Pünktlichkeit ist Wertschätzung

Gestern habe ich diesen Artikel gelesen. Das veranlasste mich dazu, einen privaten Blogeintrag von 2013 zu überarbeiten und erneut zu veröffentlichen.

Zeit ist wertvoll. Jedem Menschen ist seine eigene Zeit kostbar. Aber auch die Zeit von anderen sollte einem kostbar sein. Pünktlichkeit hat viel mit Wertschätzung zu tun. Ich bin ein pünktlicher Mensch, weil mir die Zeit anderer Menschen genauso viel wert ist wie meine eigene. Pünktlichkeit bringt diese Wertschätzung zum Ausdruck. Unpünktlichkeit ist dagegen ein Graus für mich.

Allerdings finde ich Unpünktlichkeit nicht verwerflich, wenn man entweder einen triftigen Grund hat oder vorher Bescheid gibt, dass man es nicht pünktlich schafft. Doch auch bei einem triftigen Grund schafft man es meistens, kurz Bescheid zu geben. Wenn ein anderer Mensch sich meldet und sagt, dass er es nicht pünktlich schafft, bringt auch das Wertschätzung zum Ausdruck. Trotzdem gibt es genug Menschen, die keinen Anlass dafür sehen, sich zu melden, wenn sie andere warten lassen.

Das Problem ist allerdings nicht, dass man sich die Wartezeit nicht irgendwie halbwegs sinnvoll vertreiben könnte, wenn jemand unpünktlich kommt. Das Problem ist, dass man wortlos warten gelassen wird und ein anderer fahrlässig mit unserer eigenen Zeit umgeht. Das ist weder ein respektvoller noch ein wertschätzender Umgang, ganz nach dem Motto: mit dir kann man es machen, du kannst auf mich warten.

Als ich das erste Date mit meinem Liebsten hatte, holte er mich ab. Eine Minute vor der vereinbarten Zeit bekam ich eine Nachricht: „Noch eine rote Ampel und 300m, dann bin ich da.“ Er war tatsächlich auf die Minute genau da. Eine gewisse Karenzzeit hätte ich ihm natürlich zugestanden, die hat jeder, trotzdem habe ich mich über die Nachricht gefreut. Am selben Abend kam das Thema Pünktlichkeit zur Sprache. Er ist ein pünktlicher Mensch, ich ein überpünktlicher.

Bei unserem zweiten Date waren wir vor einem Restaurant verabredet. Ich war natürlich viel zu früh. Völlig überraschend stand er zehn Minuten vor der vereinbarten Zeit vor mir. „Du hast doch gesagt, dass du immer überpünktlich bist, ich wollte dich nicht warten lassen.“ Diese Wertschätzung hat mich schwer beeindruckt, bis heute. Ich erzähle Menschen immer noch gerne von dieser Situation. Und ich erzähle gerne von unserer ersten Verabredung, die kein Date war.

Er kam bei mir im Büro vorbei, wir unterhielten uns zwei Stunden. Als er sich dann verabschiedete, bedankte er sich für die Zeit, die ich mir für ihn genommen hatte. Ich war völlig baff – wer bedankt sich heute schon noch für die Zeit eines anderen?

Irgendwann erzählte ich ihm, wie sehr mich beeindruckt hat, dass er so wertschätzend mit (meiner) Zeit umgeht. Seine Antwort war so simpel wie wahr:

„Neben Liebe ist das wertvollste, das wir jemandem schenken können, unsere Zeit.“

Genau das, liebe Zuspätkommer, ist der Punkt: Wir schenken euch unsere kostbare Zeit. Und das bzw. die sollte man wertschätzen.

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28 Gedanken zu “Pünktlichkeit ist Wertschätzung

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin immer pünktlich, sogar beim ersten Date, wo man ja eigentlich 10 Minuten zu spät sein sollte. Kann ich gar nicht. Wenn ich dann am Treffpunkt ankomme und er schon da ist, dann bin ich schon halb verliebt :D

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  2. Also dein Beitrag kommt dann doch etwas spät. Ich hatte schon kalte Füße vom warten ;-)

    Ich kenne solche „Zu spät Kommer“ auch. Auch wenn ich sehr tolerant wirke bin ich das nicht immer. Jeder Mensch verdient (s)eine Chance(n). Aber mich lässt niemand lange warten. 20 Minuten in der Kälte stehen? No way! Gut, für meine Frau mache ich das vielleicht. Wobei ich da schon nach 5 Minuten auf die Suche ginge. Muss ich zum Glück nicht. Sie ist ja schon da :D

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    1. Ich habe einen triftigen Grund! Ich musste den Beitrag heute Morgen noch ein wenig bearbeiten ;)

      Ich wirke auch sehr tolerant, zumal ich meist nichts dazu sage, wenn Menschen unpünktlich sind. Wenn es sich aber bei ein und demselben Menschen häuft, kann ich das nicht mehr gut tolerieren. Ich nehme Unpünktlichkeit persönlich, wenn es keinen guten Grund dafür gibt oder man nicht Bescheid sagt, dass man zu spät kommt.

