Niederlage für die Menschheit

Ich bin erzürnt. Grund ist dieser Artikel bzw. besser gesagt, der Inhalt dieses Artikels, in dem das irische Votum zur Homo-Ehe vom Vatikan nicht nur als Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern auch als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet wird.

Ironischerweise (und glücklicherweise!) ist Irland ziemlich katholisch. Anstatt dieses Votum als klares Statement eines katholischen Landes zu verbuchen, ist der Vatikan ebenso traurig wie toleranzresistent. Der Grund dafür findet sich jedoch ziemlich schnell: „Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, so Parolin, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe.“

Uns allen ist natürlich klar, dass ein Nein der Iren dazu geführt hätte, dass jene Menschen, die dasselbe Geschlecht lieben, diese Meinung einfach so hinnehmen und sich entsprechend den Vorstellungen der katholischen Kirche verhalten. Sie würden nun Menschen des anderen Geschlechts lieben, heiraten, Kinder zeugen, sie nach den Werten der katholischen Kirche erziehen und so sicherstellen, dass der Vatikan auch in Zukunft noch jede Menge gequirlte Scheiße von sich geben kann.

Letztlich hat die Kirche einfach nur Angst um ihr Fortbestehen bzw. ihre Daseinsberechtigung. Wer sich allerdings so wenig fortschrittlich bzw. offen für die Vielfältigkeit dieser Welt zeigt und ein so dermaßen engstirniges Verhältnis zu Gefühlen hat, verwirkt seine Daseinsberechtigung auf Dauer und trägt sein Fortbestehen damit selbst zu Grabe. Zwar langsam, aber dafür sicher – und das absolut verdient.

Es stimmt, dass wir es mit einer Niederlage für die Menschheit zu tun haben. Diese Niederlage ist aber nicht das Votum der Iren. Denn Toleranz, Vielfältigkeit und Liebe können niemals eine Niederlage für die Menschheit sein.

(An dieser Stelle verweise ich auch gerne noch auf den heutigen Beitrag von Nandalya. Und auf den Beitrag von knipserei.)

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15 Gedanken zu “Niederlage für die Menschheit

  1. Ja, was da aus dem Vatikan zu hören ist, ist schon starker Tobak. Aber etwas anderes erwartet? Nein, warum denn auch. Dennoch finde ich es interessant, dass es bisher nur eine Stellungnahme von Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin gibt, nicht von Franziskus selber. Und ich vermute mal, den freut das Referndum auch nicht, hätte aber wohl nie so heftige Worte genommen.
    Aber immerhin ’schön‘, dass der Bischof von Dublin ins Nachdenken gekommen ist und eine gewisse Distanz zwischen Kirche und Nation feststellte. Denken war schon oft der erste Schritt in die richtige Richtung!

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    1. Denken ist aber bekanntlich nicht jedermanns Stärke. ;) Und die Feststellung mag ein erster Schritt sein, aber den zweiten müsste man auch gehen. Und den dritten und vierten und fünften… Der Vatikan lebt allerdings in seiner eigenen kleinen, weltfremden Käseglocke. Vielleicht gibt es irgendwann einen mutigen Papst, der nicht scheuklappenartig den teils überholten christilichen Prinzipien nacheifert und versucht, sie den Menschen kläglicherweise auf Biegen und Brechen einzuimpfen, ohne nach links und rechts zu schauen. Vielleicht gibt es irgendwann einen mutigen Papst, der offen für die Menschen, ihre Bedürfnisse und den Wandel ist. Vielleicht gibt es ihn irgendwann, diesen mutigen Menschen, der den Zorn vieler im Dienste von Gott stehenden Menschen auf sich ziehen und erst einmal gegen haufenweise Windmühlen aus den eigenen Reihen kämpfen wird, ehe die Kirche anfängt, wieder gesellschaftsfähig zu werden.

