Wien/Prag, Tag 7 – Can I have a cock?

Unser letzter Tag in Prag beginnt früh. Wir haben inzwischen alles „Wichtige“ gesehen und planten, uns heute den äußeren sowie den südlichen Teil des Prager Zentrums anzusehen. Daher führte unser erster Weg über den Charles Square zum botanischen Garten – jedenfalls war dieser Fleck auf unserer Karte als botanischer Garten eingetragen. In Wirklichkeit handelte es sich hier um einen Teil der biologischen Fakultät. Hier gab es jedoch nichts wirklich Spannendens zu sehen, also gingen wir weiter.

Als nächstes wollte ich zu einem Punkt, der auf meiner Karte als „Sacre-Coeur“ angegeben war. Da ich schon einmal in Paris war und die dortige Sacre-Coeur kenne, konnte ich mir nicht nehmen lassen, sie auch in Prag anzuschauen (da Prag sich ja stark an Paris orientierte). Allerdings mussten wir erst einmal suchen, bis wir überhaupt fündig wurden – und dann auch noch feststellen, dass wir zum einen nicht in das Gebäude rein durften und es zum anderen überhaupt nichts mit der gleichnamigen Kirche in Paris zu tun hat.

Etwas enttäuscht setzten wir unseren Weg fort. Es wurde Zeit für eine kleine Rast. Wir entschieden uns dazu, uns die Sonne auf einer kleinen Moldauinsel ins Gesicht scheinen zu lassen. Hach, hier war es herrlich. Zeitlich lagen wir irgendwo zwischen Morgen und Mittag, die Sonne wärmte uns, ein leichter Wind wehte, die Moldau schwappte leise vor sich hin, ein paar Enten zogen ihre Kreise. Über eine Stunde genossen wir diese schöne Atmosphäre, ehe wir noch einmal durch die Kleinseite spazierten und den Laurenziberg ins Visier nahmen.

Petrin Garden_Metronom
Am Metronom

Auf dem Laurenziberg sollte es sehr schön sein, sagte uns Milan, der Kellner aus dem Hard Rock Café. Er hatte Recht, hier war es sehr schön, Man hatte einen hübschen Blick über Prag. Ich konnte ihn allerdings nicht wirklich genießen. Mir taten die Füße unheimlich weh. Es war schrecklich warm. Und ich hatte Hunger. Ich wollte mir dennoch das auf dem Berg stehende Metronom anschauen. Besonders beeindruckt hat es mich allerdings nicht. Viel spannender fand ich die Schnur, an der sich ein Haufen Schuhe befand. Wir wussten nicht, warum. Vermutlich hatte irgendwer mal damit angefangen – und andere folgten. Hier war jedenfalls ein entspannter Ort. Ein Ort, an dem sich wohl die heimischen Jugendlichen trafen. Hier gab es viel Bier, viele Skater, generell viele junge Leute, die keine Touristen waren. Das Feeling war wirklich klasse – wäre da nicht der Hunger gewesen, der uns vom Berg runter und durch das Judenviertel direkt auf die Stühle eines Italieners trieb.

Nach dem Essen schlenderten wir zum Ständetheater, wo Mozart eine Statue gewidmet wurde, da sein Werk „Don Giovanni“ hier erstmals aufgeführt wurde. (Die Wohnung, in der Mozart sich bei seinen Pragbesuchen aufhielt, wird übrigens aktuell von Karel Gott bewohnt.) Der Liebste wollte nochmal am Karolinum, einem Teil der Universität vorbeigehen, ehe wir uns in eine nahegelegene Eisdiele setzten, um Postkarten zu schreiben. Der Kellner des Eiscafés sprach ganz hervorragendes Englisch. Die Herrschaften, die sich kurze Zeit später an den Nebentisch setzten, allerdings nicht. Die Frau fragte jedenfalls: „Can I have a cock?“ Ob sie wohl wusste, was sie dort gerade gefragt hat? Der Liebste und ich fanden es lustig. Der Kellner, ein junger Mann, sicher auch. Er verhielt sich allerdings ganz professionell, schrieb eine Coke auf und brachte ihr auch genau die.

Mini Market
Supermarkt in Prag

Im schönsten Sonnenschein setzten wir unseren Weg zum Hotel fort. Wir hatten zwar erst Nachmittag, aber unser Tag würde noch nicht beendet sein – schließlich war heute Abend das CL-Spiel von Bayern. Vorher wollte ich allerdings noch in den Supermarkt. In ganz Prag habe ich keinen einzigen Supermarkt gefunden, wie wir ihn gewohnt sind. Stattdessen gab es überall Mini Markets, die nichts anderes als etwas größere Kiosks sind. Das hatte aber durchaus seinen Charme.

