Die Welt als Dorf

Ich habe BWL studiert. Und zum Teil auch VWL. Das ist vielleicht eine geeignete Stelle, um zu erwähnen, dass ich

  • trotzdem ganz nett und sympathisch bin,
  • sehr wohl wusste, was ich werden wollte (das war übrigens nicht Betriebswirtin ;))
  • und BWL nicht zwangsläufig trocken ist.

Na gut, ich habe sie auch durchlebt, diese Schnarchnasen von Professoren, die ihr Fach ungefähr ähnlich interessant gestalten wie N24 die Börsennews. Aber es gab da diesen einen Professor, der ganz anders war. Er ist an meiner Uni nicht einfach nur das Zebra unter den BWL-Professoren gewesen. Er war das kunterbunt getupfte Zebra. Und er ist wohl mit Abstand einer der beliebtesten Professoren unter Studenten.

Es ist quasi unmöglich, durch seine Klausuren zu fallen.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, seine Klausuren mit einer schlechten Note zu bestehen.

Natürlich ist er beliebt, wenn man so easy durchkommt, könnte man denken. Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Grund, warum jeder „so easy durchkommt“, ist ein ganz anderer. Der liegt nämlich darin begründet, dass dieser Professor kein direktes Fachwissen abprüft. Er vermittelt auch nicht direkt welches, jedenfalls kein klassisches.

Ha, was lernt ihr denn an der Uni, könnte man sich fragen.

Bei ihm das Allermeiste, möchte ich energisch entgegenwerfen!

Ja, ehrlich, bei diesem Menschen habe ich das Meiste gelernt. Er hat mein Studium bereichert. Er hat mich als Menschen bereichert. Er hat mein Leben bereichert.

Dieser Professor will nicht, dass wir Theorie A lernen oder Theorie B. Oder dass wir sie gegenüberstellen und vergleichen. Dieser Professor will, dass wir denken, reflektieren, diskutieren, hinterfragen, nicht hinnehmen. Er will, dass wir uns entwickeln, vorwärtsgehen, aufmerksam sind. Dieser Professor gibt sein Bestes, damit wir unseren Horizont erweitern. Von dieser Sorte sollte es viel mehr geben.

Durch ihn bin ich vor Jahren auf etwas aufmerksam geworden, das der eine oder andere vielleicht schon kennt. Lohnt sich aber trotzdem immer wieder, deswegen ist es auch einen Blogeintrag wert:

Die Welt als Dorf mit 100 Einwohnern

57 Asiaten
21 Europäer
14 Amerikaner
8 Afrikaner

52 Frauen
48 Männer

70 mit verschiedenen Hautfarben
30 Weiße

70 mit verschiedenen Religionen
30 Christen

6 US-Amerikaner besäßen 59 % des gesamten Vermögens

80 hätten keine annehmbaren Wohnverhältnisse

70 wären Analphabeten

50 wären unterernährt

1 hätte einen PC

1 hätte einen akademischen Abschluss

Wer

  • nie Krieg erlebt, Gefangenschaft oder schlimmen Hunger gespürt hat, hat es besser als 500 Millionen Menschen auf der Welt,
  • in die Kirche gehen kann, ohne Angst, dass einem gedroht, man verhaftet oder umgebracht wird, hat es besser als 3 Milliarden Menschen auf der Welt,
  • genug zu essen hat, ausreichend bekleidet ist, ein Dach über dem Kopf hat und ein Bett zum Hinlegen, der ist reicher als 75 % aller Menschen,
  • ein Konto bei der Bank hat, ein wenig Geld im Portmonee oder woanders, gehört zu den 8 % wohlhabenderen dieser Welt.
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11 Gedanken zu “Die Welt als Dorf

  1. Oh ja, das kenne ich auch noch. Immer wieder beeindruckend, wenn man versucht, sich dieses einfache Modell dann wieder auf die Weltbevölkerung umzurechnen. Das relativiert einiges! Auch wenn ich grundsätzlich kein Freund von „dir geht es besser als …“ und dergleichen bin, was leider viele Menschen in Zusammenhang mit diesem Dorf meinen, von sich geben zu müssen.

    Aber ich gebe dir Recht: solche Professoren sind eindeutig in einer eigentlich nicht hinzunehmenden Minderheit!

