Du hast entschieden, du willst – Auf ein Wort #10

Ich hatte es hier schonmal angedeutet: Es ist ratsam, das Wort müssen aus seinem Wortschatz zu streichen.

Ich-muss-Sätze kann man ganz einfach umformulieren, z. B. in Ich-entscheide-mich-für-Sätze. Oder in Ich-will-Sätze.

Dasselbe gilt für „Ich kann nicht“. Einfach mal in ein „Ich will nicht“ umformulieren.

Es geht noch nicht mal darum, dass die veränderte Formulierung vielleicht besser zutrifft, sondern darum, dass sie ein anderes Gefühl und ein anderes Bewusstsein aufkommen lässt. Denn man redet nicht nur andere an, sondern sich selbst auch oft etwas ein. Und mit der Umformulierung der Sätze übernimmt man bereits sprachlich mehr Verantwortung und gewinnt gleichzeitig mehr Autonomie.

Versucht es einfach mal, wenn euch ein solcher Satz über die Lippen kommt. Die sind im Eifer des Alltagsgefechts nämlich gar nicht so selten…

Quelle: Schulz von Thun, Friedemann, Miteinander reden: 2, 36. Auflage, 2017, S. 83 ff.
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Jeder Ratschlag ist ein Schlag – Auf ein Wort #9

Wer kennt es nicht? Jemand erzählt etwas und sofort werden Lösungsansätze präsentiert:

„Du solltest nicht so eifersüchtig sein und deiner Frau mehr Freiraum geben, sonst könnte eure Ehe bald Geschichte sein.“

Oder:

„Du darfst dir das Benehmen von deinem Chef nicht bieten lassen. Wehr dich!“

Das ist zwar gut gemeint, aber völlig lösungsuntauglich. Denn wie viel Mühe man sich auch macht: Dort, wo Emotionen tief im Mark sitzen, kommt die Vernunft nicht ran.

Das kann im schlimmsten Fall so weit gehen, dass man mit dem gut gemeinten Appell nicht nur das Gegenteil erreicht, sondern auch noch zusätzlich schadet. Denn der andere erlebt eine erneute Begegnung mit dem eigenen Unvermögen und dadurch möglicherweise eine noch stärkere Entmutigung.

Statt guter Ratschläge hilft zuhören. Einfach nur zuhören. Denn die inneren Barrieren, die jemanden daran hindern, das zu tun, was vernunftmäßig richtig wäre, müssen erstmal überwunden werden. Und das braucht einfach Zeit.

Quelle: Schulz von Thun, Friedrich, Miteinander reden: 1, 54. Auflage, 2017, S. 249 ff.

Warum warum nicht gut ist – Auf ein Wort #8

Warum.

Warum?

Ja, warum eigentlich? Komm sag’s. Rechtfertige dich!

Wirkt ein wenig überzogen, ja. Aber in vielen Ausbildungen, in denen die verbale Kommunikation eine zentrale Rolle spielt, ist das Wörtchen „Warum“ ein Tabu. Der Grund dafür ist, dass es häufig zur Rechtfertigung auffordert. Ob das nun dem Wort inhärent ist oder von uns mit dieser Bedeutung belegt wird, kann ich nicht sagen.

Aber ich teile gerne meine Beobachtung mit euch. Und die deckt sich tatsächlich mit der Rechtfertigungsbedeutung. Immer wenn im Coaching Warum-Fragen gestellt werden, ist der Widerstand des Coachees spürbar – völlig unabhängig davon, wer Coach und wer Coachee ist.

Wird die Frage dagegen anders formuliert, zum Beispiel mit „weshalb“, gibt es diesen Widerstand oftmals nicht.

Ich mag das Wort „warum“ eigentlich sehr gerne. Es fühlt sich so rund an, so melodisch, geht so schnell und einfach über die Lippen. Sich zu trennen, tut schon fast ein wenig weh. Eine widerstandsgetränkte Kommunikaton aber auch. Wahrscheinlich sogar noch mehr.

Wie ein Text verständlich wird – Auf ein Wort #7

Ich breche das Lesen von Blogtexten häufig ab, weil ich mich langweile. Zu viel Geschwurbel, zu wenig Story, Emotion oder Relevanz. Meine Zeit ist kostbar und solche Texte verschwenden sie.

Genauso breche ich aber auch Texte ab, denen ich nicht gut folgen kann, z. B. weil auf einem mir unbekannten Gebiet zu viele Fremdworte verwendet werden oder Beschreibungen zu umständlich oder langatmig sind.

Texte müssen nicht kompliziert und langweilig sein. Kein Text muss das! Nicht mal die wissenschaftlichen Fachtexte!

Es gibt laut Friedemann Schulz von Thun, dem wohl bekanntesten Kommunikationswissenschaftler unserer Zeit, vier Regeln für verständliche Texte:

Einfachheit: Der wohl wichtigste Faktor bei der Verständlichkeit. Und der, der die „Gebildeten“ von den „Ungebildeten“ trennt. Deswegen gibt es auch genug, die bewusst nicht verständlich schreiben. Das Behalten und Verstehen der Inhalte wird durch die Einfachheit alleine aber auch nicht garantiert.

Gliederung, Ordnung: Hier geht es um den Aufbau des Textes. Je länger der Text, desto wichtiger ist dieser Punkt. Bei kurzen Mitteilungen oder Texten kann der Leser „verschmerzen“, wenn der Bauplan des Textes nicht besonders deutlich ist.

