Menschenunterbrecherin

„Wer unterbrochen wird, redet zu viel“, sagte ein Verhandlungstrainer in einem Interview. Ich widersprach intuitiv. Der Journalist auch. Aber der Verhandlungstrainer wiederholte seine Worte.

Ich überlegte. Und stimmte ihm dann zu.

Immer dann, wenn ich Menschen unterbrechen möchte, hat das den Grund, dass sie zu viel reden – oder schlimmer noch: labern. Sie erklären dann nämlich ausführlich, was man ohnehin schon weiß, oder führen unnötigerweise auch noch Beispiel drei, vier, fünf oder sechs an. Und jedes Mal kämpfe ich innerlich mit mir, diese Menschen ausreden zu lassen. Hat ja schließlich mit Respekt und Wertschätzung zu tun.

Auf der anderen Seite: Ständig mehr zu sagen als nötig hat aber nichts mit Respekt und Wertschätzung mir gegenüber zu tun.

Deshalb bin ich ab sofort Menschenunterbrecherin.

Ist nämlich auch meine Lebenszeit, die bei der ganzen Laberei draufgeht.

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11 Gedanken zu “Menschenunterbrecherin

      1. Es gibt Menschen, die unterbrechen gerne, weil sie sich selbst lieber reden hören. Das hat mit der Wortlänge des Gegenüber überhaupt nichts zu tun. Die unterbrechen dich dann auch schon im ersten Satz. Solchen Menschen sollte man dann in der Tat nicht lange zuhören. Meistens wird man die aber erst los, wenn man sie stehen lässt ;) Das wäre i. w. S. auch unterbrechen durch schweigen… Bin schon sehr auf den Artikel gespannt!

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  1. Im Prinzip hast Du sicher recht. Wer unterbrochen wird, redet zu viel. Aber ich stell mir oft die Frage: Warum reden die immer so viel? Warum können die sich nicht ein bisschen kürzer fassen? Das muss doch einen Grund haben. Ist das, weil sie sonst nicht ‚gesehen‘ bzw. ‚gehört‘ werden? Welche Funktion hat dieses vie-reden?

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    1. Vielleicht haben sie Angst, dass der andere es sonst nicht (richtig) versteht. Vielleicht hören sie sich aber auch einfach nur gerne selbst reden. Vielleicht wissen sie aber auch selbst nicht, was sie eigentlich sagen wollen.

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  2. Schwierig. Denn es ist ja hochindividuell, ab wann ein Gespräch „zu viel“ wird. Wenn jemand es gewohnt ist, dass er Sachverhalte ausführlich erklären muss und gerät dann an jemand, also dich, der das schneller auffasst, kann es unhöflich wirken, wenn du ihn unterbrichst. Bzw. es kommt dann drauf an, wie du es machst.

    Und oft ist viel reden auch eine Form von Unsicherheit. Da ist es natürlich Wasser auf die Mühlen, wenn man dann noch unterbrochen wird.

    Da finde ich den Weg von nandalya gefühlsmäßig besser.

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    1. Aber es ist MEINE Lebenszeit, die da verschwendet wird. Es ist für MICH sehr schwer auszuhalten, wenn jemand nicht aufhört zu schwallen. (Ich nehme das Wort bewusst, denn es geht nich um einen längeren Redeanteil, der inhaltlich sinnvoll ist und die Länge erfordert.)

      Wie viel Rücksicht muss ich nehmen, wenn ich innerlich anfange zu kochen? Ich habe mir schon minutenlang sinnlose Monologe aus Höflichkeit angehört. Du beschreibst, dass ich zurückstecken soll, um wem anders nicht auf die Füße zu treten. Oder anders gesagt: Du sagst, ich soll mir auf die Füße treten lassen, damit ich wem anders nicht auf die Füße trete. Das kam jedenfalls grad so bei mir an. ;-)

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      1. Was ich nicht verstehe: Wieso lässt du an der Stelle überhaupt einen Monolog entstehen? Oder verstehe ich „unterbrechen“ fälschlich als zu negativ/destruktiv? Denn wenn es so gemeint ist, den anderen zu unterbrechen, um ihm die Rückmeldung zu geben, dass man verstanden hat, was er sagen will, und dass man jetzt weitermachen kann, dann fände ich das wieder vollauf okay.

        Vom „auf die Füße treten“ war übrigens an keiner Stelle bei mir die Rede. Mir geht es um die Ausmaße, die ein sinnvoller und zielgerichterer Dialog haben „muss“. Denn du schreibst ja nicht von privaten Gesprächen, wie ich dich verstanden habe. Da treten solche Probleme ja eher nicht auf.

        Und was ich noch zu bedenken gebe ist die Frage, ob man selbst denn auch gerne unterbrochen werden möchte, wenn man zum Beispiel, und deswegen sprach ich es an, in irgendwas unsicher ist. Wenn meine Chefin mich unterbricht, nur weil ich noch einmal nachfrage, ob ich einen Arbeitsauftrag richtig verstanden habe, wäre das erstens nicht zielführend für beide und zweitens aus meiner Sicht sehr unprofessionell.

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  3. Ich geb dir zwar recht, aber nicht alle Menschen sind mit glorreicher Rethorik gesegnet. Ich hab total Probleme mich beim Sprechen zu fokussieren. Das hat nichts mit weniger Wertschätzung meines Gegenübers zu tun. Wenn mich jeder nun unterbricht, weil ich nicht zum Punkt komme, fände ich das ziemlich schade.

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