Liebe.

Ein Wort, zwei Silben, fünf Buchstaben. Und doch so viel mehr. Ein Wort, so groß und mächtig, so tiefgehend und bedeutungsschwanger. Ein Wort, das so vielfältig interpretiert wie gelebt wird. Und ein Wort, das die Gemüter gerne spaltet.

Schnell wird man des inflationären Gebrauchs angeklagt, wenn das Wort zu schnell über die Lippen kommt. Liebe muss wachsen, sich entwickeln und vertiefen, argumentieren die Ankläger. Aber wann ist die Liebe genug gewachsen, hat sich genug entwickelt und vertieft, um die Worte aussprechen zu dürfen, ohne einen schiefen Blick zu ernten? Wächst, entwickelt und vertieft sich Liebe nicht auch noch bei Paaren, die ihren Weg schon viele Jahre gemeinsam gehen? Gibt es den richtigen Zeitpunkt, an dem man jemandem sagen kann, dass man ihn liebt? Gibt es überhaupt einen falschen Zeitpunkt?

„Wenn sich Paare schon nach kurzer Zeit sagen, dass sie sich lieben, kann ich das nicht ernst nehmen“, meinen die Ankläger. Aber warum denn nicht? Die Liebe ist zwar noch nicht lange gewachsen und auch nicht so vertieft wie bei langjährigen Paaren, aber wieso darf man das Gefühl, das zwischen zwei Menschen besteht, die erst seit kurzer Zeit einen gemeinsamen Weg gehen, nicht Liebe nennen, wenn es sich doch so anfühlt? Was kann daran so falsch sein, einem Menschen zu sagen, dass man ihn liebt, wenn man genau das fühlt? Wieso werte ich das Wort „Liebe“ ab, wenn ich genau das in mir spüre? Wieso soll ich mit den Worten warten bis dieses Gefühl größer geworden ist, wenn es doch jetzt schon da ist? Nur weil die Worte gesagt werden, heißt das doch nicht, dass sich die Liebe nicht noch entwickelt, wächst und vertieft. Und nur weil die Worte gesagt werden, wertet das nicht jene Liebe anderer ab, die schon weiter entwickelt, gewachsen und vertieft ist.

Alles, was man mit den Worten ausdrückt, ist ein Gefühl, das jeder für sich selbst interpretiert. Diese Worte sind keine Endgültigkeit des Gefühls, sie sagen nur, dass man liebt, sie sagen nicht, wie groß oder klein die Liebe ist, wie entwickelt oder vertieft. Sie sagen nur, dass da ein Gefühl ist, das wir Liebe nennen. Warum sollte man das Gefühl also nicht auch genau dann artikulieren dürfen? „Ich liebe dich“ sind „nur“ drei Worte, mit denen man seinem Partner ein Gefühl mitteilt. Sie sind ein Mittel zum Zweck.

Am Ende zeigt sich Liebe ohnehin nicht in drei Worten. Sie zeigt sich in Taten.

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13 Gedanken zu “Liebe.

  1. Ich glaube das Problem ist, das Problem ist, dass „Liebe“ ein Wort ist das für so viel stehen muss. Für so verschiedene arten von Gefühlen. Keine besser oder schlechter als das andere. Und sich auch ähnlich. Aber keine „echte“ dabei.

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  2. Ich glaube es wird nur zum Problem, wenn man dieses Wort benutzt und es nicht so fühlt. Ein leichtes verliebt sein ist eine körperliche Reaktion, aber Liebe ist meiner Meinung aus mehr, was sich auch, wie du sagst, in den Taten spiegelt.

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    1. Benutzt man die Worte nicht immer nur dann, wenn man sie fühlt? Verliebtheit ist der Vorbote der Liebe, aber gerade das Gefühl der Verliebtheit ist oftmals so immens intensiv, dass die Worte schnell über die Lippen kommen. Meinetwegen aber gerne, ich finde das legitim, denn auch wenn es der Vorbote ist, irgendwo ist es doch auch Liebe. Nur eben nicht die entwickelte, gewachsene, vertiefte Liebe, die mit der Zeit noch kommt.

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