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  3. Jetzt komme ich doch fast zu spät zu meinem Termin, da ich Deinen Eintrag noch kommentieren muss. Ich stimme Dir 100% zu. Ich frage mich manchmal wie ich in einem anderen Land zurecht kommen würde, wo man von vornherein mind. 15 Min zu spät kommt. Plant man das ein? Kommt sozusagen pünktlich zu spät?

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    1. Dann aber mal husch, husch, bevor jemand stinkig wird ;)

      Wenn die Mentalität so ist, dass jeder 15 Minuten zu spät kommt, fühlt sich dadurch keiner in seinem Wert herabgesetzt. Mit unserer Mentalität würden wir in solchen Ländern aber wahrscheinlich erst mal zu kämpfen haben und uns möglicherweise früher oder später anpassen.

      Bei manchen Menschen denke ich mir manchmal auch, dass ich ihnen sagen sollte, wir treffen uns um Viertel vor, damit sie um Punkt da sind. Sollten sie dann aber doch mal pünktlich sein, wäre ich unpünktlich – das ginge gar nicht ;)

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      1. So gehörst Du wahrscheinlich zu den Menschen, die in Wahrheit 10 Min zu früh kommen, um auf alle Fälle pünktlich zu sein. Da rührt dann ein Teil des Problems her, da der oder diejenige, die zu früh sind bereits 10 Min warten, bevor der Termin überhaupt los geht. Bei 10 Min Verspätung wartet der eine bereits 20 Min. Na ja,

        Ich war im übrigen 10 Min zu spät, da noch ein Kollege anrief, die eine U-Bahn weg fuhr und die nächste eine Fahrschule war. Habe mich dann ordnungsgemäß entschuldigt. ;)

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      2. Allerdings. Ich bin überpünktlich und warte dementsprechend so oder so länger. Ich ärgere mich aber nicht über die Zeit, die ich selbst verschuldet habe, sondern über die Zeit, die man mich tatsächlich warten lässt.

        Dann hast du ja gleich drei triftige Gründe für die Verspätung gehabt ;)

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  4. Ich stimme dir zu. Bei Dates bin ich pünktlich.. Bei anderen Terminen muss ich mir das akademische Viertel erst wieder abgewöhnen.. :-)
    Aber ich finde zu früh kommen auch doof. Also ich meine, wenn mich jemand abholt und er ist früher dran, dann zerlegt es mir auch mein Zeitmanagement..

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  5. Ich komme auch lieber eine halbe Stunde zu früh, als auch nur eine Minute zu spät. Ich kann es auch nicht leiden, wenn ich mit meinem Mann wohin fahren soll, zu einem Termin, und er fährt auf den letzten Drücker los, so daß wirklich gar nichts, kein Stau auf den Straßen und nichts, kommen darf. Sowas hasse ich wie die Pest. :-( Da kriege ich jedes Mal einen Anfall.

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  6. Sehe ich genau so! Auch ich bin auch ein sehr pünktlicher Mensch und Unpünktlichkeit ist mir ein Gräuel! Allerdings habe ich mich im Laufe der Zeit von all den Menschen getrennt, die mich und meine Zeit nicht wertschätzen. Nicht alleine wegen der Unpünktlichkeit, aber ich muss sagen, seit ich mich nur mehr mit Menschen umgebe, die mir genug Respekt entgegen bringen, mich nicht warten zu lassen, geht es mir bedeutend besser!

