich leg mich nicht fest“-Taktik ist zwar lange kritisiert worden, aber auf gewisse Art und Weise scheinen die Deutschen es zu mögen, eine Politikerin an der Spitze zu haben, die weder Ecken und Kanten noch eine Reibungsfläche besitzt, bei der es mal heiß wird.

Dass die Union deutlich besser abschneiden würde als die SPD war von Vornherein klar. Dafür haben die Medien ihr Bestes gegeben. Während Peer Steinbrück bei jeder Gelegenheit durch den Dreck gezogen und in Skandale verwickelt wurde, die nicht mal welche waren (wie der bezahlte Vortrag), wurde Mutti mit Samthandschuhen angefasst und bei brenzligen Situationen, die einen beträchtlichen Skandal hätten hervorbringen könnten (wie bei der NSA-Affäre), nicht weiter behelligt.

Überraschender war für mich das Ergebnis der FDP. Da sie die 5%-Hürde in den vorherigen Umfragen nehmen konnte, bin ich davon ausgegangen, dass sie es knapp in den Bundestag schaffen würde. Sie sind allerdings zurecht für ihren inhaltslosen Wahlkampf und als charakterschwache Partei abgestraft worden. Das bedauert Mutti natürlich sehr. Sagt sie jedenfalls. Unter Mutti scheint das aber der normale Lauf der Dinge zu sein. Erst wurde die SPD 2009 nach der großen Koalition abgestraft, nun die FDP. Der nächste Koalitionspartner wird sich vielleicht zweimal überlegen, ob er eine Liebesheirat mit der Union als schwarzen Witwe eingeht.

Koalitionen sind auch ein schönes Thema. Ich bin davon überzeugt, dass Angela Merkel problemlos eine Minderheitsregierung bilden könnte. Es sind nur wenige Stimmen, die sie aus anderen Parteien braucht. Aber ich bin ebenso überzeugt davon, dass es keine Minderheitsregierung geben wird. Wem soll man denn dann die Schuld in die Schuhe schieben? Dann müsste man ja wirklich komplett alleine für das geradestehen, was schiefgeht. Irgendeine Partei wird sich schon in ihrem Spinnennetz fangen lassen und am Ende für das geradestehen, was die gesamte Koalition verrissen hat.

Apropos geradestehen: Kristina Schröder gab bereits bekannt, dass sie keine Ministerin im künftigen Kabinett sein wird. Sie möchte mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen. Vermutlich wusste sie ohnehin, dass Merkel sie nicht noch einmal als Ministerin einsetzen würde. Ihr Rückzug war schon fast elegant und möglicherweise von Merkel erzwungen: entweder du gehst aus freien Stücken oder die Medien werden dich und deine Arbeit der letzten Jahre durch deine Nicht-Wiederaufstellung in ein paar zerfleischende Presseartikel packen. Köpfe rollen eben nicht nur da, wo Prozente verloren gegangen sind, sondern auch da, wo es Reibungsfläche gibt.

In vier Jahren werden die Karten dann wieder neu gemischt. Was bei dieser Wahl die Herzdame war, wird bei der nächsten allenfalls noch eine Herz zehn sein. Und dann rollen Tränen. Und Köpfe. Nur bei einer Person nicht. Mutti wird lachen.

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8 Gedanken zu “Schwarze Witwe

  1. Also ich wollte nicht Mutti sondern eine große Koalition. Ne große Koalition schmeißt nicht alles über den Haufen und man hätte die schwarze Wirtschaftskompetenz und etwas rote Sozialkompetenz in einem. So meine Hoffnung, dass diese Mischung die europäischen um nicht zu sagen weltweiten wirtschaftlichen Herausforderungen und die sozialen innerpolitischen Herausforderungen meistern kann. Zumindest mehr als schwarz gelb (oder blau), denen die soziale Ungerechtigkeit am A vorbeigeht, oder rot rot grün, denen ich zu viel Utopie in wirtschaftlichen Themen unterstelle. Ich wollte eine Regierung, die uns am besten durch die nächsten Jahre bringt und hab persönliche Präferenzen hinten angestellt.

    Und ein muss man Frau Merkel lassen, die hat den Laden da im Griff (wobei aus meiner Sicht nie eine Alleinherrschaft funktioniert). Ich hätte ihr das vor 8 Jahren nicht zugetraut und erwartet, dass sie aus ihren eigenen Reihen geschasst wird.

    Daher hab ich taktisch gewählt und zum Glück nicht die CDU, weil das hätte ja dann meine Plan kaputt machen können.

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    1. Ich habe ebenfalls taktisch gewählt.
      Ich bin davon ausgegangen, dass es ohnehin nicht zu verhindern sein würde, dass die Union weiter an der Macht bleibt. Eigentlich dachte ich auch, schwarz-gelb würde weiter regieren. Daher habe ich meine Stimme ganz bewusst einer Oppositionspartei gegeben, von der ich überzeugt war, dass sie auch in der Opposition bleiben würde. Ich wollte sie mit meiner Stimme stärken, damit sie die Union schwächt.
      Die große Koalition ist wohl das kleinste Übel aller Koalitionen. Wollen wir hoffen, dass es so kommt.

