In der blauen Stunde

Es ist Montagabend, der erste im Juli. Mein Tag war lang, die Nacht davor zu kurz. Der Liebste und ich sitzen in der Küche. Während ich mir einen Obstsalat zubereite, sättigt er sich mit Käse, Brot und Würstchen. Ich berichte von meinem Tag, der Liebste schweigt. Als ich fertig bin, schiebe ich die Schüssel weg, lege meinen Kopf in meine Hände und schaue aus dem Fenster. Blaue Stunde. Eine schöne Tageszeit. Eine, die ich erst seit dem Liebsten kenne. Eine, die zum Versinken und Verweilen einlädt, zum Ruhigsein und Innehalten, zum Staunen und Genießen. Wir schweigen immer noch, sind geschafft vom Tag, wollen eigentlich nur noch ins Bett.

Der Tag hatte nichts Besonderes, bis plötzlich – gefühlt aus dem Nichts – eine Entscheidung getroffen wurde. Eine, die längst überfällig war. Ich habe sie vor mir hergeschoben, mich zu sehr vom „Was wäre wenn…“ einnehmen lassen. Zu sehr die Worte anderer Menschen im Kopf gehabt, Bedenken hin- und hergewälzt. Mittlerweile frage ich mich, was sie sich einbilden, diese (fremden) Menschen, woher sie ihre Urteile nehmen, wer ihnen das Recht dazu gibt und warum ihr Horizont eigentlich so beschränkt ist. Wieso sollten sie wissen, was gut für mich ist? Was normal, richtig und angemessen ist? Was ich brauche? Wieso meinen sie tatsächlich, sie wüssten es besser, nur weil sie älter sind, erfahrener? Mittlerweile bin ich trotzig. Es ist nicht so, wie sie denken. Es ist ganz anders. Und es ist mein Leben.

Mein Leben, meine Entscheidung – getroffen in der blauen Stunde. Einer schönen Tageszeit, die ich erst seit dem Liebsten kenne. Der Liebste macht mein Leben besser. Deswegen gibt es kein Wenn und Aber, kein „Was wäre wenn…“, der Moment ist richtig, das Gefühl stimmt. Die Umstände sind nicht üblich, aber so what? Nur ich muss damit glücklich sein, nicht ihr. (Na gut, der Liebste auch. ;-))

Mein Leben, meine Entscheidung – getroffen in der blauen Stunde.

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8 Gedanken zu “In der blauen Stunde

  1. „Was wäre wenn…“ ist ja auch Blödsinn und frisst nur Energie.

    Heute sind es eher die Jungen, die meinen, alles besser zu wissen. Aber ich sag mir dann immer „immer lassen. Sie fallen ganz von allein auf die Nase“. Und weißt du, was für ein innerlicher Lachanfall es dann wird, wenn man recht hat ? Jeder hat das Recht, sich selbst zu blamieren. Nur dann bitte nicht rumnöhlen „hättest du mal was gesagt“ ….

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    1. Kein Mensch kann wissen, was ein anderer braucht, was einem gut tut. Ratschläge und Meinungen sind der Spiegel eigener Erfahrungen. Und damit auch eigener Grenzen. Kein Mensch kann sich anmaßen zu wissen, was für einen anderen gut ist. Die jungen nicht und die alten genauso wenig.

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    1. Nein, nein, es geht um den Schritt vor dem Antrag. ;) Ich lebe quasi seit anderthalb Jahren bei ihm. Aber nicht offiziell. Jetzt wird Nägel mit Köpfen gemacht. Auch wenn es so scheint, als würde sich nichts ändern, für mich ändert sich dadurch sehr viel.

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