Wien/Prag, Tag 4 – Im Westerwald gibts kein McDonalds

Was bisher geschah: Tag 1, Tag 2, Tag 3.

Unser Aufenthalt in Wien endete entspannt. Wir machten uns in aller Ruhe fertig, frühstückten gemütlich, packten unsere letzten Sachen zusammen und verweilten noch zwei geschlagene Stunden!!! eine Weile im Foyer des Hotels (der Liebste hatte noch einen Blogeintrag geschrieben und mit Bildern gespickt – Letztere nahmen sich sehr, sehr viel Zeit, ehe sie sich dazu bequemten, vollständig auf den Server geladen zu sein). Anschließend checkten wir aus und machten uns auf den Weg nach Prag.

Grenze
Direkt hinter der tschechischen Grenze

Einen großen Teil der Strecke fuhren wir nicht über die Autobahn, sondern über Landstraßen. Als wir die Grenze nach Tschechien passierten, fühlte man sich gleich in eine andere Welt versetzt. Auf den letzten österreichischen Kilometern war alles dröge. Direkt hinter der Grenze beginnt alledings das Wunderland – jedenfalls für Kinder und Männer. Denn hier konnten beide super spielen. Die einen auf Spielgeräten und Fahrgeschäften, die anderen auf/an/mit Frauen in blond/brünett/rot/wasdeinHerzbegehrt.

Einige Kilometer weiter war davon allerdings nichts mehr zu spüren, ganz im Gegenteil. „Das sieht aus wie im Westerwald“, kommentierte der Liebste die Landschaften mit kleinen Siedlungen links und rechts. „Mhm.“ Ich sehnte mich nach einem McDonalds, da ich nämlich erstens zur Toilette musste und zweitens einen McFlurry haben wollte. Aber, glaubt mir, dort, wo es aussieht wie im Westerwald, gibt es keine McDonalds. Nie! Also musste ich mit der nächstbesten Tankstelle vorlieb nehmen.

Ich betrat die Tankstelle und fragte die junge, nervöse Dame in bestem Englisch, ob ich mal die Toilette benutzen und dafür den Schlüssel haben dürfte. Sie gab mir den Schlüssel – wortlos. Nachdem der Liebste und ich uns erleichtert hatten, brachte ich den Schlüssel zurück und kaufte mir noch ein Eis. Die Dame sprach konsequent tschechisch mit mir. Ich habe kein Wort von ihr verstanden. Sie von mir aber vermutlich auch nicht. Am Ende haben wir es aber doch irgendwie hinbekommen, dass ich ein abgefahrenes Magnum (Erdbeereis mit Erdbeersauce und weißer Schoki ummantelt) in den Händen hielt und nun mein McFlurry substituieren konnte (zugegeben, mehr schlecht als recht).

Viele Kilometer später erreichten wir endlich Prag. Und ein Hotel, das im Vergleich zu Wien deutlich spartanischer war. Aber wir würden hier ja ohnehin nicht viel Zeit verbringen – und Luxusurlaub hatten wir schließlich auch nicht gebucht. Nachdem wir ein paar Sachen ausgeräumt hatten, wollten wir Abendessen gehen. Also machten wir uns auf den Weg in die Altstadt, nur wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt. Nachdem wir hier und da durch ein paar Gassen gelaufen sind, landete ich in einem Candy-Shop. Ich war unheimlich hungrig und ahnte, das würde hier kein gutes Ende nehmen, wenn ich nicht sofort gehe. Also verließ ich fluchtartig diese himmelsgleichen Hallen (in denen es übrigens zauberhaft roch) und fand mich wenige Minuten später im Hard Rock Café wieder.

Altstädter Ring
Altstädter Ring

Dort trafen wir auf Milan, unseren wirklich sehr netten Kellner, mit dem wir uns viel unterhielten. Wir erzählten ihm, dass wir gerade erst angereist waren, wo wir herkamen und dass wir Deutsche sind (wir waren sehr gebauchpinselt, als er sagte, das würde man an unserem Englisch gar nicht hören – normalerweise würden die Deutschen sehr speziell sprechen). Danach fragten wir ihn, ob er ein paar Empfehlungen und Tipps bezüglich Prag für uns hätte. Die hatte er. Ich holte meine Karte raus und machte fleißig Kreuze. Anschließend sagte er, dass es schön wäre, nachts in der Nähe der Karlsbrücke an der Moldau spazieren zu gehen. Die Lichter, sie wären toll. Er könne es nicht beschreiben, aber wir würden schon wissen, was er meint, wenn wir sie uns anschauen. Wir beschlossen, es noch am selben Abend zu tun und unseren Rückweg zum Hotel als Moldauspaziergang zu gestalten. Vorher nutzten wir aber die blaue Stunde und gingen zum Altstädter Ring.

Dort verweilten wir ein wenig, ließen die Umgebung auf uns wirken, genossen die entspannte Atmosphäre und kamen auch innerlich in Prag an. Ehe wir zur Moldau weitergingen, warfen wir noch einen Blick auf die astronomische Uhr – die würden wir uns aber morgen noch genauer anschauen (und erst übermorgen wirklich Interessantes dazu erfahren).

Über eine Brücke, die uns einen wundervollen Blick auf die erleuchtete Prager Burg erlaubte, liefen wir auf die andere Seite der Moldau. Hier gingen wir durch ein paar kleinere Gassen, passierten das Franz Kafka-Museum (das wir am nächsten Tag unbedingt besuchen wollten) und schlenderten über die berühmte Karlsbrücke wieder auf die zentrale Seite Prags. Diesen Weg würden wir in den nächsten Tagen noch oft gehen – allerdings meistens dann, wenn die Touris noch im Bett liegen oder gerade die günstigen Bierpreise ausnutzen.

Karlsbrücke_Prager Burg
Karlsbrücke (vorne) und Prager Burg (hinten)

Als wir die Karlsbrücke verlassen hatten, das Zentrum in unserem Rücken lag und der Weg weiter Richtung ersehntem Bett führte, konnten wir sehen, was Milan meint. Wow, es war einfach wundervoll. Auf dem Bürgersteig, auf dem wir uns befanden, waren die Straßenlaternen ausgeschaltet – so konnte man einen wundervollen, ungestörten Blick auf die beleuchtete Karlsbrücke, die Prager Burg und all die anderen schönen Lichter auf der anderen Moldauseite erhalten. Die Magie solcher Szenerien lässt sich leider nie wirklich gut in Fotos festhalten – aber wir haben trotzdem ein ganz nettes schießen können.

12.456 Schritte nach dem Aufstehen schloss ich meine Augen wieder. Der morgige Tag beginnt wird früh beginnen – wir wollen auf Kafkas und anderen geschichtlichen Spuren wandeln.

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2 Gedanken zu “Wien/Prag, Tag 4 – Im Westerwald gibts kein McDonalds

  1. Prag steht auf jeden Fall auf der Liste der Städte, die ich irgendwann einmal mit eigenen Augen sehen möchte. Aber mit Kindern macht das wieder nur so halb Sinn :-/ .

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