Einen ambivalenten Mann zum Mitnehmen, bitte

Vor ein paar Tagen war ich bei Ingo Appelt und seinem aktuellen Programm „Frauen sind Göttinnen – wir können nur noch beten“. Er beschrieb, welchen Mann sich Frauen wünschen würden. Er soll zwar stark, aber gebrochen sein. Ein Macho und doch ein Weichei (also ein Matsch-Ei). Es ist zwar sehr überzogen, doch in der Ambivalenz steckt etwas mehr als ein Funken Wahrheit.

Frauen wünschen sich heute Männer mit einer starken Schulter zum Anlehnen und Armen, in denen man sich sicher, geborgen und beschützt fühlt. Auf der anderen Seite sollen sie aber auch in der Lage sein, sich an die Frau anzulehnen. In manchen Momenten sollen sie stark sein, in anderen sollen sie jedoch zeigen, dass sie auch ihre Schwächen haben und die Schulter der Frau manchmal ebenso brauchen, wie die Frau ihre.

Männer sollen ebenso ein Macho und ein Weichei sein, wie im Bett der leidenschaftliche Tiger und zärtliche Kuschelbär. Sie sollen dominant und devot sein, nur eben nicht zum gleichen Zeitpunkt. Selbstverständlich soll der Mann selbst erkennen, welches Verhalten gerade angebracht ist. Ebenso soll er an der Stimmung seiner Liebsten von ganz alleine merken, ob sie nun lieber den Pornostar im Bett hätte oder den romantischen Kuschelsex mit Kerzenschein bevorzugt.

Sie sollen sich nicht für ihre Gefühle schämen und ihren Tränen freien Lauf lassen, wenn ihnen danach ist. Trotzdem sollen sie keine Heulsuse sein, die bei jeder Kleinigkeit im Tränenmeer versinkt. Genauso wie sie beim Fußball leidenschaftlich mitgrölen können, sollen sie bei Liebesfilmen berührt und empathisch, doch keinesfalls zu verweichlicht sein.

Außerdem sollen sie natürlich auf ihr Äußeres achten, gepflegt und stilvoll, aber trotzdem nicht zu eitel und selbstverliebt sein. Schwerelos sollen sie die Balance zwischen Eleganz und Sportlichkeit wahren, doch weder Spießer noch Rebell sein. Ihre Haare sollen sie dort stehen lassen, wo es männlich ist, während sie andere Stellen oftmals fein säuberlich mit dem Rasierer bearbeiten sollen.

Männer sollen selbstständig und entscheidungsfreudig sein, doch keine Entscheidung ohne die Meinung der Liebsten treffen. Ungesprochene Worte sollen sie richtig verstehen, während von ihnen verlangt wird, sich klar und deutlich zu artikulieren, insbesondere in Hinblick auf ihr Innenleben. Doch sie sollen auch immer auf die Wahl ihrer Worte achten und keinen negativen Interpretationsspielraum lassen.

Sie sollen geheimnisvoll sein, doch keine Geheimnisse vor der Liebsten haben. Sie sollen Interesse zeigen, sich jedoch nicht anbiedern. Sie sollen um Frauen kämpfen und sie erobern, dennoch ihren Stolz und ihre Selbstachtung wahren. Sie sollen der traditionelle und doch der moderne Mann in einem sein. Die zahlreichen ambivalenten Ansprüche sollen sie problemlos erfüllen und dennoch authentisch bleiben. Sie sollen wissen, wer sie sind, sich aber zugleich auch über ihre verschiedenen Rollen bewusst sein und sie ehrlich ohne Identitätskrise leben können.

Während Männer versuchen, ihren Platz zwischen den ambivalenten Ansprüchen und Erwartungen der Gesellschaft und der Frauen einzunehmen, sollen sie bei all den Herausforderungen, denen sie sich heute oft gegenübersehen, vor allem eins nicht vergessen: glücklich mit sich selbst zu sein. Ob behaart oder unbehaart, ob mit oder ohne Tränen, ob dominant oder devot – toll ist am Ende der Mann, der mit sich glücklich ist und nicht der, der versucht, sich zu verbiegen und am Ende an sich selbst zerbricht.

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18 Gedanken zu “Einen ambivalenten Mann zum Mitnehmen, bitte

  1. Ich sage jetzt besser mal nicht, dass der Spruch meines Theater-Team-Shirts „fucking ambivalent“ ist ;-)
    Ne, aber mal ganz im ernst: Der letzte Absatz ist eigentlich alles, was man sein muss. Glücklich und man selbst, denn ich brauche gar nicht versuchen, mehrschichtig zu sein, ich bin es ja und würde behaupten, dass es so einige Männer sind. Ich bin aber auch einfach die Person, die ich bin und meine Freunde mögen mich dafür, also kann es ja nicht so verkehrt sein ;-)

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    1. Stimme absolut zu. Der letzte Absatz ist der entscheidende. Das ist bei Frauen doch auch nicht anders. Die selbstbewusste, zufriedene Frau ist so viel attraktiver als eine unsichere Frau.

