Das Wozu

Heute Morgen durfte ich endlich nach Hause gehen. Als ich die Station gerade mit Sack und Pack verlassen wollte, kam ein Mann vorbei und drückte mir einen Briefumschlag in die Hand. Er wollte mir noch einen Satz mit auf den Weg geben.

Wer ein Wozu im Leben hat, erträgt fast jedes Wie. – Viktor Frankl

Wir haben sehr tiegründige Gespräche geführt, sodass der Satz für mich deutlich vielschichtiger und bedeutender ist als er auf den ersten Blick scheint. Wahrscheinlich ist es genau das, was er wollte. Er drückt vermutlich nicht allen Patienten einen Briefumschlag mit persönlicher, handgeschriebener Karte in die Hand. Wahrscheinlich verabschiedet er sich meistens auch nicht nochmal gesondert von den Patienten. Aber ich weiß, dass ich schon nach unserem ersten Treffen Eindruck hinterlassen habe. Vielleicht ist es ihm ein persönliches Bedürfnis, mir das zu zeigen. Mir zu zeigen, dass ich keine 08/15-Patientin war. Mir zu zeigen, dass seine Worte, ich wäre einer der Gründe, warum er seinen Job liebt, kein Lippenbekenntnis waren. Und ganz sicher wollte er, dass auch meine Worte kein Lippenbekenntnis bleiben und ich mir das Leben hole, das ich mir wünsche. Einfach aus dem Grund, weil ich es wert bin. Das ist es nämlich, was er mir in Wirklichkeit sagen wollte. Das ist das „Wozu“.

 

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