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  7. Hat dies auf Red Skies over Paradise rebloggt und kommentierte:
    „Ich finde, dass Pünktlichkeit viel mit Wertschätzung zu tun hat. | Wenn ein anderer Mensch sich meldet und sagt, dass er es nicht pünktlich schafft, bringt auch das Wertschätzung zum Ausdruck.“

    Ich gehöre auch zu den Pünktlichen. Und zu den Verspätungen-Ankündigern. | Ja, wenn ein anderer Mensch einen häufiger warten lässt, Andere aber nicht, hat das etwas mit Geringschätzung zu tun. | Es gibt Menschen, die sind immer und bei jedem unpünktlich, das hat dann nichts mit Wert- oder Geringschätzung zu tun. | Andererseits stünde uns ein wenig südländische Gelassenheit, Entschleunigung, auch gut zu Gesichte. (-; Ein Auslandskorrespondent, der viele Jahre im Ausland verbracht hat und nach Deutschland zurückkehrte, antwortete auf die Frage, was ihm nach der Ankunft am meisten auffiel, es sei die Eile und die Pünktlichkeit der Menschen, die Deutschland unter anderem charakterisiere.

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  8. Ich bin nicht immer pünktlich, oft komme ich auf die letzte Minute. Merke ich, dass ich keinesfalls rechtzeitig schaffe, schicke ich kurz eine Nachricht. Zu beruflichen Terminen bin ich zu 100% immer pünktlich. Selbst mag ich Unpünktlichkeit auch nicht, aber da mache ich Unterschiede. Geht es um etwas, was von einer Uhrzeit stark abhängt oder ist es einfach so, dass jemand zum Kaffee vorbeikommen will und verspätet sich um ein einige Minuten – das ist dann nicht tragisch, ich bin ja zu Hause und weiß mich zu beschäftigen. Viel schlimmer finde ich Besucher, die stets zu früh kommen, teilweise eine gute halbe Stunde – das ist für mich schlimmer als Zuspätkommer.

    Noch was, bezüglich andere Länder und Zuspätkommen ist normal. Ich habe mich mit Bekannten aus den südlicheren Ländern mal darüber unterhalten und mir das erklären lassen. Es ist halt so, dass ein Handwerker sagt, er kommt übermorgen vorbei. Ein Deutscher würde jetzt an dem besagten Tag zu Hause bleiben, auf die Uhr schauen und warten… In einem solchen Land wartet aber niemand auf den Handwerker, man weiß dass in 2 Tagen genauso gut auch 2 Wochen bedeuten könnte. Der Handwerker kommt dann irgendwann, wenn niemand zu Hause ist, ärgert er sich nicht und versucht am nächsten Tag oder ein paar Tage später wieder erneut bis es irgendwann klappt es. Das mal so als Beispiel. Generell: In diesen Ländern wartet man nie, wenn jemand kommt, dann ist er da. Man sieht die Dinge sowieso deutlich gelassener. Wenn man viel reist merkt man schnell, dass Deutschland ein stressiges, hektisches und ungeduldiges Land ist. Ich glaube nirgends anders auf der Welt (vielleicht in Asien?) wird so viel Wert auf Pünktlichkeit geachtet, wie in Deutschland.

    Ich habe aber auch Menschen in meinem Bekanntenkreis, die generell so mind. 30 min zu spät kommen. Wenn ich es weiß und mir die Pünktlichkeit wichtig ist, dann nenne ich denen einfach eine andere Uhrzeit als dem Rest, nämlich 30 min vorher ;) Wenn alle dicht halten, funktioniert das auch :D

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    1. Einige Minuten Verspätung finde ich auch nicht tragisch. Irgendwo gibt es ja auch noch eine Toleranzzeit. Wenn man die allerdings überzieht, werde ich sauer. Vielleicht sollte ich mir mehr von der Gelassenheit der Menschen anderer Länder abschauen ;)
      Ich hatte mir auch schon mal überlegt, gewissen Menschen eine falsche Uhrzeit zu nennen. Wenn die dann aber doch mal pünktlich sind, wäre ich ja unpünktlich. Das will ich dann wiederum auch nicht ;)

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  9. Ich war immer überpünktlich – bis ich mein erstes Kind bekam, :-D
    Seitdem treffe ich Verabredungen immer mit der Ansage +/- 15 Minuten, das klappt meistens. Allerdings ärgere ich mich extrem, wenn jemand zu spät kommt und das einfach übergeht. Ein „sorry“ dürfte jawohl mindestens drin sein!

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  10. Das Thema ist offensichtlich ein wichtiges für euch. Schön zu hören, dass sich zwei Menschen getroffen haben, welche dieselbe Ansicht teilen!
    Freue mich das mein Artikel zum Nachdenken anregt! Wenn meine Blogs auch nur einen Menschen erreicht, hatte es einen Sinn.

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