Beer Spa
Beer Spa

Schräg gegenüber des Supermarktes befand sich allerdings auch etwas sehr Amüsantes, nämlich ein Beer Spa. Erst dachte ich, das wäre ein Witz. Aber nein, kein Witz. Hier gab es quasi Wellness „For Men“. Lange konnte ich mich darüber allerdings nicht amüsieren, denn ich sehnte mich nach einer kurzen Auszeit, ehe mich meine Füße wieder in eine Bar tragen sollten. Das taten sie nach der Auszeit dann auch – sogar überraschend gut. Glücklicherweise.

Wir kehrten im Hooters nahe unseres Hotels ein, um kurze Zeit später festzustellen, dass sie zwar vier Fernseher haben, auf denen man unterschiedliche Programme laufen lassen kann, dass sich aber niemand der Hooters-Mitarbeiter dazu hinreißen ließ, wenigstens auf einem der Fernseher das Bayernspiel zu zeigen. So nicht, Freunde, soooo nicht! Wir packten unsere Sachen und legten einen 15-Minuten-Marsch zum anderen Hooters hin. Hier würden sie das Spiel zeigen, versicherte man uns. Als wir ankamen, war das Spiel bereits seit 10 Minuten im Gange. Grml, das erste Tor war bereits gefallen. Dafür hatten wir aber immerhin einen Platz mit gutem Fernseherblick und eine Bedienung, die zur Abwechslung mal passend und spannend war. Wir haben uns wunderbar mit ihr verstanden und unterhalten. Wir sind ohnehin sehr oft des Kellners Liebling, in jeder Stadt. So schön es in diesem Hooters auch war, wir verließen es kurz nach Abpfiff des Spiels. Unser Wecker würde morgen sehr früh klingeln. Die Heimfahrt stand an.

Vorher brauchten wir allerdings noch einen Briefkasten – denn die Postkarten waren zwar geschrieben und mit Briefmarken beklebt, aber noch nicht eingeschmissen. Das lag daran, dass wir bisher keinen Briefkasten gefunden haben. Die sind nämlich leider nicht wie in Deutschland knallgelb und an fast jeder Straßenecke zu finden, sondern farblich sehr dezent gehalten und zusätzlich nur spärlich in der Stadt verteilt. Wir suchten eine gefühlte Ewigkeit bis wir schließlich einen fanden. Das nächste Problem war: Der Briefkasten hatte zwei Schlitze. Ich kenne solche Briefkästen aus Düsseldorf. Auf der einen Seite wirft man die Post rein, die nach Düsseldorf gehen soll, auf der anderen die Post für außerhalb. Vielleicht war es hier ähnlich? Tja, ich würde es nicht wissen, denn was dort stand, war auf Tschechich. Also fragten wir zwei Tschechen. Die konnten zwar lesen, aber dennoch nicht weiterhelfen (fragt mich nicht, warum). Der Liebste schlug vor, die eine Hälfte der Karten in den einen Schlitz, die andere in den anderen zu werfen. So würden wenigstens 50 % der Karten ankommen. Ich wollte aber, dass alle ankamen! Also warf ich alle in einen der beiden Schlitze und vertraute darauf, dass der Postbote ausreichend Kompetenz besaß (tat er, inzwischen kamen alle Karten an).

Der Briefkasten war glücklicherweise nicht weit von unserem Hotel entfernt. Schon kurze Zeit später fielen wir todmüde ins Bett. 25.067 Schritte zeigte die Fitbit an. Mit dem morgigen Tag, an dem wir unsere Heimfahrt für ein unspektakuläres Stündchen in Dresden unterbrechen sollten und unseren Urlaub mit einem wunderbaren Essen beim heimischen Italiener ausklingen ließen, würden wir am Ende stolz sagen können: Wir sind knapp 160.000 Schritte gelaufen. Mehr als 113 km.

Jeder einzelne Meter hat sich gelohnt, denn Wien und Prag sind zwei wunderbare Städte, die ihre Reise definitiv wert sind. Mit der Ankunft zuhause ist die Reise zwar zu Ende gegangen, die Erinnerung aber erst entstanden. Am Abend würden wir mit einem Lächeln im Bett liegen, an Wien und Prag denken und genau wissen: Die Welt hat viele wundervolle Orte, von denen wir uns in Zukunft sicher jede Menge anschauen werden, aber zuhause… da ist es immer noch am schönsten!

 

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3 Gedanken zu “Wien/Prag, Tag 7 – Can I have a cock?

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