Wien/Prag, Tag 5 – Auf historischen Spuren

Der erste Morgen in Prag – oh, ich bin ja so gespannt, wie das Frühstücksbuffet ausfallen wird. Haben sie diesmal Croissants? Nope, haben sie natürlich nicht. Dafür haben sie aber jeden Morgen andere süße Leckereien. Kuchen (werde nie verstehen, warum es Kuchen beim Frühstücksbuffet gibt, werde das aber stets begrüßen) und Berliner. Mhm, ja, hier geht was.

Kafka_Cafe
Franz Kafka-Café

Nachdem wir vom Frühstück gestärkt waren, führte unser erster Weg zum Altstädter Ring, wo wir uns erstmal ins Café setzten. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um irgendein Café, sondern um das Franz Kafka-Café. In diesem Haus wurde Franz Kafka, der wohl berühmteste Bürger Prags, geboren (hier lebte er allerdings nur kurze Zeit).

Prag kokettiert sehr stark mit Franz Kafka. Überall in der Stadt erhält man Kafkas Werke und andere Kafka-Souvenirs. Es gibt das Kafka-Café, ein entsprechendes Museum, eine Statue und sicher noch viel, viel mehr. Kafka ist quasi überall. Wo genau? Tja, das ist ein wenig kafkaesk (sorry, musste sein ;-)).

Nach einer ausgiebigen Cola schlenderten wir durch das Judenviertel zum Franz Kafka-Museum, wo Leben und Arbeit von ihm spannend dargestellt und beschrieben wurden. Das Museum ist wirklich großartig aufgebaut. Alle Räumlichkeiten sind recht dunkel gehalten, um eine kafkaeske Atmosphäre zu schaffen. So, wie Kafkas Leben eigentlich war. Dunkel, zweifelnd, zurückgezogen, eintönig und voller Liebe für das geschriebene Wort. Im gesamten Museum stehen überall Zitate Kafkas (übrigens auf Deutsch – ich glaube, als Deutscher nimmt man am meisten aus dem Museum mit), finden sich Briefe an eine seine ehemaligen Freundinnen oder Gutachten aus seiner Zeit in der Bürokratie. Kafka fasziniert und infiziert mich. Ich habe bislang nie ein Buch von ihm gelesen (auf Drängen Vorschlag des Liebsten allerdings „Die Verwandlung“ als Hörbuch gehört), war jedoch gleich von der Türhüterparabel gefesselt. Sie stellte im Grunde auch das Ende des Museums dar.

Auf unserem Plan stand nun, uns durch die Prager Burg führen zu lassen. Das sollte großartig werden, denn ausgerechnet heute gab es dort das Eröffnungsfest zur Sommersaison. Das bedeutete zwar auf der einen Seite, dass die Burg mehr als gut besucht war, ermöglichte uns aber auf der anderen Seite, alles ohne Eintritt zu sehen. Außerdem war seit zwei Tagen der Garten zur Burg geöffnet, den wir uns im schönsten Sonnenschein anschauen konnten – wir hatten einfach in jeder Hinsicht Glück.

Nach dem Garten ging unsere Führung zum (ehemaligen) Haus des Präsidenten. Lange Zeit war der Garten nur dem Präsidenten zugänglich. Einer von ihnen änderte das allerdings selbstlos. Er hat jetzt ein anderes Anwesen. (Auch groß. Auch schön. Auch direkt an der Prager Burg. Und natürlich mit Garten.)

Prager Burg_Veitsdom
Im Veitsdom

Die nächsten Meter führten uns über eine Brücke zum ersten von drei Hofplätzen. Dort kamen wir gerade pünktlich zur Wachablösung. Besonders spektakulär war die allerdings nicht. Also gingen wir rasch weiter und standen schon bald vor dem Veitsdom. Ich habe noch nie einen Dom gesehen, der ringsum so dermaßen zugebaut wurde. Ich habe aber auch noch nie einen Dom gesehen, der innen so hell war. Das ist eine der Besonderheiten dieses Doms. Er gehört zu den hellsten überhaupt. Der Architekt hatte sich nämlich erlaubt, Fenster im oberen Bereich des Doms einzuplanen – eher unüblich für Gotteshäuser. Da heute quasi „Tag der offenen Tür“ war, durften wir ohne Eintritt einmal durch den gesamten Dom laufen. Ein wirklich schöner Ort.