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      1. Ich zweifele gerade extrem daran und leg mich mit der SPD Basis an. Ich seh es schon kommen, dass die Basis rot-rot-grün durchdrückt. … fürchte gerade italienische Verhältnisse mit halbjährlichen Neuwahlen.

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  2. Ich kann es immer noch nicht fassen was da abgelaufen ist. Aber nicht nur ich.
    Kollegen, Freunde, Bekannte, Verwandet, Menschen auf der Straße. Alle sind fassungslos.

    Das nicht für möglich gehaltene ist eingetreten.
    Ein gigantischer Wahlbetrug. Anders ist das nicht mehr zu erklären.

    Es zeichnete sich schon vor den Wahlen ab:
    Indem die von den Meinungsmacherinstituten des Mainstrem verbreiteten Sympathiewerte (Sonntagsumfragen) fernab jeder Realität waren / sind.

    Merkel suhlt sich in einem Sympathiehoch
    Und das trotz:
    Eurokrise, ESM, Vorratsdatenspeicherung, Abbau von Sozialleistungen – Weigerung zu einem flächendeckenden, menschenwürdigen Mindestlohn, Leiharbeit, realitätsfremde Einschätzung der Lebensbedingungen der Menschen in Deutschland (z. B. Fälschung Armutsbericht), NSA-Affäre einschließlich aller gleich gelagerten Enthüllungen, skandalöse USA-Hörigkeit, Verunglimpfung NICHT-systemkonformer Personen, Bewegungen, Länder, Energiewende zu der es keine Notwendigkeit gibt, Missachtung des Volkswillens zu Auslandseinsätze der Bundeswehr, man ist für Multi-Kulti und damit gegen “rechts“ um jeden nationalen Zusammenhalt zu zerstören, bis hin zu mekelschen Evangelium – “Es gibt keine Alternative zur EU / zum Euro.
    Und wenn es peinlich für sie wird hat sie von allem nichts gewusst – scheinheilig ahnungslos.
    Man könnte noch viel mehr aufzählen. Und trotz alledem . . . . .

    Das ist rationell nicht zu erklären, was da am 22.09 und in dessen Vorfeld stattgefunden hat.

    Es zeichnete sich schon vor den Wahlen ab:
    Indem “Nicht im Bundestag vertretene Parteien“ von den GLEICHGESCHALTETEN Mainstrem Medien massiv benachteiligt wurden, während sich die so genannten Altparteien vornehmlich MERKEL bis zum Erbrechen anbiedern, ihr Evangelium verkünden und lügen und lügen und lügen konnten.

    Im Gleichen Zusammenhang wurde die AfD als einzig echte Alternative von den Meinungsmacherinstituten des Mainstrem tot geschwiegen oder aber als bedeutungslos deklariert. Währenden in Live-Onlineumragen die AfD teils mit über 40 % ausgewiesen war.
    Welche Angst man vor dieser Partei hat kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass man ihre Ziele niemals publiziert, sondern immer kommentiert hat. Und das ausnahmslos immer von AfD Gegnern. Und nicht selten sämtliche Ratten der Mainstrem Journaille auf sie gehetzt wurden. Aber niemals haben Persönlichkeiten wie Dieter Speethmann, Schachtschneider, Hankel, Popp, Müller oder jeder andere der einst 170, jetzt weit über 200 namhaftesten Ökonomen, Juristen, Gesellschaftswissenschaftler unseres Landes – Unterzeichner einer Petition an das deutsche Volk – Warnungen zum verbleib Deutschlands in der Eurozone, vertreten können.
    Die Afd durfte also gar nicht in den Bundestag.
    Unabhängig davon, wie sie bei den Wahlen abschneidet!

    http://sabnsn.wordpress.com/2013/09/23/resume-bw13/

    Da man nachweislich auf demokratischen weg in diesem Land nichts verändern kann, sind jetzt andere Formen des Protestes notwendig um die Demokratie wieder herzustellen.

    Gruß Sabine

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    1. Ach komm schon. Ich kann zwar verstehen, dass du enttäuscht bist. Auch ich bin davon ausgegangen, dass die AfD es schafft, aber das mit den bösen Medien und Betrug etc. ist wirklich unangebracht. Und aus meiner Sicht echte Propaganda – die Propaganda der AfD ist schlimmer als die die sie kritisiert (der Auftritt vom Lucke am Wahlabend hat alles gesagt). Für eine Protestpartei, die erst im März gegründet wurde, ist das Ergebnis beachtlich. Aber es gibt nunmal auch Menschen außerhalb des Internets und die Internet-Wahlprognosen sind nur bedingt realistich. Und totgeschwiegen wurde die AfD nicht. Und und Und … will ich eigentlich nicht drauf eingehen.

