Ziele

Wie immer legte ich Handtuch und Schlüssel auf dem Tresen ab, zog die Schublade auf und blätterte nach dem Kärtchen mit meinem Namen. „Da kannst du lange suchen“, sagte der Trainer und wedelte strahlend mit dem Beweisstück meines Durchhaltevermögens. „Ich habe sie schonmal rausgesucht, wir machen jetzt dein Kontrolltraining.“ Das fand ich gut. Die Karte war ohnehin voll und meine Sehnsucht nach zusätzlichen Übungen groß. (Ich frage mich immer noch, was mir genau auf den Kopf gefallen ist. Das Erinnerungsvermögen hat auch gelitten, muss also ein sehr schwerer Schlag gewesen sein.)

Im Vorgespräch bat ich ihn dann um zusätzliche Übungen. Auf seine Frage, was mir denn vorschweben würde, entgegnete ich: „Ich muss noch irgendwas an den Beinen tun. Bei der Kraftmessung waren sie mit Abstand am schlechtesten. Und wenn wir noch irgendeine Maschine für meinen Hüftbereich finden könnten…?“ Nachdem wir besprochen hatten, welche Maschinen in meinen Trainingsplan aufgenommen werden und welche rausgeschmissen wird, begann er seinen Drill. Er findet nämlich, man könnte den Leuten auch einfach mal heimlich bis zu 20 Pfund mehr drauflegen. Würden die gar nicht merken. Mehr als vier zusätzliche Pfund hat er mir aber nicht aufgelegt – meine Gewichte sind in Relation völlig in Ordnung. Insgesamt lief das Kontrolltraining ziemlich gut.

„Soooo, das ist eine deiner neuen Maschinen. Sie ist schrecklich, trainiert aber den unteren Bereich der Taille, also dieses V hier“, sagte er und zeigte auf die Abbildung am Trainingsgerät. „Spitze, das wird meinen zukünftigen Sixpack ja perfekt betonen“, stellte ich freudig erregt fest. Wir guckten uns an und lachten. „Ich sagte ‚zukünftig‘! Man braucht ja Ziele.“ „Stimmt. Und wenn du mit der Maschine hier fertig bist, macht die Maschine für die Bauchmuskeln gleich doppelt so viel Spaß“, verkündete er schadenfroh. Voller Enthusiasmus setzte ich mich in die Maschine, die meinen Sixpack in Zukunft betonen soll, und machte meine ersten Übungen. „Pfff.. ach, herrpfff….“, keuchte ich. „Die ist ja.. uff… richtig… pffff… anstrengend.“ Er lachte. „Jap, reden klappt da nicht so gut, was?“ „Atmen auch nicht!“, presste ich hervor. Wenn es eine Maschine gibt, mit der man die Hölle beschreiben kann, dann ist es diese. „Aber weißt du was? Für meinen Sixpack tu ich einiges“, verkündete ich ehrgeizig und hielt tapfer durch – auch bei der anschließenden Bauchmuskelmaschine.

Als ich mich nach dem anstrengenden Kontrolltraining umgezogen hatte und mich bedanken wollte, plauschten wir noch kurz. „Wie fühlst du dich eigentlich nach dem Training?“ „Völlig ko!“, sagte ich. „Super, so muss das sein. Und nach dem Training einfach mal einen Quark essen….“, riet er mir. Ich lachte. „Proteine, ich weiß. Glaubst du wirklich, den Sixpack überlasse ich dem Zufall?“. Niemals. Denn wer zuletzt lacht, das bin ich. Und mein Sixpack. Also, der zukünftige. Man muss nur Ziele haben.

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6 Gedanken zu “Ziele

  1. Welches Wundermaschinchen ist das denn, das den zukünftigen Sixpack hervorzaubern wird? Vielleicht kann ich das wissen ja mal verwenden, wenn ich mal mein ganzes Fitnessstudio zum Lachen bringen will, indem ich vorgebe, mir auch sowas antrainieren zu wollen ;-).

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      1. Danke für die Antwort und das Bild. Ich weiß zwar nicht, wie das Ding heißt, aber gesehen hab ich es schon mal. Und auch, wie die Jungs und Mädels darin ins Schwitzen kommen. Wobei man im Fitnessstudio ja die anderen nicht beobachtet, wurde mir gesagt. Würde ich ja nie tun :-).

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