WMDEDGT, Tagebucheintrag 5. Februar 2017

Frau Brüllen fragt die Bloggergemeinde an jedem 5. des Monats, was man eigentlich den ganzen Tag macht. So sah mein 5. Februar 2017 aus:

Um 8:24 Uhr schaue ich aufs Handy. Ich wache sonntags meistens zwischen halb acht und halb neun auf. Meine innere Uhr scheint das so zu wollen. Also springe ich aus den Federn. Der Liebste bleibt noch liegen. Wie immer eigentlich.

Nachdem ich mich alltagstauglich gemacht und mir etliche Tabletten in den Rachen geschmissen habe (Grippostad C, Sinupret Extract, Gelomyrtol forte, Thyroxin und Cortison), frühstücke ich erstmal eine halbe Tafel Milka Noisette und frage mich, wie viel ich wohl mit Bridget Jones gemeinsam habe. Der Gedanke juckt mich aber nicht weiter.

Bis der Liebste um halb zehn aufsteht und gegen 10:15 Uhr mit mir frühstückt, stöbere ich durch WordPress und Facebook und katapultiere mich wieder auf Platz 1 bei Candy Crush. Das ist übrigens nichts, auf das ich übermäßig stolz bin. Es ist schon eher fast ein bisschen peinlich.

Zum Frühstück gibt es dann einen kleinen Obstsalat. Wie immer eigentlich. Der Liebste isst Toast mit Käse. Das ist aus dem Grund erwähnenswert, weil er sonntags normalerweise nur Kakao „frühstückt“. Diesmal hat er sich sogar noch Butter aufs Toast geschmiert. Das ist aus dem Grund erwähnenswert, weil er das nie tut. Nicht mal sonntags. Ich lasse das allerdings unkommentiert. Ich kommentiere lediglich seinen Kommentar, dass die Butter aber hart ist, mit der Gegenfrage, ob da nicht streichzart drauf stünde. Ja, täte es. Aber streichzarte Butter ist bei 0 Grad nicht mehr streichzart. Logisch.

Nach dem Frühstück liegt die zweite Lackierung unseres Schlafzimmerfensterrahmens an, die erste fand bereits gestern statt. Bevor kommenden Freitag unser neuer Kleiderschrank geliefert wird, soll das Schlafzimmer endlich fertig sein. Da aber immer nur einer von uns lackieren kann und „kompetentes Rumstehen“ bereits nach zwei Minuten nicht mehr sonderlich kompetent wirkt, beschließe ich, den Liebsten alleine werkeln zu lassen und ihn dafür später mit Lob zu überhäufen.

Ich kümmere mich stattdessen um unser gemeinsames Projekt und schlage mich mit dem Entwurf eines Leitbildes herum. Ein arbeitsintensives Unterfangen, denn zum Leitbild gehören Vision, Mission und Werte. Die Werte kenne ich. Die Vision ist mir auch klar. Letztlich sind es Mission und Leitlinien, die ich herausarbeiten möchte. Die Literatur dazu ist allerdings mau und fehlerhaft. Sie gibt Beispiele von Visionen, die gar keine Visionen sind. Und plötzlich bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob das, was da über die Mission geschrieben steht, richtig ist.

Ich habe zwar BWL studiert, bin vom praktischen Umgang mit den einzelnen Werkzeugen aber immer wieder ernüchtert und stelle jedes Mal aufs Neue fest: In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich.

Als der Liebste mit der Lackierung des Fensterrahmens fertig ist, überhäufe ich ihn mit Lob (hat er wirklich gut gemacht) und verwickle ihn in einen Diskurs über Leitbilder. Das ist nichts Neues, denn der Liebste und ich führen jeden Tag Fachgespräche, tauschen uns über unsere Kunden, aktuelle Projekte, verschiedene Vorgehensweisen und Tools aus. Wir sind gegenseitige Impulsgeber, Reflektoren, Coaches und Sparringspartner. Und viele beneiden uns darum. Was auf der einen Seite ein großer Vorteil ist, ist auf der anderen Seite aber auch ein Nachteil. Denn ich bin geistig selten entspannt. Wir führen zu Hause ständig hochtrabende Gespräche, werfen mit Fachwörtern um uns und machen bescheuerte Nerdwitze. Ehrlich, da sehnt man sich manchmal ein wenig nach RTL. (Was der Liebste dann meinem Vater petzen möchte, der mich dann wiederum mit Verachtung und Enterbung strafen würde.)

