Freud und Leid, Tag 1 (Teil 1/3)

Heute begann mein erster „richtiger“ Tag hier, d. h. der erste Tag mit Therapien. Um 8 Uhr stand bereits „Handtherapie“ auf meinem vollgestopften Plan. Paul und ich freuten uns sehr, denn Zimmergenossin Liz erzählte, dass man dort mit Knete arbeiten würde. Und wer arbeitet bitte nicht gern mit Knete?

Gespannt betrat ich den Therapieraum und musste feststellen: Ich senke den Altersdurchschnitt extrem. Wirklich extrem. Die zweitjüngste Person (abgesehen von Paul, der dürfte um die 30 sein) war sicher 40 Jahre älter als ich. Für Paul und mich ist das aber kein großes Problem, wir können uns anpassen, sind kommunikativ und hatten unseren Anschluss schon gefunden, ehe die Therapeutin den Raum betrat.

Unerwartete Enttäuschungen

Ich freute mich wie ein Schneekönig aufs Kneten, denn naiv wie ich bin, dachte ich, es würde sich um eine Art Play-doh-Knete handeln (ihr wisst schon, diese wahnsinnig tolle Kinderknete in den gelben Döschen). Tat es aber natürlich nicht. Es handelte sich um Therapieknete. Und letztlich war die Knete auch nicht zum Kneten, sondern diente lediglich als Hilfsmittel zum Ablegen der Hand. Zugegeben, das war leicht enttäuschend! Aber nicht so enttäuschend wie die Therapiestunde selbst.

Die Therapeutin zeigte uns, welche Übungen wir machen sollten und erklärte uns anhand von Gruselbildern, die massivst entstellte Rheumahände zeigten, welcher Fehlstellung die auszuführende Übung vorbeugte (Ehrensache, dass ich Paul in diesem Moment die Äuglein zuhielt). Man muss wohl kaum erwähnen, dass die Übungen nun dreimal so motiviert durchgeführt wurden. Allerdings muss man erwähnen, dass es erschreckend ist, wie viel bzw. wie wenig man kann, wie eingeschränkt man durch Entzündungen ist. Ich bin zwar mit Abstand die Beweglichste der ganzen Gruppe, aber auch ich habe gewisse Einschränkungen und Schwierigkeiten. Erschreckend, wirklich!

Wenn meine medikamentöse Therapie anschlägt, werden meine Finger aber wohl wieder so beweglich sein wie vorher. Denn aktuell sind es die akut vorliegenden Entzündungen, die meine Fingerbeweglichkeit einschränken. Das war auch einer der Gründe, warum man mir Freitag eine Cortisonspritze in das entzündete Gelenk des Mittelhandknochens jagte.

Bauch-Beine-Po, voll mein Ding!

Zwei Stunden später stand einzeltherapeutische Krankengymnastik auf dem Plan. Hier musste wohl leider auch Paul draußen bleiben. Ein junger Kerl, der Physiotherapeut, etwa so alt wie ich, sowie ein noch jüngerer Kerl, der Praktikant, holten mich im Warteraum ab. Wir sprachen zehn Minuten über meine Beschwerden und den Grund für meinen Aufenthalt, ehe der Physiotherapeut meine Fingerbeweglichkeit testete. Es gab keine größeren Auffälligkeiten, ich habe keine größeren Beschwerden oder Schäden, deshalb entschied er sich für stabilisierende Übungen. Die erste führte ich auch zu seiner vollsten Zufriedenheit aus – ha!, die kannte ich ja auch schon, ist nämlich eine der Lieblingsübungen meiner Bauch-Beine-Po-Trainerin.

Die zweite Übung fand ich doof. Ich sollte mein Becken vor- und zurückschieben. Im Stehen ist das leicht, aber versucht das mal im Liegen! Nach zwei, drei Korrekturen hatte ich den Dreh halbwegs raus. „Damit solltest du dich besser auskennen als ich“, sagte der Physiotherapeut zum Praktikanten. „Du hast ja eine Ausbildung zum Gymnastiklehrer und kennst sicher viel mehr Übungen als ich.“ Der Praktikant verdrehte die Augen. „Hör auf, ey, ich hatte gerade zwei Wochen Praktikum in der Gyn-Abteilung.“ Ich musste lachen. „Hat sicher ganz viel Spaß gemacht, hmmmm?“

Nach einer weiteren Bauch-Beine-Po-Übung und abermaligem Becken Vor- und Zurückschieben war unsere Zeit auch schon vorbei. Nun hatte ich noch zwei Minuten, um pünktlich bei der nächsten Anwendung, der Gruppengymnastik, zu sein.

Unglaublich, aber wahr – ich bin die Sportlichste!

Als ich den Raum betrat, sah ich dieselben Gesichter wie in der Handtherapie. Aaaaha, mal wieder die Quotenlütte, dachte ich, ehe ein blondes Mädel hereinkam, das ein wenig jünger sein dürfte als ich. Nichtsdestotrotz war ich diejenige, die die Übungen am saubersten ausführte bzw. ausführen konnte. Die einen waren bereits von ihrer Krankheit zu sehr geschädigt, die anderen figurtechnisch nicht in der Lage.

Bei einer der letzten Übungen knackte allerdings ständig meine Schulter. Der Mann neben mir schaute mich an. „Die Schulter“, sagte ich. „Bin halt im knackigen Alter.“ Er lachte. Eine Frau, die ungefähr 4 m entfernt war, hatte mitgehört und rief: „Oh, ja, sie haben wirklich ganz tolle Schultern. Richtig schön!“ Ich wuchs innerlich 3 cm. Eins dieser Komplimente, das ich wirklich gerne höre. Mit einem strahlenden Lächeln verließ ich schließlich den Gymnastikraum.

Nach der Gymnastik war schon Zeit fürs Mittagessen, ehe der zweite Teil des Tages begann. Kaltluft, Orthopädie, Kältekammer, Ultraschall und ein Vortrag über psychische Gesundheit.. der Tag sollte wirklich noch spannend werden.

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