Religionsunterricht nach meinem Geschmack

Dadurch dass meine Schüler aus aller Welt kommt, erfährt man viele spannende Sachen über andere Länder und Kulturen. Kürzlich schweiften wir bei einer mündlichen Übung zum Thema „Religionsunterricht“ ab.

Wenn wir über kulturelle Unterschiede sprechen, erzähle ich ihnen auch immer viel darüber, was in Deutschland üblich ist, was weniger üblich ist und gebe ihnen Tipps für den Umgang mit Menschen und Situationen. Im Zusammenhang mit dem Religionsunterricht erzählte ich, wie es bei uns in der Schule läuft, dass wir einen katholischen und einen evangelischen Unterricht haben und dass man ab einem bestimmten Alter selbst entscheiden darf, ob man teilnehmen möchte oder nicht.

Die Spanierin in meinem Kurs schaute mich mit offenem Mund an. „Was? Das hätte ich nicht gedacht!“ Dann erzählte sie, dass es auch in Spanien Religionsunterricht gibt, allerdings nicht getrennt, denn die Ausrichtung des Unterrichts ist eine andere. Nicht die Bibel wird gelehrt, sondern die Religionen dieser Welt. Die Schüler sprechen über das Christentum, den Islam, das Judentum, Buddhismus und mehr.

Ich war sprachlochs – und begeistert zugleich. Wenn sich unser Religionsunterricht so gestaltet hätte, hätte ich sicher nicht mit Abwesenheit geglänzt, sobald es mir möglich war (wobei ich stattdessen Philosophieunterricht hatte, der mir sehr viel Spaß machte). Ich halte den Unterricht, den die Spanierin genießen durfte, für eine bessere Variante als den Unterricht, den wir haben (bzw. den, den ich erlebt habe). Zum einen wirkt man dem Unbekannten entgegen, kann für mehr Toleranz sorgen und die Allgemeinbildung stärken und zum anderen halte ich den Glauben für eine persönliche Sache.

Wenn wir in Deutschland demnächst getrennten Hauswirtschaftsunterricht für Fleischesser, Vegetarier und Veganer hätten, würde sicher ein Aufschrei durchs Land gehen. Denn wie der Glaube ist auch die Ernährung eine persönliche Sache, bei der jeder für sich selbst entscheidet, welche Form er wählt. Die Menschen unabhängig von ihrer Wahl über alles aufzuklären, schafft aber Verständnis und ermöglicht in Wirklichkeit erst die Wahl.

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9 Gedanken zu “Religionsunterricht nach meinem Geschmack

  1. Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, was damals noch absolut frevelhaft war. Meinen Glauben habe ich mir jedoch immer erhalten. Mich störte der Zwang hinter der geheuchelten Frömmigkeit. Wie kann man sich Christ nennen und gleichzeitig alles verdammen, was nicht gleichen Glaubens ist?! Aber lassen wir das.
    Die in Spanien praktizierte Variante des Religionsunterrichts, hätte mir sicherlich auch sehr gefallen. Die Schule sollte generell viel mehr aufklären und die ganzen weltlichen Unterschiede vermitteln. Dann wäre Toleranz vielleicht für einige kein Fremdwort mehr .

    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir.

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  2. Zumindest in unserem Lehrplan wurden auch andere Religionen unterrichtet in dem Sinne, dass uns ihre Geschichte und ihr Glaubensinhalt erzählt wurden.
    Ich denke, Du vermischst da zwei Dinge: Der klassische Religionsunterricht ist nicht dafür da, jedem von Außen einen Einblick in die Religion zu verschaffen, sondern diejenigen, die bereits der Religion angehören, in Glaubensdingen zu unterrichten und ihnen die Moral und Ethik ihrer Religion sowie als notwendig erachtetes Wissen nahezubringen und ja, auch anzuerziehen, man wird von einem religiösen Spezialisten unterwiesen.
    Daher kann ein „echter“ Religionsunterricht auch nur von einem Gläubigen selbst erteilt werden, während dieser „spanische Unterricht“ von jedem objektiv und wissenschaftlich arbeitenden Menschen gegeben werden kann. Fände ich als Schukfachangebot auch klasse, sind aber definitiv zwei verschiedene Paar Schuhe.

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    1. Mir ist schon klar, dass es sich um unterschiedliche Ansätze handelt. Ich finde aber, dass unser Ansatz eigentlich nicht in die Schule gehört, sondern in die eigenen vier Wände. Denn die Vermittlung des Glaubens ist nicht Sache des Staates. Als „religiöse Spezialisten“ würde ich Religionslehrer (jedenfalls die, die ich hatte) nicht bezeichnen. ;)

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      1. Na ja, sie haben’s zumindest studiert …
        Über die Existenzberechtigung von Religionsunterricht könnte man streiten, muss man aber mMn nicht: Niemand wird gezwungen, daran teilzunehmen bzw. entscheiden das die Eltern, ab 14 das Kind selbst. So what? Alles freiwillig, aber den meisten Kindern, die ich kenne, gefällt’s, zumindest in der Grundschule. Ich bin froh, dass es Reli in der Schule gibt, ich hätte daheim gar nicht so die Zeit dafür. Und wer das für sein Kind nicht will, lässt es aus dem Unterricht raus, ganz einfach.
        Dennoch fände ich einen „spanischen Unterricht“ als zusätzliches Fach klasse, gerade in heutigen Zeiten der Globalisierung. Bzw. ein generelles Fach, das sich auch mit anderen Kulturen beschäftigt, das Bisschen, was Geschi abdeckt, lagt bei Weitem nicht.

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  3. Im Unterricht in der Oberstufe haben wir in Religion fast ein Jahr lang Fremdreligionen gemacht. Am meisten den Islam, wegen dem IS und den Selbstmordattentätern. Aber auch andere Religionen, die es teilweise gar nicht mehr gibt, haben wir in Referaten vorgstellt und konnten selbst auswählen welche Religion unere wird.

    Bei und herrscht also ein Ansatz von dem spanischen Religionsunterricht. Aber ich muss sagen, dass ich das auch interessanter finde, als den typischen deutschen Unterricht. Vorallem weil man ja Religion wählen muss, ob man gläubig ist oder nicht.

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    1. Muss man nicht! Zumindest heutzutage entscheiden das die Eltern, auf deren Wunsch hin wird man vom Religionsunterricht befreit. Mit 14 ist man hierzulande (BRD) religionsmündig und entscheidet selbst, ob man am Religinsunterricht teilnimmt oder nicht.

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