Widerstand

Sag mir nicht,
dass ich schlank bin,
wenn ich mich dick fühle.

Sag mir nicht,
dass ich essen soll,
wenn ich nicht essen will.

Sag mir nicht,
dass ich zu wenig esse,
wenn ich mich voll fühle.

Sag mir nicht,
dass Essen einfach ist,
wenn es mir so schwer fällt.

Sag mir nicht,
dass die Waage egal ist,
wenn ich mich ständig wiege.

Sag mir nicht,
dass ich Untergewicht habe,
wenn man es mir nicht ansieht.

Sag mir nicht,
dass ich mich ins Elend stürze,
wenn es mein einziger Halt ist.

Sag mir nicht,
dass ich aufhören soll,
wenn ich nicht anders kann.

Sag mir nicht,
dass du dir Sorgen machst,
wenn ich sie dir nicht nehmen kann.

Sag mir nur,
dass du mich verstehst,
auch wenn es schwer ist.

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8 Gedanken zu “Widerstand

  1. Tja, da ist dieser schmale Grat zwischen dem Gefühl jemanden helfen zu können/wollen und dem Wunsch des Betroffenen keine Hilfe zu brauchen/wollen. Es ist für jemanden, der nicht betroffen ist sehr schwer sich das vorzustellen. Es ist für jemanden, der nicht betroffen ist sehr schwer es überhaupt richtig zu erkennen. Du kennst den Spruch „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“. Im Umkehrschluss gilt aber auch „Schlecht gemacht ist nicht immer schlecht gemeint“. Der „Vorteil“ von Verletzungen wie ein Bruch ist, dass man sie sieht. Bei nicht sichtbaren Verletzungen wäre es sehr hilfreich eine „Meldung“ zu bekommen. Ich weiß, dass dies sehr schwer ist, aber man kann es sich einfach mal wünschen :)

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    1. Das Schwierige ist ja, dass man Menschen nicht helfen kann, wenn sie sich nicht mindestens selber helfen wollen. Mir würde es wirklich helfen, wenn man nicht ständig gegen mich redet, sondern versucht, etwas Verständnis aufzubringen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht aktiv wäre. Ich habe mir einen Therapieplatz gesucht, gehe bis zum Beginn der Therapie zu einer Beratungsstelle und habe Kontakt zu einer weiteren Beratungsstelle speziell für Essstörungen aufgenommen. Man kann mir wirklich nicht vorwerfen, dass ich nicht alles tun würde oder den Weg des geringsten Widerstandes ginge. Aber der Widerstand, der aus dem nahen Umfeld kommt, ist unnütz und erschwert es nur.
      Ich glaube, kein Mensch, der keine Essstörung hat, kann sich vorstellen, was im Inneren passiert. Die Gedanken kreisen den ganzen Tag, immer und ständig, um Essen und Gewicht, Kalorienanzahl, Fett und Zucker. Man lebt von Bissen zu Bissen, wobei man den ersten soweit wie möglich hinausschiebt, um nicht direkt am Anfang des Tages ein Gefühl von Versagen zu haben. Diese Gedanken und Gefühle sind so abstrus, dass ich keinem Menschen übel nehmen kann, der es nicht versteht. Ich nehme es aber den Menschen übel, die um meine Situation und die Schwierigkeit mit dem Essen wissen und mich trotzdem gegen Windmühlen kämpfen lassen.

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      1. Hast Du es den Menschen, die davon wissen, auch so deutlich gesagt wie in Deinem Eintrag? Ich frage, da ich mich schon häufiger gefragt habe, ob ich es in meinem Umfeld mitbekommen würde. Vielleicht bei einer Essstörung noch eher als bei einer Depression. Ich will aber auch keine Pferde scheu machen, wo letztlich kein Problem ist.

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      2. So direkt habe ich es nicht gesagt. Eher durch die Blume. Ich überlege mittlerweile, ob ich meiner Mutter nicht den Text zukommen lassen soll – vielleicht würde sie dann weniger versuchen, mir zu helfen (was aber letztlich Widerstand und keine Hilfe ist) und die Kraft mehr darauf verwenden, mich zu verstehen.
        Allerdings ist meine Mutter nicht dumm. Sie würde den Text wahrscheinlich bei Google eingeben und letztlich auf meinem Blog landen – das muss ja nun auch nicht sein ;)

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  2. Vielen Menschen ist nicht klar, dass sie damit nicht helfen, sondern eher noch mehr schaden können. Besserwisserische Tipps helfen einem auf diese Weise sowieso nicht. Meistens ist das keinem bewusst, dass das genau nicht der richtige Weg ist. Das mit dem Essen kenne ich auch. Ich wurde so oft auf mein Gewicht angesprochen, weil ich schon immer dünn war – aber ohne eine Essstörung. Es ging so weit, dass ich in meinem Teeniealter sogar Komplexe deswegen hatte und deshalb weite Sachen getragen habe, damit das nicht so auffällt.

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    1. Ich glaube, die meisten, die diese Ratschläge geben, fühlen sich auch einfach nur hilflos und raten dann das naheliegendste. Die wenigsten verstehen allerdings, dass das Problem einer Essstörung eben nicht das Essen ist, sondern sich das Problem lediglich ins Essen kanalisiert.
      Ich habe auch schon einige Menschen kennen gelernt, die mir sagten, sie möchten zunehmen, weil sie zu dünn sind, sich nicht wohlfühlen und blöde Kommentare ertragen müssen. Denen ist aber auch nicht geholfen, wenn man ihnen sagt „dann iss einfach mal mehr“. Das verstehen aber auch die wenigsten. Für Menschen, die eine normale Figur und ein normales Essverhalten haben, ist es schwer, nachzuvollziehen, wieso das bei anderen Menschen ganz anders ist. Ich nehme es ihnen aber nicht übel. An ihrer Stelle würde ich mich damit wahrscheinlich auch schwer tun.

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  3. Für Personen, die mit sowas zum ersten Mal in Berührung kommen, wissen nicht wie man damit ungehen sollen und denken so könnte man der Person helfen. Dabei bedenken sie gar nicht, dass es für die betroffenene Person unangenehm sein kann.

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