Es muss mal weitergehen.. Nur wie?

Ich öffne WordPress nahezu täglich, überfliege den Reader, klicke auf ein paar Blogs, verlasse sie meist stillschweigend wieder und tue dann irgendwas anderes. Zwischen meinen Jobs, meiner Beziehung, häufigem Sport, meinem Umzug, der Wohnungsneugestaltung und meinem Französischkurs bleibt eindeutig zu wenig Zeit für andere Aktivitäten. Das kommt mir allerdings fast ein wenig gelegen, denn ich weiß hinsichtlich meines Blogs einfach nicht mehr weiter. Wäre ich einer meiner Klienten, ich würde mir den Blog  gnadenlos um die Ohren schlagen und in der Luft zerfetzen (natürlich wertschätzend und respektvoll ;-)).

Mein Blog hat keine eindeutige Zielgruppe, keinen eindeutigen Inhalt, keinen „Nutzen“, kein Profil, einfach nichts mehr, was ihn ausmacht. Wer liest hier? Was erhofft sich derjenige, hier zu lesen? Ein Tagebuch? Ein paar Gedanken? Ein paar Beziehungsanekdoten? Was will derjenige hier lesen? Ich weiß nicht, was ich meinen Lesern „bieten“ soll.

Manchmal juckt es mir in den Fingern, ein Buch zu rezensieren. Und dann besinne ich mich wieder darauf, wie gerne ich lese und wie ungerne ich meist selber Rezensionen lese. Manchmal möchte ich ein paar Gedanken loswerden, halte sie dann aber doch für „zu unfundiert“. Manchmal möchte ich über Begegnungen berichten, glaube aber, dass der Funke in der Erzählung fehlt. Oder mir brennt es unter den Nägeln, euch etwas mitzuteilen, was ich gerade gelernt habe. Aber ständig frage ich mich: Was habe ich eigentlich noch für einen Blog? Es ist kein Tagebuch mehr, es ist einfach nichts mehr, das noch irgendwie in irgendeine Schublade passt. Klingt toll, ist aber echt doof.

Wer ist mein Adressat? Was interessiert meinen Adressaten? Schreiben ist sicher schön, aber ich möchte nicht (mehr) nur für mich schreiben. Ich möchte Dialoge, Feedback, Interaktion und Interesse. Es macht mir viel mehr Freude, wenn ich weiß, dass sich jemand für das interessiert, was ich schreibe. Aber ich weiß nicht, was von Interesse ist.

Es gibt so viel, das ich erzählen könnte. Seit Kurzem lerne ich zum Beispiel Französisch an der VHS  (ich habe es in der Schule nicht gelernt). Das ist überhaus spannend für mich, da  ich ja normalerweise auf der anderen Seite stehe und erwachsene Ausländer in Deutsch unterrichte. Übermorgen darf ich das erste Mal seit 20 Jahren wieder auf einer Bühne stehen und tanzen – in der Hoffnung, mich nicht zu blamieren (Schwiegermama in spe hat den Auftritt schon gesehen und meinte, ich würde mich nicht blamieren). Kürzlich hat mich ein Artikel in der Psychologie Heute so sehr begeistert, dass ich ihn am liebsten direkt mit euch geteilt hätte. Vor wenigen Tagen war ich beim Science Slam und so unglaublich mitgerissen von einigen Vorträge, dass das Buch des Siegers bereits auf dem Weg zu mir ist. Und da steht sicher jede Menge drin, das interessant ist (Neurowissenschaften sind einfach immer interessant). Ich erlebe immer wieder verrückte Situationen in Arztpraxen oder mit Mitmenschen. Aber who cares? Das hat doch alles keinen Zusammenhang…

Manchmal überkommt mich die Wehmut. Zum Beispiel kürzlich, als mir ein paar alte Gedichte in die Hände fielen. „Gar nicht so schlecht“, dachte ich. „Aber heute kriegst du das irgendwie nicht mehr hin.“ Ja, ich glaube, ich kriege es irgendwie nicht hin. Das demotiviert mich und hemmt. Ich bin gehemmt, aktiv zu bloggen, weil ich einfach nicht weiß, was ich berichten soll. Es gibt so viel und dadurch gleichzeitig nichts. Denn am Ende verliert es sich wieder, weil die klare Linie fehlt, der rote Faden. Und der Glaube daran, noch bloggen zu „können“, noch ansprechend und fesselnd zu schreiben, Menschen mit meinen Worten zu packen und zu begeistern.

