Ein Ja für dich selbst

Nein zu sagen ist nicht besonders einfach, finde ich. Es impliziert, dass wir irgendetwas ablehnen, möglicherweise jemanden verletzen und vermittelt uns vielleicht auch das Gefühl, wir würden jemanden im Stich lassen. Noch schwerer wird es, wenn andere unsere Gefühle verstärken und mit unserem schlechten Gewissen spielen. Dabei müssen wir eigentlich gar keins haben.

Wenn wir Nein sagen, haben wir unsere Gründe. Gute Gründe, sonst würden wir vermutlich nicht Nein sagen. Trotzdem fällt es vielen schwer. Man neigt eher dazu, seine eigenen Bedürfnisse zugunsten einer anderen Person oder Sache zurückzustellen, obwohl man lieber Nein gesagt hätte. Man hat es aber nicht, denn ein Ja ist meistens viel harmonischer. Man muss sich nicht auseinandersetzen und hat auch nicht das Gefühl, sich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Kurz gesagt: Man geht den Weg des geringsten Widerstandes.

Ich predige immer wieder, dass der Weg des geringsten Widerstandes in den seltensten Fällen der ist, der uns glücklich macht. Denn beim Weg des geringsten Widerstandes denken wir nicht unbedingt an unsere eigenen Bedürfnisse, neigen eher dazu klein beizugeben und gute Miene zum ungeliebten Spiel zu machen. Obwohl ich das alles weiß, bin ich auch nicht der beste Neinsager. Ich fürchte, jemanden zu verletzen, jemanden im Stich zu lassen, jemanden vor den Kopf zu stoßen. Aber jedes Mal, wenn ich Ja sage, obwohl ich eigentlich Nein sagen wollte, stoße ich mir selbst vor den Kopf. Deswegen übe ich das Neinsagen.

Ich sage immer noch nicht gerne Nein, weil die Konsequenzen, die ein Nein impliziert, weiterhin als Sorge mitschwingen. Auf der anderen Seite impliziert das Nein aber auch etwas unheimlich Positives, nämlich das Ja zu uns selbst. Und das sollte uns wohl wichtiger sein.

Der Text entstand im Februar 2015.

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7 Gedanken zu “Ein Ja für dich selbst

  1. Serh schon geschrieben!
    „Nein“ zu sagen fällt mir immer noch schwer. Früher habe solche Situation bzw. die Menschen dann versucht, zu vermeiden. Heute fällt es mir nur noch gegenüber netten Menschen schwer und dann formuliere ich das harte „Nein“ um, also ein „Ja“ zu einem sanften „Nein“:-D

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  2. Hm, ein Nein fällt leichter, wenn Du darüber nachdenkst, worin die Vorteile des Neins für den anderen liegen. Ein Nein gibt Orientierung. Jeder Mensch hat Grenzen, häufig rein temporärer Natur. Die Grenzen eines Menschen geben ihm Kontur in der Sicht von außen.

    Kinder, die kein Nein erfahren, loten Grenzen bis zum Geht­nicht­mehr aus.

    Und noch etwas zu Enttäuschung. Enttäuschung im wörtlichen Sinne bedeutet sich einer Täuschung zu entledigen.

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