Wie man effektiv Kunden vergrault

Ich bin Volksbankkunde. Seit ungefähr 100 Jahren schon.

Wer sich fragt, wie man so dumm sein kann: Klüngelei.

In der Verwandtschaft hat jemand eine Zweigstellenleitung inne. Und so wie wir alle brav CDU gewählt haben, waren wir auch alle brav bei der Volksbank.

Letztes Jahr in der Karibik stellte ich fest, dass ich mit meinem VB-Girokonto nicht bezahlen kann. Geld abheben ging natürlich auch nicht. Es ist grundsätzlich bei der VB so, dass man im nichteuropäischen Ausland kein Geld mit dem Girokonto bekommt. Aha? Wusste ich nicht. „Aber ich bin in der französischen Karibik, das ist europäische Union.“ – „Für uns ist das nichteuropäisches Ausland“, sagten sie mir.

Aha. Und wenn ihr meint, Dänemark wäre kein Nachbarland mehr, ist das halt auch so?

Ich war sehr angepisst. Am anderen Ende der Welt zu stehen und keine Möglichkeit zu haben, auf sein eigenes Geld zuzugreifen, ist sehr, sehr unangenehm.

Wir fliegen in zwei Tagen wieder ins nichteuropäische Ausland. Aber diesmal war ich ja schlauer. Ich holte mir eine Kreditkarte. Natürlich von der Volksbank, ging auf die Schnelle nämlich am unkompliziertesten. Und da wir relativ spontan gebucht haben, war das die eleganteste Lösung.

Vorhin wollte ich mit der Kreditkarte das erste Mal bezahlen. Ratet mal, was ich nicht konnte? Danach wollte ich am Automaten Geld abheben. Ratet mal, was nicht ging?

„Eigentlich müsste das gehen“, sagt die Volksbank dazu.

Uneigentlich geht es aber nicht!

„Müsste aber eigentlich.“

Geht aber nicht!

Mein Bankberater kann sehr, sehr froh sein, dass er im Kundengespräch saß, während ich im Affekt war und fast durchs Telefon gesprungen wäre.

Ich bin allerdings nach wie vor maximal angepisst.

Wenn ich am Samstag in den Urlaub fliege – und das bargeldlos, denn die Währung ist nicht so gängig, dass man sie spontan bei der Bank bekommt, das muss man mindestens zwei Tage vorher anmelden – und ich nicht die Möglichkeit habe, mit der Karte auch nur einen Cent auszugeben, dann wird ihm kein Kundengespräch der Welt mehr helfen.

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Veröffentlicht in Leben

21 Gedanken zu “Wie man effektiv Kunden vergrault

  1. Nicht nur, dass manche Banken sich damit überschlagen, die Kunden mit ihren Gebühren zu verjagen, jetzt klappt nicht mal mehr der Kundenservice. Wobei – neu ist das nicht. Auf die Weise hat mich die örtliche Sparkasse vor ca. 15 Jahren verloren.

    Heute ist es echt so, dass man fast froh sein muss, so wenig wie möglich mit seiner Bank zu tun zu haben.

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    1. Hätte die Sparkasse für Privatkunden nicht so unverschämte Gebühren, würde ich wechseln. Ich arbeite ziemlich eng mit Sparkassenmenschen zusammen, und ich bin ja auch durch unsere Gründung mit vielen Banken im Gespräch gewesen. Servicetechnisch ist die Sparkasse mit Abstand am besten aufgestellt. Kostentechnisch aber eben nicht. Als Privatkunde 25 Cent für jede Transaktion zzgl. zur Grundgebühr zu zahlen, ist schon echt ’ne Hausnummer.

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      1. Bei uns kann die Sparkasse nicht einmal mit Service punkten. Konnte sie jedenfalls damals nicht. Und da die Postbank mir schon zu diesem Zeitpunkt bei meinem Gehalt eine kostenlose Kontoführung bot, war der Weg einfach. Aber auch die fangen jetzt langsam an, die Daumenschrauben anzuziehen, mit Extragebühren für die Zustellung von Kontoauszügen und dergleichen.

        Aber 25 Cent für jede Transaktion?!? Haben die goldene Bankschalter, oder was?

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      2. Unsere regionale Sparkasse hat echt vorbildlichen Service und ist auch regional sehr stark engagiert. Aber die Gebühren…
        Vor allem auch für Transaktionen, bei denen Geld auf dein Konto KOMMT und nicht GEHT. Versteh ich einfach nicht.

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  2. Oh ja. ‚Schön‘, dass es Dir auch so geht. Du die VB, ich Vodafone – so tragen wir gegenseitig die Last des / der anderen – weil der Servicegedanke nach wie vor halt zu wenig Geld für die Unternehmen einbringt.

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    1. Ich bin eigentlich immer viel zu lieb. Bis ich mich verarscht fühle/man versucht, mich über den Tisch zu ziehen oder der Service unter aller Kanone ist. Dann muss man sich ganz warm anziehen. Beim ADAC und bei O2 ist mein Name wahrscheinlich rot und fett markiert. Und das, obwohl ich dort nie Kunde war. ;D

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  3. Ich denke das ist auch politisch zu sehen.

    Mit einem Sparkassen Konto unterstützt man seine örtliche Gemeinde, bei einer Volks und Raiffeisenbank ist man als Genosse selber beteiligt.

    Wobei ich selbst die üblichen Online-Institute präferiere; sie sind einfach vielseitig und besser. Die normale Bankfiliale vor Ort ist schon lange dem Tode geweiht. Ich las einmal, dass die comdirect mehr Umsatz und Ertrag macht, wie alle Bankfilialen der Commerzbank zusammen. Die Bankfilialen werden nur noch offen gehalten, damit Präsenz gezeigt wird.

    Ansonsten empfehle ich für Auslandsreisen eine Prepaid Kreditkarte.

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    1. Ich glaube, es kommt auch immer darauf an, was man von seiner Bank möchte bzw. wie intensiv die Beratung/Kommunikation sein soll. Was für den einen gut ist, ist ja nicht unbedingt das, was der andere braucht.

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