Ein Angsthase wächst über sich hinaus, Teil 3

Ich biss mir auf die Lippe. Das wird kein Kinderspiel.

Zu Teil 1 und Teil 2.

Ich fange heftig an zu atmen, ringe nach Luft, mein Herz pocht so wild, als würde es gleich aus meiner Brust springen, das Gedankenkarussell überschlägt sich.

Wie soll ich hier hochkommen? Hier muss ich wieder runterkommen. Oh Gott, hier muss ich ja auch wieder runterkommen! Es ist so steil, so glitschig. Wie soll ich das schaffen? Wie soll ich das jemals schaffen? Das geht nicht! Wie soll das denn gehen? Das geht nicht, geht einfach nicht. Ich mach das nicht, ich kann das nicht, ich will das nicht. Es geht nicht. Geht einfach nicht.

„Panik“, sage ich zum Liebsten. „Ich kann grad nicht. Kann grad einfach nicht weiter.“

„Alles gut“, sagt er, gerade mal 30 cm von mir entfernt. Mutig von ihm, ich bin gerade unberechenbar. Und es geht ziemlich steil bergab. Wenn man den Sturz überlebt, dann sicher nicht glimpflich.

„Setz dich hin. Komm, hierhin.“

Zitternd setze ich mich auf einen Stein, direkt vor die beiden, die gerade dieses fürchterliche Gefühl in mir auslösen. Er stellt sich schützend an mich, sodass ich nicht runtersehen kann und hält eine Hand an meinen Rücken.

„Ich bin da, es kann nichts passieren, alles ist gut“, sagt er und schaut mir dabei genauso ernst wie tief in die Augen.

„Meine Tropfen. Gibst du mir meine Tropfen?“, frage ich leise. Wo immer ich bin, ich schleppe die Rescue-Bachblütentropfen ständig mit mir rum. Weshalb, weiß ich auch nicht. Aber jetzt bin ich dankbar dafür.

Nach der Tropfeneinnahme bitte ich ihn noch um etwas zu trinken. Anschließend essen wir unser letztes Proviant und schauen schweigend in die Ferne. Ich beruhigte mich zunehmend.

„Ich glaube, wir können weiter“, sage ich kurze Zeit später.

Er nickt, schaut mir nochmal tief in die Augen, sagt ein paar Worte und gibt mir einen Kuss.

Ich stehe auf, fühle mich wieder sicherer und diesen beiden schrecklichen Steinen halbwegs gewachsen.

Wir klettern die Steilwand weiter hinauf. Stein für Stein für Stein.

Nach langer, anstrengender und hochkonzentrierter Kletterei kommen sie, die (scheinbar) erlösenden Worte.

„Wir sind da!“

Ja, wir sind da. Hier steht eine Hütte. Es ist windig und arschkalt. Ich friere wahnsinnig, und bin zudem klatschnass, denn wir stehen inmitten von Wolken. Die Feuchtigkeit um uns rum ist so hoch, dass wir aussehen, als kämen wir gerade aus der Dusche.

Ich versuche, die unangenehmen Bedingungen (die an anderen Tagen noch deutlich schlimmer sind) zu ignorieren und blicke mich um. Weit kann man allerdings nicht gucken, denn wir stehen – wie gesagt – in Wolken. Und das zeigt sich bekanntermaßen daran, dass es neblig ist. Dennoch kann ich einiges sehen. Viel Grün, viele Sträucher, viele Steine und verschiedene Weggabelungen. Manche davon über Steine. Wie sollte es auch anders sein?

Unser Weg endet hier allerdings nicht, denn wir sind zwar auf dem Vulkan, hatten aber bereits geplant, auch noch um den Krater zu laufen. Ich frage den Liebsten, in welche Richtung wir laufen wollen. Er zeigte Richtung Calderen. Ich biss mir auf die Lippe. Das wird kein Kinderspiel. Aber ein Abenteuer.

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Das Erste, was wir sahen, als wir auf dem Vulkan ankamen.

Zu Teil 4.

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11 Gedanken zu “Ein Angsthase wächst über sich hinaus, Teil 3

    1. Teste sie vielleicht einfach mal. Die sind übrigens für alle Arten von negativen Gefühlen. Also auch für depressive Gefühle, Wut, Liebeskummer etc. Ich nehme sie selten (weil ich nie dran denke, dass ich sie habe), aber wenn ich sie nehme, wirken sie. Keine Ahnung, ob es Placebo ist. Aber wenn es hilft, dann ist es ja auch egal. ;)

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      1. Im schlimmsten Fall hast du ca. 17 Euro in den Sand gesetzt. Im besten Fall etwas gefunden, das dir in miesen Situationen eine richtig gute Hilfe sein kann. Ich glaube, der Versuch ist es wert. :-) Kann übrigens auch helfen, wenn man sich gerade mal unter Druck setzt.. Nur für den Fall, dass es eventuell mal solche Situationen geben könnte.. ;-)

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