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  2. Ha, das habe ich früher so gefeiert den unteren Teil. Ich finde es immer noch gut. Aber, wie schon erwähnt, Schlimmes bleibt dennoch schlimm. ALG II ist nach Standard in Deutschland schon Armut. In D-Land heißt es dann wohl, wenn du zu ALG II Empfänger gehörst, gehörst zu X % der Armen in D.

    Was mich immer wieder auf verschiedene Rechnung im Netz bringt, die so kursieren. Traumhafte Zahlen, riesig für ALG II Empfänger. Aber das sind die Zahlen, die ALG II Empfänger bekommen würden. Klar doch. ;-)

    Vielleicht sollte man denen mal sagen, das Bundesland abhängig die Miete und Heiz- und Nebenkosten schon mal unterschiedlich hoch sind. Schlimm so Halbwissen. Anyway, danke für den Beitrag. :-) Schön, das die Rechnung noch im Netz kursiert.

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  3. Das BWL-Studium ist wohl gar nicht so schlecht. Ein befreundeter Betriebswirt meinte einmal, dass er nach dem Studium das Gefühl hatte, er hätte überhaupt nichts gelernt, da er ja nur in jedes Fach einmal hineingeschnuppert hat, Marketing, Rechnungswesen, Personalwesen, Recht, Finanzmathematik, Statistik etc.. Erst in seinem Berufsleben hat er festgestellt, dass er sehr wohl etwas gelernt hatte.

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  4. Darf man in deinem Blog auch böse (bzw. provokant) kommentieren? Besonders dann, wenn das mein erster Kommentar hier ist. Aber ich will mich ja auch nur beliebt machen *unschuldigguck*

    Die Story ist mir nicht neu. Mehrfach schon begegnet – Schule, Buecher und eben auch in der Uni.
    Die interessante Frage, die sich damit aber verbindet: Und? Welchen Schluss ziehst du ganz persönlich aus dieser Veranschaulichung des Status Quo? Ist ja nichts anderes – ein Abbild der realen Welt.
    Hast du darauf aufbauend dein Weltbild geaendert? Was traegst du persönlich dazu bei, um die Situation zu aendern? Oder ist alles „gut wie es ist“ und du hast dir kurz gedacht „oh mein Gott, Wahnsinn“ und das wars dann?

    So klingt das fuer mich hier ein bisschen. Kein Wort dazu, ob (und wenn ja wie) euch der Professor dazu angeregt hat, sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Habt ihr das diskutiert? Bei mir wurde das nur so nebenbei erwaehnt (inklusive der „oh mein Gott“-Aufseufzer). Aber Diskurs? Fehlanzeige. Vermutlich habe ich deswegen auch gerade das Gefuehl, das hier drunter schreiben zu wollen. Denn, ganz ehrlich: Losgeloest, nur mit den nackten Zahlen, so wie sie mir vielfach (siehe oben) praesentiert wurden bringt das doch nicht viel. Oder irre ich?

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    1. Solange der respektvolle Umgang gewahrt wird, sind alle Kommentare herzlich willkommen. ;)

      Der Professor regt grundsätzlich und sehr oft zur kritischen Auseinandersetzung, zum Weiterdenken, Mitdenken, Hinterfragen und mehr an. Es gibt noch etliche weitere Beispiele, die er bringt, z. B. den Happy Planet Index. Das sind alles Bruchstücke, Puzzelteile, die er uns vor Augen geführt hat. Ziel ist dabei vielleicht, das eigene Weltbild zu überdenken und gegebenenfalls zu modifizieren. Sollte sich das Weltbild wegen einer einzigen Abbildung allerdings grundlegend ändern, wäre es nicht besonders stabil gewesen. Aber es muss ja auch nicht gleich das Weltbild sein. Vielleicht wäre es schon ein Anfang, wenn man achtsamer wird, dankbarer, bodenständiger etc.?

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  5. Solche Professoren sind eine echte Bereicherung für das Studium und leider gibt es davon viel zu wenige. Sie bereichern nicht unbedingt direkt das Fachwissen, aber für das eigene Leben halten sie so unendlich viele Tipps bereit, dass man sich fragt, woher weiß der das alles? Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder bei ihm im Hörsaal sitze und wenn ich mal fehle, habe ich das Gefühl, wirklich wichtige Sachen, die mir in meinem weiteren Leben helfen oder die mir verschiedene Dinge erklärbar machen, verpasst zu haben.
    Ich mag deinen Schreibstil! & btw, die Welt als Dorf mit 100 Einwohnern ist eine tolle Statistik!
    LG, Jim

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