WMDEDGT, Tagebluchbloggen am 5. August 2017

Frau Brüllen fragt jeden 5. im Monat, was man eigentlich den ganzen Tag macht. Zum Beispiel das hier:

Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht, als ich den Frisörtermin auf Samstagmorgen 9 Uhr legte? Das war alles, was mich interessierte, als um Viertel nach 8 der Wecker klingelte. „Wer schön sein will, muss leiden“, sagt meine innere Stimme. Definitiv ein ungewollter Ausschuss meiner Erziehung.

„Wollen wir lila ausprobieren?“, frage ich die Scherenkünstlerin meines Vertrauens. Am Ende wird es doch wieder rot. In einer Woche geht es in den Urlaub – pralle Sonne, salziges Wasser. Wir wollen nichts riskieren. Schließlich leide ich gerade für meine Attraktivität und will keine hässlichen Urlaubsfotos. Hätte sich dann ja so gar nicht gelohnt, heute um Viertel nach 8 aufzustehen.

Ich habe mir übrigens fest vorgenommen, an meiner Eitelkeit zu arbeiten. Deshalb war ich auch ungeschminkt beim Frisör. Man bemerkte sofort, dass ich müde bin. „Und ganz blass bist du auch.“ Ja. Ungeschminkt sehe ich wirklich, wirklich krank aus. Also doch hässliche Urlaubsfotos.

Als ich zu Hause bin, ist der Liebste gerade erwacht. Wunderbar, ein zweites Frühstück für mich. Diesmal mit Schokoaufstrich, man gönnt sich ja sonst nichts. Und da ich auf den Urlaubsfotos ja nun sowieso hässlich aussehen werde, macht die ruinierte Bikinifigur wohl auch nichts mehr.

Danach gönnen sich der Liebste und ich eine kurze Kuscheleinheit, ehe die Korrektur einer Masterarbeit nach mir schreit. Es geht um Geozentrismus. Als ob das nicht schon Strafe genug wäre, kämpfe ich mit den wilden Formulierungen. Die Menschen denken wohl wirklich, ein Text klingt umso professioneller, je komplizierter die Formulierungen sind. Die Wahrheit ist: Das stimmt nicht. Außer du heißt Immanuel Kant. Dann stimmt es doch.

Zwischendurch klingelt der Postbote. Er bringt Bücher, gleich zwei Stück. Übers Bloggen. Wer jetzt hofft, hier in Zukunft mehr Qualität zu lesen: no, sorry. Ich werde mich um den Blog unseres ab September gegründeten Unternehmens kümmern. Und da ich durch einen Arbeitsstiltest weiß, dass ich der Typ „Denker“ bin, war es nur logisch, dass ich mich bestens vorbereite, ehe ich auch nur irgendwas tue. Irgendwas tun, ohne vorher zu denken, das ist Aufgabe der „Macher“. Aber ein bisschen werden wohl auch die Leser dieses Blogs profitieren. Allerdings lebe ich hier tatsächlich meine dürftig ausgeprägte „Macher“-Seite aus. Die Texte sind also meist spontan geschrieben und nur geringfügig bearbeitet. Und das noch nicht mal nach tollen Regeln wie denen von Wolf Schneider. Viel zu viele Adjektive, viel zu wenig bewegende Verben. Unnütze Nomen-Verb-Verbindungen und auseinandergezogene Nomen. Wahre Deutschprofis würden wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ungefähr so, wie ich es bei den Formulierungen über geozentrische Strategien von Mittelständlern tue.

Irgendwann wird meine Arbeit erneut unterbrochen. Die Schwiegermutter in spe hat Quarkbällchen besorgt. Ich liebe Quarkbällchen. Fast mehr als Eis. Aber nur fast. Und meinen weitgehend veganen Lebensstil werfe ich in den Momenten nahezu gewissenlos über Bord. Und die Bikinifigur scheint mir immer mehr überbewertet zu sein. Vor allem in einem muslimischen Land. Und da der Liebste mir sowieso damit drohte, mich für ein paar Kamele und zwei Sportwagen abzugeben, habe ich noch weniger Grund, mich zu zügeln. Hässlich und fett – das werden zwar schreckliche Urlaubsbilder, aber immerhin komme ich wieder zurück nach Hause. Ist ja auch was, da gibt’s immerhin Quarkbällchen und Eis.

Und übrigens auch Lakritz. Denn genau das stellte mir die Schwiegermutter in spe kurze Zeit später auf den Schreibtisch. Ich erwähnte nämlich vor wenigen Stunden in ihrem Beisein, ich wäre ein totaler Lakritzfan. Ich habe das Gefühl, der heutige Tag eskaliert.

Um dem ein bisschen entgegenzuwirken, geht’s noch eine kleine Runde ins Fitnessstudio. Wie viel das wohl bringt, wenn wir gleich grillen? Der Smoker wird angeschmissen! Und extra für mich gibt es gesmoketen Apfelkuchen. Da ist viel Zucker drin. Und Butter. Und ein paar Äpfel. Der Tag ist gleichermaßen schön und schrecklich.

Schrecklich finde ich auch, dass ich den Supercup nicht gucken kann. Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht, als ich zum Grillabend zusagte…? Während ich den Supercup nicht mal im Fernsehen schauen kann, könnte mein Kollege in der Südkurve stehen. Aber er boykottiert den Kommerz. Das finde ich konsequent. Andere jammern über das System, unterstützen es aber. Da könnte man den Würstchenuli auch gleich zum Schirmherrn einer Kampagne gegen Steuerhinterziehung ernennen. Ist ähnlich glaubwürdig.

Der heutige Tag hat ohnehin zu wenig Stunden. Ich würde gerne noch die Kritik zum ersten Entwurf unseres Markenlogos von Mr. Magic schreiben. Mr. Magic ist Geschäftsführer einer der besten Agenturen Deutschlands. Und er bekam eine äußerst bescheidene Order von uns: Wir wollen die geilste Marke, die ihr je gebaut habt! Und die braucht Zeit, Feedback, Ping Pong. Ich will die Zeit aber nicht länger ziehen, als nötig, denn wir würden die Marke gerne anmelden, vor die Tür gehen und allen davon erzählen. Sie ist nämlich ziemlich geil. Aber die Kritik muss warten. Genauso wie die Durchsicht der Gesellschafterverträge, die heute eigentlich auch auf meiner Agenda stand. Ich habe es noch nicht mal geschafft, den Mailanhang des Notars zu öffnen. Im Ernst, ich brauche Urlaub. Meinetwegen auch mit hässlichen Bildern.

Das lässt mich viel entspannter in den Grillabend starten. Dort verschlägt es mich nämlich jetzt mit dem Liebsten hin. Am Ende werden wir nur zu dritt sein, aber das macht nichts. Mehr gesmoketer Apfelkuchen für mich. So endet der Tag dann doch sehr schön.

 

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6 Gedanken zu “WMDEDGT, Tagebluchbloggen am 5. August 2017

  1. Ein Lakritzfan, yeay, wie sympathisch! Norddeuthschen-Hei-Feif!
    Und ansonsten: Mach halt Fotos von der Gegend, die sind immer schön!
    Außerdem: Jetz hast du all deine Eitelkeit schon in diesen Post geschrieben, jetz kannste sie im Urlaub auch zu Hause lassen.
    Viel Spaß!

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