Weil Denkfehler wunderschön sein können

Glaubst du an Schicksal? Oder an die Hand Gottes? Alles Bullshit, sagt das Kapitel eines Buches, das ich kürzlich gelesen habe (nebenbei bemerkt: ein sehr interessantes, anschauliches und gut geschriebenes Buch).

Das Kapitel führt direkt zu Beginn ein extremes Beispiel an: An einem Tag im Jahre 1950 sollte ein Kirchenchor proben. Doch aus verschiedenen Gründen verspäteten sich alle Mitglieder. Die Kirche explodierte, die Wände krachten auseinander, das Dach stürzte augenblicklich ein. Da sich alle verspäteten, überlebten sie unversehrt. Man war sich sicher, es war die Hand Gottes.

Der Autor sieht das aber völlig anders. Es gibt nämlich verschiedene Möglichkeiten.

1. Die Kirche explodiert und alle verspäten sich, sodass niemand verletzt wird.
2. Die Kirche explodiert und niemand verspätet sich, es gibt Tote.
3. Die Kirche explodiert nicht und alle verspäten sich.
4. Die Kirche explodiert nicht und niemand verspätet sich.

Statistisch ist der letzte Fall am wahrscheinlichsten, denn er kommt jeden Tag unzählige Male auf der Welt vor. Es wäre also eher verwunderlich, wenn es bei Millionen von Kirchen niemals zu einem solchen Ereignis wie im Beispiel käme. Logisch, oder? Ich finde es auch logisch. Aber wenn man sich vorstellt, man wäre Kirchenmitglied, dann ist die Vision, dass es die Hand Gottes war, natürlich viel ansprechender.

Das Buch hat mir einige Denkfehler aufgezeigt. Genau das oben genannte Beispiel konnte ich nun in meinem Leben testen.

Vor einigen Tagen war ich abends unterwegs. Anfangs hatte ich keine große Lust, aber ich hatte eine besondere Absicht an diesem Abend. Diese Absicht wurde nicht erfüllt. Stattdessen haben sich durch diesen Abend aber andere Dinge ergeben, die vielleicht noch ganz wunderbar werden können.

„Mensch, das ist ein Zeichen, Schicksal vielleicht“, dachte ich. Doch dann kam der ernüchternde Gedanke an das Buch. Es gibt viele Abende, an denen ich nicht gerne weggehe und die genauso öde sind, wie anfangs befürchtet. Verwunderlich wäre also eher, wenn es nie einen solchen Abend wie den vor einigen Tagen geben würde.

So viel zur Logik. Ich würde fast sagen, das ist schön und gut. Aber das ist es nicht. Der Gedanke, dass es Schicksal war, ist viel zu schön, um den Denkfehler auszubügeln.

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4 Gedanken zu “Weil Denkfehler wunderschön sein können

  1. Ich finde, dass man manche Dinge nicht zu groß machen sollte, weil man sich selbst dabei recht klein macht, was man aber gar nicht ist. Ansonsten finde ich so etwas wie Schicksal durchaus interessant, denn es gab schon Momente, die mir zu fantastisch erschienen, als gäbe es kein Schicksal. ;-)

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