Helikopter-Mütter

„Ich möchte wissen, wo sie ist, was sie macht, wann sie heimkommt, wie sie heimkommt und mit wem sie überhaupt unterwegs ist. Ich bin schließlich ihre Mutter!“

„Das ist Kontrolle.“

„Das ist keine Kontrolle, das ist Liebe.“

Die alte Dame lachte auf.

„Tja, Kind, dann habe ich dich wohl nicht geliebt. Denn damals, als du 16 warst, gab es kein Handy, ich wusste nie, wo du genau bist, was du machst, wann du tatsächlich heimkommst, wie du heimkommst und mit wem du wirklich unterwegs bist. Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen. Ich habe dich aber trotzdem nicht eingesperrt. Stattdessen habe ich meiner Erziehung vertraut.“

Der Text entstand im Rahmen des Schreibprojekts 9+1. Der vorgegebene Satz war „Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.“

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4 Gedanken zu “Helikopter-Mütter

  1. Ja… Jein. Ich bin auch ein Freund von „früher hat es ohne X auch funktioniert“, aber…

    Damals war der Umgang mit Mitmenschen gefühlt respektvoller.
    Damals war die Erziehung strenger als heute (eigene Erfahrung).
    Damals liefen 13-Jährige noch nicht so aufgetakelt herum wie 18-Jährige.
    Damals waren die ganzen Medien noch nicht so stark sexualisiert wie heutzutage.
    Damals gab es noch kein Internet, und es war damit bei weitem nicht so einfach für irgendwelche Leute, mein Kind „anzusprechen“. Ich arbeite in dem Bereich und kenne die Möglichkeiten, und gerade für „Facebook-Kids“ sind diese echt gruselig. Wer seine Kinder einfach blind auf das Internet los lässt, muss höllisch aufpassen.

    Klar, Erziehung macht viel aus, aber ich glaube schon, dass die Welt heute gefährlicher für Kinder ist und man nicht einfach denselben Maßstab wie „damals“ ansetzen kann.

    Ich will mein Kind auch nicht einsperren. Aber wenn ich meinem Kind vertraue, dann erwarte ich dieses Vertrauen ebenfalls und möchte schon wissen, wo und mit wem es unterwegs ist. Das habe ich meinen Eltern damals auch erzählt und es gab eigentlich nie ein Problem. Das würde ich auch nicht als Helikopter-Eltern brandmarken – das wäre für mich das Level von GPS- und Textkontrolle, also „richtige“ Überwachung, und nicht einfach nur „Ich gehe heute mit Sam und Max in die Disco, bin mit dem letzten Bus zurück“. Im Gegenteil, das klingt für mich nach einer schönen Eltern-Kind-Beziehung, wenn das so reibungslos und vertrauensvoll funktioniert.

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