Wien/Prag, Tag 1 – Keep your distance

Mittwochmorgen, kurz vor 6. Das Navi sagt, wir würden für die Strecke nach Wien etwa 7,5 Stunden brauchen. Die brauchten wir auch. Plus 2,5 mehr, denn wir fuhren im  Schneckentempo gemütlich, hatten ja keinen Stress. Zweimal  machten wir allerdings eine ausgedehnte Pause beim großen M (das sollte man wohl fairerweise dazu sagen). Besonders toll fand der Liebste, dass uns sein Auto mit nur einer Tankfüllung (immerhin mehr als 800 km) bis nach Wien kutschiert hätte (der Verbrauch lag übrigens bei 4,8 Litern). Besonders toll fand ich, wie der Liebste gefahren ist. Ich bin normalerweise kein besonders guter Beifahrer, aber ich glaube, ich habe mich nicht einmal beschwert.

Besonders unterhaltsam fanden wir auf der österreichischen Autobahn diese Schilder. Die meisten von ihnen waren auf Englisch (Keep your distance). Ist euch auch sofort aufgefallen, dass das obere Kennzeichen die österreichische Kennung trägt, während das untere deutsch ist? Na klar, die Deutschen brettern voll in die Österreicher rein. Also ich erinnere mich da an einen Abschnitt in der Geschichte, in der ein Österreicher… Naja, wir schmunzelten jedenfalls über das Schild (konnten es aber trotz Schneckentempo leider selbst nicht fotografieren).

Rosis Laufhaus
Rosis Laufhaus

Unser Hotel lag nahe Schloss Schönbrunn etwas abseits der Innenstadt. Die Gegend sah nicht aus, als wäre sie die allerbeste, das Hotel selbst war jedoch klasse und hatte sehr moderne, geschmackvolle Zimmer, in denen man sich wohlfühlte. Allerdings witterte ich  einen Skandal! Einen Skandal im Sperrbezirk! Rosi hat nämlich ein Laufhaus, das sich direkt gegenüber unseres Hotels befand. Und da die Website des Laufhauses über der Tür deutlich angepriesen wurde, kam ich nicht umhin, sie mir näher anzuschauen – so wusste ich immer, wer da gegenüber gerade „Bereitschaftsdienst“ hat.

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Schloss Schönbrunn

Nachdem wir angekommen waren und ein paar Sachen abgelegt hatten, spazierten wir zum Schloss Schönbrunn. „Erinnert irgendwie an Versailles“, sagte ich zum Liebsten, als wir über den riesigen Vorplatz auf das Hauptgebäude zuliefen. Anschließend schlenderten wir durch einen Teil des imposanten Gartens, vorbei an den Mauern des Wiener Zoos (ich hätte schwören können, dass der Panda in diesem Moment nach mir rief!), hin zur Gloriette.

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Im Rücken des Neptunbrunnens mit Schloss Schönbrunn im Hintergrund

Während unseres Spaziergangs versank die Sonne langsam hinter dem Horizont. Auf halbem Weg zur Gloriette, nämlich am Neptunbrunnen, nutzte der Liebste das Licht für ein Foto.

Und dann liefen wir auch schon den Berg Hügel zur Gloriette hoch (was wirklich sehr anstrengend war). Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, die Gloriette wirkte in dem Moment erstmal nur „nett“. Viel beachtlicher war der Blick Richtung Schloss Schönbrunn, denn von diesem Punkt aus sah man nicht nur das Schloss, sondern einige Bereiche Wiens von oben. Im Glanze des untergehenden Lichts machte sich ein wohliges Gefühl breit. Spätestens jetzt war ich in Wien, in meinem ersten Urlaub seit langer Zeit, angekommen.

Als ich mich wieder umdrehte, war das Licht längst verschwunden. Der Blick, der sich nun bot, war eigentlich so richtig WOW, seht selbst:

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Gloriette

Aber mein erster Gedanke (den ich übrigens auch laut aussprach) war: „Radeberger! Das sieht aus wie in der Radeberger-Werbung!“ Der Liebste verdrehte die Augen. „Tut es nicht.“ Er hatte Recht, wie ich nach meinen Recherchen feststellte. (Hierbei handelt es sich nämlich eindeutig nicht um die Gloriette, sondern um die Semperoper – vor dieser standen wir übrigens auf unserer Rückreise, da dachte ich allerdings nicht an Radeberger.)

Nachdem die Sonne untergegangen und auch die blaue Stunde gänzlich vorüber war, wollten wir ein originales Wiener Schnitzel essen. Also liefen wir den Hügel der Gloriette wieder hinab, vorbei am Neptunbrunnen, durch den Schlossgarten, vorbei an Schloss Schönbrunn, auf den Vorplatz des Schlosses. Als wir uns zum Schloss umdrehten, waren wir sprachlos. Was für ein atemberaubender Anblick!

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Schloss Schönbrunn

Wir hielten noch ein paar Momente inne, ehe uns die knurrenden Mägen in Richtung Schnitzel trieben. Nach 11.458 Schritten fielen wir dann ko, aber glücklich und zufrieden ins unheimlich bequeme Hotelbett. „Keep your distance“, scherzte ich. Er lächelte. Ich auch. Das wird ein schöner Urlaub.

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11 Gedanken zu “Wien/Prag, Tag 1 – Keep your distance

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