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      1. Ich denke, in meinem Leben wird sich da im Vatikan nichts mehr ändern. Ich denke da immer an „Die amerikanische Päpstin“ von E. Villar. Da wird recht ironisch aufgezeigt, wenn der Vatikan mit dem Zeitgeist ginge (Wiederverheiratung, Anerkung der Homos, etc. pp.) würde er schlichtweg im Mainstream verschwinden und seine Macht verlieren.
        So bleibt er in gewisser Weise mächtig, auch wenn die Kirche vor Ort schon ewig nicht mehr das tut, was der Vatikan will. In meinem Bekanntenkreis gibt es einen katholischen Priester, der seit 30 Jahren mit einer Frau zusammen ist und mir gegenüber eindeutig erklärt hat, dass er kein Problem damit hätte, mich und meinen Mann quasi zu verheiraten. Da ist die Gesellschaft in der Kirche schon an vielen Stellen lange (und auch gut) angekommen.

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  2. Die Niederlage gibt es lediglich für das Geschäftsmodell (der) Kirche(n). Und das basiert nicht auf Liebe, wie wir wissen. Religion, Glaube, braucht keine alten Patriarchen, die ewig Gestrige sind … und heimlich miteinander verkehren. Soviel zur Scheinmoral der Kardinäle.

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  3. Ich freue mich sehr über das Ergebnis der Abstimung! Vielleicht kommt es dann auch endlich mal hierzulande voran mit den Gesetzen zur Gleichstellung. Die Aussage von Parolin finde ich abstoßend. Für mich eine klare Niederlage in Sachen christlicher Nächstenliebe und Menschlichkeit. Daumen hoch für die Iren!

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  4. Ich bin bei Äußerungen wie diesen aus dem Vatikan immer wieder darüber erstaunt, wie sehr man dort doch Achterbahn zu fahren scheint. Auf der einen Seite hat der jetzige Papst schon an einigen Stellen Lockerungen im Protokoll, sehr menschenfreundliche Entscheidungen und sonstige Dinge durchgesetzt, bei denen der Kurie der Talar hochgeweht worden sein muss.

    Und dann kommt immer wieder so ein Relikt aus mittelalterlichen Zeiten hoch. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da jemand exponiert, ohne dass der Papst (oder sein „Vorzimmer“) das gegengezeichnet hat. Ich verstehe das nicht, wie man in unserer Welt so dogmatisch agieren kann. Aber wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum ich mit der organisierten Kirche nicht klar komme.

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      1. Für mich selbst beantworte ich die Frage immer so:

        1. die paar Euros im Monat machen mir nicht wirklich was aus
        2. die einzelnen Kirchengemeinden und ihre Vertreter (natürlich nicht alle) leisten für ihre Vor-Ort-Arbeit wirklich gute Sachen, die ohne die Kirchensteuer nicht umsetzbar wären

        Mein Vater ist langjähriger Presbyter, da bekommt man einiges mit.

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  5. Tolles Statement der Irren und erwartungsgemäße Reaktion der katholischen Kirche…da ist es nicht weither, mit gepredigter Toleranz, Nächstenliebe und vor Gott sind alle Menschen gleich…
    Und bei allem ist das wirklich traurige, dass es überhaupt solche Abstimmungen geben muss!!

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  6. Habe ich auch gehört und musste den Kopf schütteln. Vor allem weil ein nicht unwichtiger Teil der Gläubigen gerne diese Menschen in ihrer Mitte aufnehmen wollen und sie nicht ausschließen. Klar, solche die es krank finden, das jemand des eigenen Geschlechts zu lieben, wird es immer geben. Aber das die katholische Spitze doch da so dagegen stellt, ist für mich einfach nur alt und verstaubt. Ich glaube die Evangelische Kirche ist da schon etwas weiter. Oder?

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  7. Ich kann es nicht mehr hören, mir wurde mal gesagt, das ist doch schlimmer als die Bombe von Hiroschina. Es gibt da Menschen die glaube ich auch ihrer eigenen Sexualität nicht sicher sind. Sonst würden die doch keine Angst zu haben brauchen. Achtung Ansteckungsgefahr…Hilfe… Na hier in Luxemburg haben wir das Gesetz ja auch durch uns ich habe vor kurußzem meine Frau geheiratet. Wie auch unser Premier Minister seinen Partner. So hat der Vatikan mitgeteilt, dass er keine Geschäfte mit Luxemburger Banken machen würde :D:D:D aus ethischen Gründen. Na sonst können wir aber alles aus ethischen Gründen vereinbaren. Ach die du bemerkst hast du meinen Nerv getroffen:D LG

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