Würden meine Klienten ihre Projekte so angehen wie ich meinen Blog, würden sie gnadenlos scheitern. Damit sie das nicht tun, gibt es ja mich. Und die erste Frage, die ich dann stelle, ist: „Was ist der Nutzen von dem, was du tust? Oder anders gefragt: Welchen Nutzen willst du stiften bzw. welchen Nutzen haben deine Kunden durch dein Tun?“ Und wisst ihr, was ich mich seit Tagen frage?

Was ist eigentlich (noch) der Nutzen meines Blogs bzw. welchen Nutzen hat er noch (für meine Leser)?

Wenn ich das mal wüsste… Dann wäre ich nicht nur weiter, sondern wahrscheinlich auch wieder begeistert dabei.

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26 Gedanken zu “Es muss mal weitergehen.. Nur wie?

  1. Schriftsteller klagen oft über Schreibblockaden. Sie irren im Haus umher und wissen nicht, was sie schreiben sollen. Du hast es mit diesem Artikel und dem Video genau richtig gemacht und über „deine Blockade“ und deine Krankheit gesprochen. Alles gut. Für mich bleibst du Schnipselchen, ein Mensch, den ich mag. Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen.

    Was könnte (d)ein Ziel sein? Was genau hindert dich daran, uns deine Gedanken mitzuteilen? Schau, mein Blog sollte ursprünglich ein wenig Spaß sein und sich gezielt an andere Frauen richten. Das Thema war LGBT. Heute fabuliere ich über Politik, schreibe Haiku und Tanka, auch Satire und ab und zu noch über mich (uns). Wem es gefällt, der liest es. Und wer mich zur Venus wünscht, der kann mich da gern besuchen. :D

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    1. Ich erkenne in deinem Blog durchaus ein festes Themenspektrum. Mir würde es nicht schwer fallen zu beschreiben, was Menschen auf deinem Blog finden und was sie von der Person hinter dem Blog erwarten können (z. B. regelmäßige Tritte in den Hintern :P).

      Ich kann dir sagen, was mich hemmt: perfektionistischer Anspruch. Aber vielleicht sollte ich einfach mal wieder machen, ungeachtet aller Hemmungen.

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      1. Niemand erwartet von einem Weißgurt (Anfänger) im Karate, dass er schon perfekt ist. Aber durch ständiges üben der Techniken, wird man schnell die Fortschritte sehen. Und dann kommen weitere Fortschritte bis hin zur Meisterschaft. Der Weg ist das Ziel. Lass ihn uns weiter gemeinsam gehen.

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  2. Huhu, muss denn alles was man tut einen Nutzen haben? Diesem Gedanken von dir kann ich nicht ganz folgen. Schreibt man, also du oder ich, für andere oder für sich selbst? Schriebst du für dich, läge der Nutzen allein in der Schreiberei. Es ist doch dein Blog und du kannst hier tun, was auch immer du möchtest! Deinem Wunsch nach Feedback komme ich nach, Interaktion und Austausch über Neurowissenschaften ist auch mein Interesse. Herzliche Grüße,Birgit

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    1. Hey Birgit,
      ich schreibe nicht nur für mich. Natürlich macht die Schreiberei Spaß, aber der Spaß wäre deutlich geringer, wenn niemand lesen würde, was ich schreibe. Ich teile Gedanken und Erlebnisse eigentlich gerne, brülle sie in die Welt hinaus und erfreue mich an Gesprächen und Interaktion. Ich fühle mich ermutigt, einfach mal wieder zu machen. Denn die Erwartungen, die ich habe, scheinen nicht die Erwartungen zu sein, die Leser stellen.
      Herzliche Grüße zurück!