      Und was den Herrn Popp betrifft, ich versteh echt nicht, wie man den gut finden kann. Ich hab bei dem immer das Gefühl, der will mir eine Gehirnwäsche verpassen. So jemand, der sich tief in dein Hirn frisst und deine Gedanken manipuliert. Ich trau dem keinen Zentimeter über den Weg und das nur rein aus meinem Bauchgefühl. Das gilt auch für den Lucke. Ich weiß nicht, der erinnert mich zu sehr an meinen Ex-Chef und der war der größte „Manipulator“ der mir je über den Weg gelaufen ist. … und diese namhaften Ökonomen sind doch nix als Theoretiker, die nie außerhalb ihrer Uni im wahren Leben tätig waren. VWL – wenn ich das schon höre. Ich zitiere meinen Prof aus der ersten Vorlesung VWL: Es gibt Gesetzte, die kann man widerlegen, aber es bleiben Gesetze. Ähh bitte was? Wo ist die Tür, ich will hier weg? … grau ist alle VWL-Theorie

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      1. Es ist ja schön wenn sie an der AfD so viel auszusetzen haben. Ich ja auch. Dennoch gibt es keine Alternative dazu. Wenn man ernsthaft etwas zum positiven verändern will muss man Prioritäten setzen und das Machbare machen.
        http://sabnsn.wordpress.com/2013/08/18/gedanken-zur-dm-partei/

        Und an oberster Stelle steht da: Der Euro muss weg. Um zur sozialen Marktwirtschaft zurückkehren zu können. Das geht mit dem Euro nicht. dazu braucht man die eigene Finanzhoheit. Leider wird dieses Ziel nur von der AfD vertreten. Von der NPD einmal abgesehen. Doch deren Akzeptanz ist auf Grund unentwegter Gehirnwäsche seitens des Mainstrem in der Bevölkerung zu gering. 99% derer die die NPD ablehnen kennen ja noch nicht einmal deren Programm das eine linken Partei gut zu Gesicht stehen würde. Allerdings ist das auch gut so. dadurch können sich die Eurogegner nicht zersplittern.

        Fakt ist, seit es den Euro gibt geht es mit dem Lebensstandard der Menschen in ALLEN EU-Ländern bergab. Sowohl der Empfängerländer die sich einem menschenunwürdigen EU-Diktat zu unterwerfen haben, als auch der Geberländer, vornehmlich Deutschland, die ihres Wohlstandes beraubt werden. Nein noch mehr. Seit es die EU gibt wird unsere Freiheit begraben. Die EU ist ein durch nichts legitimiertes undemokratisches Gebilde. Wer hat die Mitglieder der EU-Kommission wählen können? Wer den Präsident der Europäischen Kommission José Barroso oder den Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy? Wer hat den Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi auf einem Wahlzettel gesehen? Niemand!!! Woher nehmen diese Figuren die Unverschämtheit her für Europa zu sprechen oder für Europa etwas zu entscheiden?
        Und auch Merkel schert sich einen Dreck darum und verrät ihr Volk.

        “Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.”
        – Frau Dr. Angela Merkel in Ihrer Rede am 16.06.2005 zum 60-jährigen Bestehen der CDU

        Aber zurück zum eigentlichen Thema.
        Nenne Personen die sie aus welchem Grund auch immer Ablehnen. Das ist auch ihr Recht.
        Doch nur gegen etwas zu sei bringt uns nicht weiter. Ich vermisse in Ihrer Argumentation den Folgeschritt. Was würden sie tun? So ist das nur Polemik.

        Ein ehemaliger DDR Arbeiter sagte mal:
        “Wir müssen Helmuth Kohl wählen damit wir die DM bekommen. Und dann wählen wir die SPD wegen der sozialen Gerechtigkeit.“
        Dann lasst uns doch erst einmal die AfD wählen damit der Euro weg kommt. Denn der muss weg, damit es den Menschen besser gehen kann. Und danach wählen wir dann die LINKE wegen der sozialen Gerechtigkeit und nicht etwa die SPD. Wo das hinführt haben wir ja erlebt.

        Nicht die Eingliederung in eine Weltgemeinschaft kann das Bestreben der Völker sein, sondern das harmonische Unterhalten gegenseitiger Beziehungen. Beziehungen von unabhängigen, souveränen Staaten, in denen wiederum einzelne Regionen über eigenständige Rechte verfügen. In denen die heimische Wirtschaft unterstützt und ggf. durch Zölle auch geschützt wird, anstatt die Bürger zu zwingen, mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Je größer dieser Apparat aufgeblasen wird, desto verschwindender wird die Position des Einzelnen.
        Konnte das Volk im nationalen Rahmen noch aufbegehren . . . . .
        Versuchen sie als Individuum doch einmal ein UN-Resolution zu verhindern. Nicht einmal einen EU-Beschluss kann man anfechten. Das kann doch nicht die Zukunft der Menschheit sein?

        Gruß Sabine

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      2. Ich glaube, dass der eigentliche Sinn der EU ist, eine Gegenmacht zu den USA darzustellen. Die einheitliche Währung ist nur ein Aspekt der Angleichung von europäischen Ländern. Es gibt genug Deutsche, die mittlerweile sagen „Ich bin kein Deutscher, ich bin Europäer“. In Zukunft werden das immer mehr Menschen sagen. Ich glaube kaum, dass das irgendwie aufzuhalten ist. Auch (bzw. erst recht) nicht durch die AfD.

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