Im Ententeich

Marc war der Inbegriff der Freiheit – ein unsteter Lebenskünstler, der sein nonkonformistisches Leben genauso liebt wie der Fisch das weite, offene Meer. Das Leben bot uns doch keinen Pool von Möglichkeiten, damit wir am Ende im heimischen Ententeich versauern?

Auf einem seiner nächtlichen Streifzüge lernte er dann allerdings Lisa kennen. Heute kann er nicht mehr sagen warum, aber damals hätte er ihr die Welt schon zu Füßen gelegt, als er noch nicht mal drei Sätze mit ihr gesprochen hatte. Lisa spulte ihr übliches „Programm“ mit ihm ab, und das hieß: erobern, erobern, erobern – beweis doch erstmal, dass du mich wirklich willst.

Marc bewies geduldig, dass er sie wollte – und wie er sie wollte, er war völlig verrückt nach ihr, mit Haut und Haar. Lisa honorierte seine Bemühungen, Marc war einwandfrei durch ihr „Programm“ gekommen, und so nahm sie ihn eines Abends mit nach Hause.

Als Marc am Morgen nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht aufwachte, erblickte er auf Lisas Nachttisch ein Buch, das ihm verriet, diese vier Wände waren der Inbegriff des heimischen Ententeichs: Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück.

Leise schlich er sich aus dem Schlafzimmer, zog sich an und verließ Lisas Wohnung. Er war einfach keine Ente, er war ein Fisch.

Dieser Text entstand im Rahmen der abc.etüden – ein Kürzestgeschichten-Schreibprojekt. Die zu verarbeitenden Worte waren Geduld, Schokolade, Bücher. Das Thema war frei.

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6 Gedanken zu “Im Ententeich

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