Prager Burg_Fenstersturz_1
Fenster vom Prager Fenstersturz (Mitte, ganz links)
Prager Burg_Fenster
Im Hintergrund das Fenster (genau dort, wo der Ast mit den weißen Blüten vorhängt)

Als nächstes liefen wir am Goldenen Gässchen vorbei, jedoch nicht durch. Die Schlange war einfach zu lang. Da das Goldene Gässchen nur nett anzusehen und ansonsten nichts großartig Besonderes war, entschieden wir uns, uns nach der Führung nicht für das Goldene Gässchen anzustellen, sondern direkt zur Deutschen Botschaft weiterzugehen. Vorher wollten wir uns allerdings noch das wohl berühmteste Fenster der Burg anschauen: Das Fenster, an dem der Prager Fenstersturz stattfand. Wir ließen das Fenster ein wenig auf uns wirken, machten ein paar Bilder und setzten unseren Weg Richtung Botschaft fort. Ich war sehr gespannt, denn dort befand sich der berühmte „Genscher-Balkon“. Und Genscher war erst wenige Tage zuvor gestorben.

Deutsche Botschaft
Deutsche Botschaft in Prag

Der vordere Teil der Deutschen Botschaft ist unspektakulär. Durch ein Schild erhielten wir den Hinweis, dass wir zur Rückseite gehen sollten, denn Einlass würde man hier als neugierige Einzelperson(en) nicht erhalten. Wir liefen also einmal um die Botschaft rum und wussten, das hat sich gelohnt! Die hintere Ansicht war großartig. Mit ein paar Metern Abstand mehr konnte das ganze Gebäude wahrscheinlich überhaupt erst wirken. Die Botschaft zu betreten, wäre sicher spannend gewesen, die Ansicht aber wohl nicht vergleichbar schön.

Als wir wieder Richtung Altstadt gingen, liefen wir erneut über die Karlsbrücke. Denn durch die vorangegangene Burgführung wussten wir nun: dort steht Nepomuk! Und den muss man berühren, das soll Glück bringen. Wir wollten natürlich nichts riskieren!

Tanzendes Haus
Tanzendes Haus

Nachdem wir dies „erledigt“ hatten, gingen wir entlang der Moldau zum tanzenden Haus. Der Architekt Künstler dachte sich Folgendes bei dem Ding Werk. Eine Frau schmiegt sich im Tanz an den Mann mit Hut. Sieht man sofort, oder? Ist gleich der erste Gedanke, den man hat, was? Ja, genau so ging es mir auch…

Bevor wir den Tag beendeten, gingen wir noch ins Hooters, um erstens köstlich zu dinieren etwas zu essen und um zweitens nachzufragen, ob sie übermorgen das CL-Spiel von Bayern übertragen würden. Letzteres erwies sich allerdings als sehr schwierig, da unsere süße, 20-jährige Bedienung nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte war. Gut, im Hooters sollen sie ja auch erstmal nur heiß sein. Aber sie war leider nicht mal heiß, sie war einfach nur süß. Eine Frau mit Format, Persönlichkeit und Selbstbewusstsein hätte ich deutlich passender und spannender gefunden als eine, der ich am liebsten eine Barbie in die Hand drücken möchte. „Wieso sollte eine Frau mit Format, Persönlichkeit und Selbstbewusstsein dort arbeiten?“, fragte mich gestern ein Freund. Mhm, gute Frage. Noch mehr beschäftigte mich an jenem Abend im Hooters aber die Frage, wo wir denn nun das CL-Spiel gucken sollten. Aber es gab ja noch ein weiteres Hooters in Prag… Vielleicht dort.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wien/Prag, Tag 5 – Auf historischen Spuren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s