Nach unserem ausgiebigen fachlichen Diskurs kommen wir überein, dass die Fachbücher sehr viel Bullshit von sich geben und überlegen, den Autoren zu schreiben und ihnen ein besseres Beispiel zu schicken. Falls euch mal jemand fragt: Eine Unternehmensvision muss gut lesbar auf ein T-Shirt gedruckt werden können und sollte zudem nicht auf das Parkhaus von nebenan passen. „Wir möchten modern sein“ ist also genauso wenig eine Vision wie „Qualität ist uns wichtig“.

Ich beschließe, mir aus den Büchern unserer persönlichen Hausbibliothek ein paar theoretische Anregungen zu holen, auf die weitere Suche nach einem Bauplan aber zu verzichten und die Dinge stattdessen selbst nach Gutdünken zusammenzuzimmern. Nach fünf Jahren Studium kann da nicht so viel Mist bei rauskommen. Zusammen mit dem Liebsten sind es dann am Ende sogar mehr als zehn Jahre Studium, die meine Arbeit wohlwollend abnicken.

Gegen 13:15 Uhr gibt es Mittagessen mit den Schwiegereltern in spe. Das Gespräch ist etwas zäh. Die üblichen Themen (Trump, Erdogan, Angie und sonstige aktuelle Politik) werden kaum kommentiert, dabei gibt sich der Liebste richtig Mühe. Irgendwann erzähle ich von meinem Treffen vergangenen Donnerstag bzgl. eines geplanten Ehrenamtes. Auch hier taut man nur wenig auf, obwohl die Schwiegermutter in spe bereits ein Ehrenamt bei dieser Organisation ausübt. Die Stimmung zwischen uns ist unangenehm. Und daran trage ich eine Mitschuld. Deshalb nehme ich mir vor, mit der Schwiegermutter in spe nach dem Essen kurz unter vier Augen zu reden.

Nachdem dieses Gespräch stattgefunden hat, bin ich mir sicher: Mütter und Schwiegermütter unterscheiden sich nicht unbedingt großartig. Unüberbrückbare Differenzen zwischen den Generationen wird es immer geben. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Aber solange man noch über Dinge reden kann, ist alles gut. Die Stimmung ist immerhin wieder korrigiert.

Während ich dieses Gespräch führte, hat der Liebste den Fensterrahmen zum dritten Mal lackiert. Ich habe ihn erneut mit Lob überhäuft. Zurecht. Jetzt müssen nur noch die Spalten verdichtet werden, dann sieht alles gut aus. Dachte ich jedenfalls. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich genauso wenig wie der Liebste, dass wir noch einige Schönheitskorrekturen vornehmen müssen, weil es dann doch die eine oder andere  Widrigkeit gab, die erst später auftauchte.

Die Zeit, in der der Lack trocknet, wollten wir für einen Spaziergang im heimischen Wald nutzen. Daraus wurde dann ein 3-stündiger Gewaltmarsch mit 14 km Wegstrecke – bergauf, bergab, querfeldein, über Eisplatten, durch sumpfiges Gelände, über Kies und Blattpampe. Es war bereits dunkel, als wir wieder aus dem Wald kamen. Aber wer einmal in der Dämmerung durch den Dschungel gelaufen ist, fürchtet sich nicht mehr vor der Dämmerung des heimischen Waldes.

Als wir wieder zu Hause waren, machten wir uns Abendbrot – wie immer getrennt. Wir essen zwar zusammen, aber unterschiedliche Dinge. Für den Liebsten gab es angebratene Nudeln, für mich Obstsalat mit Proteinpulver. Nachdem wir das Grundbedürfnis „Hunger“ gestillt hatten, gönnte ich mir ein ausgiebiges Körperpflegeprogramm.

Lange Dusche, Haarwäsche, Haarspülung, Haarkur, Körperrasur, Gesichts- und Körperpeeling, stellenweises Entwachsen, eincremen. Ich hatte noch was vor, nämlich erst ein Glas Shrubb (Orangenlikör, original aus Martinique) trinken, während der Liebste sich ein Füchschen Alt gönnt (natürlich original aus Düsseldorf) und danach…. Gute Nacht. ;-)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s