Personality

Im Gegensatz zu der Frage nach meiner Lieblingsfarbe, meiner Lieblingszahl oder meinem Lieblingslied kann ich die Frage nach meinem Lieblingsspiel ohne zu zögern beantworten. Personality ist ein Gesellschaftsspiel, in dem es um die eigene Persönlichkeit und die der Mitspieler geht. Letztlich geht es darum, wie gut man sich (selbst) kennt bzw. wie man sich selbst sieht und wie die anderen einen sehen.

Auf der einen Seite bietet das Spiel viel Potenzial, um sein Ego zu streicheln, auf der anderen Seite birgt es aber auch die Gefahr, selbiges anzukratzen, weil Selbst- und Fremdbild offengelegt werden. Wenn man einen friedlichen Abend verbringen möchte, kann man das Spiel nur mit Menschen spielen, die einen ehrlichen Blick auf sich selbst haben und mit Kritik umgehen können. In diesem Fall wird der Abend für niemanden mit angekratztem Ego enden.

Für mich endeten die Spiele immer sehr positiv. Ich fühlte mich entweder in meinem Selbstbild bestätigt oder freute mich darüber, dass andere Menschen mich deutlich positiver sehen als ich dachte. Ich habe trotzdem schon zahlreiche Spiele und Abende mit Menschen gehabt, die ihre Wirkung auf andere nicht annähernd realistisch einschätzen können. In solchen Fällen enden die Abende nicht selten mit hitzigen Diskussionen, großem Streit und verletzten Gefühlen.

Personality ist für mich ein wahnsinnig schönes Spiel, kann für die Seele eines Menschen aber auch ein wahnsinnig schlechtes Spiel sein. Wer sich nicht selbst reflektieren und mit sich auseinandersetzen kann, wer seine Schwächen nicht kennt und Kritik als Angriff auffasst, wird das Spiel nicht mögen. Nur, wer sich selbst den Spiegel vorhalten kann, kann auch ertragen, wenn es andere tun.

Das Spiel umfasst aber nicht nur heikle Dinge, sondern regt auch zum Nachdenken über sich selbst und die anderen an. Manchmal muss man sich Fragen stellen, über die man bis dato nie nachdachte. Würde ich ein Kind aus der dritten Welt adoptieren? Tragen die Lehren des Vatikans eine Mitschuld an der Überbevölkerung? Sollten Raucher und Trinker höhere Krankenkassenbeiträge zahlen? Manchmal geht es allerdings auch in unterhaltsamere Bahnen, wie etwa die Frage, ob man sich wünschen würde, das Rezept vom Zaubertrank des Mirakulix zu besitzen. Letztlich ist das Spiel eine Mischung aus Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Selbstreflexion.

Ich liebe dieses Spiel, weil ich danach das Gefühl habe, mich selbst besser zu kennen, mich mit mir selbst und anderen Menschen auseinandergesetzt zu haben und am Ende sehr zufrieden mit dem Ergebnis bin. Ich habe allerdings auch keine Angst davor, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und mit Dingen konfrontiert zu werden, die unangenehm sein können. In einer Katastrophe endet das Spiel nur für jene, die sich selbst nicht kennen, sich nicht reflektieren und keinen Umgang mit Kritik finden. Entscheidend für einen subjektiv positiven oder negativen Ausgang des Spiels sind aber letztlich nicht die Mitspieler, sondern (wie in so vielen Dingen) nur die eigene Personality.

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5 Gedanken zu “Personality

  1. Hat dies auf Red Skies over Paradise rebloggt und kommentierte:
    „Würde ich ein Kind aus der dritten Welt adoptieren?“
    Ja. | „Adoption will verlassenen Kindern zu Eltern verhelfen, nicht unvollständige Familien komplettieren. Zu dieser Hilfe gehört u.a. Ehrlichkeit gegenüber dem Kind, Offenheit gegenüber seiner Herkunft und Respekt vor dem, was es in sich ist und mitbringt. Kein Adoptivkind hat es verdient, dass wir es ins Korsett unserer Wunschvorstellungen zwängen. Darum würde ich den angesprochenen Eltern Geduld wünschen, Zähigkeit gepaart mit Gelassenheit, Humor und der Fähigkeit zur Selbstkritik. Wichtig ist auch der Mut, rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen, wenn es Probleme gibt.“
    http://themenwoche2007.ard.de/zukunft/kinder-sind-zukunft/kinder-sind-glueck/auslandsadoption/-/id=520616/nid=520616/did=530386/1ckoero/

    „Tragen die Lehren des Vatikans eine Mitschuld an der Überbevölkerung?“
    Mit.schuld, ja | „Derzeit sinken die Geburtenraten in den meisten Ländern der Welt. Im Durchschnitt bekommt eine Frau noch 2,7 Kinder (2,1 Kinder wären nötig, um die Weltbevölkerung konstant zu halten; 2,7 Kinder bedeutet ein Wachstum der Weltbevölkerung). In den letzten 30 Jahren ging die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Asien von 5,1 auf 2,6 und in Lateinamerika von 5 auf 2,7 Kinder zurück. Dieser Rückgang ist nicht zuletzt auf Bevölkerungspolitik der Regierungen, sowie auf die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen, die den Frauen Zugangsmöglichkeiten zu sexueller Aufklärung und Verhütungsmittel eröffnet haben, zurückzuführen. Relativ hohe Kinderzahlen gibt es heute nur noch in Afrika südlich der Sahara, wo die Frauen durchschnittlich 5,1 Kinder zur Welt bringen.
    Obwohl heute weit mehr Paare Zugang zu Verhütungsmitteln haben als früher, ist noch heute (Stand 2011) weltweit jede dritte Schwangerschaft nicht nur ungeplant, sondern auch ungewollt. Noch immer haben 200 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln.“

    „Sollten Raucher und Trinker höhere Krankenkassenbeiträge zahlen?“
    Nein, keinesfalls. Das wäre ein weiterer, essentieller Schritt zum Ende der solidarischen Krankenversicherung. | „Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft… (§ 1 SGB V) | Das Solidaritätsprinzip beschreibt die Solidarität als grundlegendes Prinzip der Sozialversicherung. Dies bedeutet, dass ein Bürger nicht allein für sich verantwortlich ist, sondern sich die Mitglieder einer definierten Solidargemeinschaft gegenseitig Hilfe und Unterstützung gewähren. Das Solidaritätsprinzip, auch Solidarprinzip, ist die strukturelle Basis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es stellt dabei das wichtigste und zentrale Prinzip der sozialen Sicherung im Krankheitsfall dar, in dem die zu versichernden Erkrankungsrisiken von allen Versicherten gemeinsam getragen werden.

    „Manchmal geht es allerdings auch in unterhaltsamere Bahnen, wie etwa die Frage, ob man sich wünschen würde, das Rezept vom Zaubertrank des Mirakulix zu besitzen.“
    Ja, aber nur für die Guten.

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  2. Ich habe das Spiel nie gespielt, aber schon davon gehört, dass es riskant ist und am Ende der Abend versaut werden könnte, weil sich die Spieler auf den Schlips getreten fühlen. Bin aber davon ausgegangen, dass es das Spiel Therapy war, Personality scheint ähnlich zu sein.

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    1. Therapy kenne ich nur dem Namen nach, weiß aber nicht genau, worum es da geht. Ich habe auch schon andere Spieleabende gehabt, die im Streit endeten. Manche Menschen können einfach wahnsinnig schlecht verlieren. Personality ist zwar ein schönes Spiel, aber einem schönen Abend zuliebe sollte man sich genau überlegen, mit wem man es spielt.

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