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  3. Die Erste frage ist natürlich: Was willst Du? Und: Was willst Du mit dem Blog bezwecken? Und wenn das beantwortet ist, kannst Du Dir überlegen, wie Du LeserInnen einbinden kannst. Aber das hört sich so an, als würde es gewollt und steif werden, das könnte dann auch echt in Arbeit ausarten.
    Ich mag am liebsten die Blogs, die einfach vom Alltag erzählen, eben vom Französischkurs, der missratenen Suppe, dem nervigen Arbeitskollegen, … daher sind meine Erwartungen an die Blogs im Grunde identisch, wie die ich an meine stelle: Den anderen ein bisschen am Leben teilhaben lassen.

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    1. Ha! Wie bei meinen Klienten: „Was ist deine Vision?“ ;p

      Ich glaube, ich sollte es einfach so machen, wie du es beschreibst. Alles, was einem in den Sinn kommt und bei dem man das Bedürfnis hat, es mitzuteilen oder niederzuschreiben. Ich mag den Stil deines Blogs sehr. Viele lose Gedanken, manchmal ein Bild, eine Erzählungen, Beschreibungen..

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  4. Die interessantesten Blogs sind die , die authentisch aus dem Leben berichten. Echtes, Wahrhaftiges. Themenblogs sind zugeschnitten auf Zielgruppen, mehr oder weniger groß. Aber das Leben betrifft jeden.
    Schreib, was dich bewegt, dir ärgert, dich erfreut.

    Oder fokussiere dich auf ein Thema und einer kleinen, Aber sehr interessierten Gruppe.

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  5. Ich kann nur sagen: schreib worüber du willst! All die Sachen, die du aufgezählt hast, finde ich interessant. Probier es doch einfach aus. Viele meiner Posts bekommen gar kein Feedback mehr, vielleicht weil ich zu wenig schreibe, aber who cares? Ich schreibe trotzdem wenn mir danach ist. Wenn es wen interessiert, dann ist das toll, aber nicht notwendig.
    Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, deinen Blog in eine Schublade zu stecken. :)

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  6. Schon allein, dass du so toll darüber schreiben kannst was dich gerade beschäftigt und in die vorgeht, macht dich zu einer super guten Bloggerin. Mir geht es nämlich ähnlich und ich schweige… gar nicht gut für meine Leser.
    Ich schicke dir Schreibblockadenentblocker und drücke dich ganz fest!

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  7. Du bestimmst. Wenn du über ein gelesenes Buch etwas sagen willst: Warum nicht? Wenn du den ersten Satz oder irgendeinen, der dich beeindruckt hat, zitieren möchtest: Warum nicht? Wenn du etwas Erlebtes als Alltagsgeschichte oder verpackt in eine Geschichte erzählen willst: Warum nicht?
    Dich macht der Sprachkurs offenbar zumindest ein bisschen glücklich. Bücher, die du liest, auch. Geschichten, die du aus deinen eigenen Kursen oder deiner Beziehung zu erzählen hast, auch. Warum also nicht weiter unter dem Motto „Glücklichsein“ bloggen?

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  8. Was ist der wahre Sinn des Lebens? Warten auf den Tod und dabei jeden Moment auszukosten! Warum sich Gedanken um andere scheren? Der gerade Faden im Leben? Das Leben ist niemals gerade. Immer nur ein kurzer Augenblick. Schreibe das, was dich in dem Moment bewegt, egal was es ist, dass ist das Leben. Ich will Wirklichkeit, nichts Gestelltes, nichts Überlegtes, nichts was mich nicht berührt. Wenn es dich bewegt, wird es immer jemanden geben, der zu dieser Zeit bei dir ist…

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