      Und die Möchtegernliste haben Männern bei Frauen doch auch und auch da schließen sich Dinge gegenseitig aus. Meine Frau und ich machen uns immer den Spaß eine imaginäre Liste zu führen, was beim nächsten Mann bzw. Frau besser sein muss. Es ist mittlerweile eine sehr lange Liste ;)

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      1. Das klingt nach einer wunderbaren Beziehung, die ganz offensichtlich nicht ohne Spaß auskommt. Und es stimmt, wie Männer sind da auch nicht anders.
        Man könnte auch schreiben, dass wir uns die Frau mal als keusches, ja geradezu jungfräuliches Mädchen und mal als sexhungriges Vamp wünschen usw. ;-)

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    2. Eintönige Menschen sind ohnehin oft uninteressant. Ja, auch Männer hätten gerne eine spannende, abwechslungsreiche, vielfältige Frau. Ich muss Guiness zwar zustimmen, dass Männer gerne eine selbstbewusste, zufriedene Frau haben wollen, habe aber auch hin und wieder die Erfahrung gemacht, dass einige Männer mit starken Frauen reichlich überfordert sind und unattraktiv werden, weil sie in die Eintönigkeit der Unterordnung rutschen.
      Mich umtreibt nun übrigens die Frage, was wohl auf der imaginären Liste meiner Ex-Freunde steht ;)

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  2. „Frauen wollen einen Mann, der sie führt“ | Scot McKay über die Beziehung und den Sex zwischen den Geschlechtern | Frauen und Männer trennen nicht Abgründe voneinander, sondern sie sind als menschliche Wesen ähnlicher als sie bisweilen selbst wahrnehmen wollen. Allerdings besetzen sie die zwei Pole innerhalb des Geschlechterverhältnisses und haben somit verschiedene Herangehensweisen zur Bewältigung der großen und kleinen Alltagsprobleme, die sich aber unter reflektierten Bedingungen weniger widersprechen müssen als ergänzen können. | 24.08.2013 | Reinhard Jellen | http://www.heise.de/tp/artikel/39/39657/1.html

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    1. Auf der einen Seite wollen Männer eine starke Frau, auf der anderen Seite haben aber auch viele Angst vor starken Frauen. Auf der einen Seite schauen sie gern den Knochengestellen hinterher, auf der anderen Seite hätten sie aber schon gerne was zum Anfassen. Auch für Frau ist es nicht immer leicht ;)

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  3. Was schließt man daraus? Die Frauen wissen nicht, was sie wollen. Sie suchen ihr Leben lang nach DEM MANN und bleiben am Ende alleine und frustriert, weil sie zu hohe Ansprüche hatten. Im Endeffekt zählt die Liebe, eine Liebe in der man so sein kann, wie man ist und auch so geliebt wird.

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    1. Stimmt, wer den perfekten Mann (bzw. Menschen) sucht, wird ewig Single bleiben.
      Dein letzter Satz erinnert mich an mein Lieblingsgedicht:

      Ich träume davon,
      dass jemand mich annähme,
      einfach so wie ich bin,
      mit meinen ungereimten Wünschen,
      unfertigem Charakter
      und alten Ängsten.
      Ich träume davon,
      dass jemand mich gelten lässt,
      ohne mich zu erziehen,
      mit mir übereinstimmt,
      ohne sich anzustrengen.
      Ich träume davon,
      dass ich mich nicht verteidigen muss,
      nicht erklären und kämpfen muss,
      dass mich einer liebt.
      (Otti Pfeiffer)

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      1. Ein schönes Gedicht! Die Menschen machen sich eigentlich selbst den Stress. Sie versuchen sich von der Schokoladenseite zu zeigen, sich zu verbiegen um den anderen zu gefallen. Oder sie sagen Dinge, die die anderen hören wollen. Irgendwann wird das zu einem Teufelskreis und man kann nicht mehr damit aufhören um die anderen nicht vor den Kopf zu stoßen. Es ist klar, dass man nicht am Anfang einer Beziehung seinen Laster mit Ecken und Kanten auf den Tisch bringt, aber man sollte sich so geben, wie man ist – vielleicht anfangs etwas zurückhaltender. Tut man es nicht, wird man früher oder später daran scheitern oder untergehen, sollte das wahre ich eben dem anderen nicht gefallen.

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  4. Sehr schön. Während die restlichen Absätze ein weniger ins Detail gehen, fasst der letzte dann noch alles zusammen. Tatsache, wenn meine Partnerin schlauer wäre oder in irgendeiner anderen Sache besser als ich, dann würde ich mich freuen. Ein Anlass daran zu wachsen. Eine Person, die in irgendetwas besser ist als ich, sehe ich als Herausforderung und Aufforderung zur Analyse. Was macht sie, die Person, dass sie da besser ist? Ich denke, es gibt zu viele Frauen, die nicht das „gesunde“ Mittelmaß erkennen (für sich selbst, ein generelles wird es da kaum geben), ebenso natürlich auch Männer. Beide Parteien sind hier und da am rummosern. Irgendwie widersprüchlich wenn man bedenkt, wie verzweifelt manche Person auf der Suche nach einem Partner ist, der einfach nur zuhören kann, eine Schulter zum Anlehnen bietet und vielleicht sogar noch den einen oder anderen Punkt.

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