Man – Auf ein Wort #6

Sie steht da und wartet auf ihn. Er ist mal wieder unpünktlich. Das macht sie wütend. Als er ankommt, bemerkt er ihre Stimmung und fragt, was ist. „Wenn man warten muss, ist doch klar, dass man dann wütend ist“, mault sie.

(Der geneigte Leser hat sicher schon gemerkt, dass die Frage, was ist, ein kleiner Stolperstein war. ;-) Aber darum geht es hier nicht.)

Die Wahrheit ist: Sie ist wütend. Das artikuliert sie allerdings in einer Man-Aussage.

Durch diesen Man-Satz wird ihre Aussage ent-persönlicht und allgemeingültig. Ihr eigentliches persönliches Erleben wird damit einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit unterworfen. Die Frau teilt also nichts mehr über sich, sondern über die ganze Menschheit mit.

Allerdings reagiert nicht die ganze Menschheit so, sondern sie.

Und genau darum geht es doch eigentlich: um sie und ihre Empfindungen.

Wer etwas über sich sagt, sollte nicht für die ganze Menschheit sprechen. Das ist genau genommen sogar etwas arrogant.

Also: in eigener Sache weniger man, mehr ich. Denn jeder kann nur für sich selbst, seine eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen sprechen, nicht für die der Menschheit.

Wie man (jaja ;-)) seine Antworten übrigens auch häufig ent-persönlicht: Durch Wir-Sätze, spezielle Fragen und Du-Botschaften.

Quelle: Schulz von Thun, Friedemann, Miteinander reden: 1, 54. Auflage, 2017, S. 123 ff.
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