Kürze, Prägnanz: Weder das kurze Telegramm noch der weitschweifige Text sind lesefreundlich. Das Optimum liegt in der Mitte.

Zusätzliche Stimulanz: Dieser Teil dient als Sammelbecken für verschiedene Stilmittel. Der Leser soll nicht nur intellektuell, sondern auch gefühlsmäßig angesprochen werden – denn das Lesen eines Textes darf und soll Spaß machen.

Ein Leser, der sich unterhalten fühlt, behält mehr im Kopf. Und kommt übrigens auch gerne wieder.

Quelle: Schulz von Thun, Friedemann, Miteinander reden: 1, 54. Auflage, 2017, S. 162 ff.

Man – Auf ein Wort #6

Sie steht da und wartet auf ihn. Er ist mal wieder unpünktlich. Das macht sie wütend. Als er ankommt, bemerkt er ihre Stimmung und fragt, was ist. „Wenn man warten muss, ist doch klar, dass man dann wütend ist“, mault sie.

(Der geneigte Leser hat sicher schon gemerkt, dass die Frage, was ist, ein kleiner Stolperstein war. ;-) Aber darum geht es hier nicht.)

Die Wahrheit ist: Sie ist wütend. Das artikuliert sie allerdings in einer Man-Aussage.

Durch diesen Man-Satz wird ihre Aussage ent-persönlicht und allgemeingültig. Ihr eigentliches persönliches Erleben wird damit einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit unterworfen. Die Frau teilt also nichts mehr über sich, sondern über die ganze Menschheit mit.

Allerdings reagiert nicht die ganze Menschheit so, sondern sie.

Und genau darum geht es doch eigentlich: um sie und ihre Empfindungen.

Wer etwas über sich sagt, sollte nicht für die ganze Menschheit sprechen. Das ist genau genommen sogar etwas arrogant.

Also: in eigener Sache weniger man, mehr ich. Denn jeder kann nur für sich selbst, seine eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen sprechen, nicht für die der Menschheit.

Wie man (jaja ;-)) seine Antworten übrigens auch häufig ent-persönlicht: Durch Wir-Sätze, spezielle Fragen und Du-Botschaften.

Quelle: Schulz von Thun, Friedemann, Miteinander reden: 1, 54. Auflage, 2017, S. 123 ff.

Inkongruente Nachrichten – Auf ein Wort #5

Natürlich. Geh ruhig mit deinen Freunden aus. Nein, nein, das ist gar kein Problem.

Kenner wissen: Das ist sehr wohl ein Problem. ;-)

Aber was ist eigentlich das Schwierige daran?

Die Frau sagt zum Mann, er könne ruhig mit seinen Freunden ausgehen. Wenn der Mann dann aber tatsächlich tut, was sie laut Aussage offensichtlich in Ordnung findet, ist das Theater fast schon vorprogrammiert.

Ist denn wirklich so offensichtlich, dass sie es in Ordnung findet?

Ja, gemäß ihrer verbalen Aussage ist das offensichtlich.

Kommunikation ist aber vielschichtig. Ihr Tonfall, ihre Haltung, ihr Blick.. All das passt in diesen klassischen Situationen nicht zu dem, was sie gesagt hat. Während all das schreit: „Wag dich nicht….“, ist ihre verbale Aussage dazu widersprüchlich.

In der Kommunikationspsychologie sagt man, sie hat inkongruente Nachrichten gesendet.

Das hilft dem Mann aber erstmal nicht weiter.

Um ehrlich zu sein: Eigentlich hilft dem Mann gar nichts, um hier elegant zu parieren. Die Lösung, die die Kommunikationspsychologie vorschlägt, liegt bei der Frau.

Hilfreich soll sein, wenn die Frau – suprise, surprise – keine inkongruenten Nachrichten sendet, sondern alles kommuniziert. Etwa so: „Mir ist es eigentlich nicht so recht, wenn du mit deinen Freunden ausgehst, aber ich würde es zähneknirschend akzeptieren.“

Jetzt liegt der Ball beim Mann. Gut, wir wollen nicht allzu romantisch werden, es kann immer noch ziemlich schiefgehen. Aber es ist zumindest eine andere Gesprächsatmosphäre geschaffen, auf der man eher einen harmonische Konsens finden kann.

Wenn die Frau aber beim inkongruenten Nachrichtenmuster bleibt, kann der Mann im Grunde nur verlieren. Denn wenn er ausgeht, gibt es Ärger. Für die Frau war ja offensichtlich, dass er nicht gehen sollte. Wenn er aber nicht geht, kann Madame sagen, dass sie ja gar kein Problem gehabt hätte.

Also: Was auch immer der Mann tut, er zieht im Grunde die Arschkarte.

Deshalb finde ich, er sollte gehen.

Und wenn es Theater gibt, sollte er sie einfach darüber aufklären, was inkongruente Nachrichten sind.

Bleiben wir realistisch: Das führt sicher erstmal zu mehr Ärger.

Aber wenn mans richtig anstellt, immerhin auch zu Versöhnungssex.

Good luck! ;-)

 

Dafuq?

Ich staune nicht schlecht, als mir mein Handy mitteilt, der Sänger von Boss Hoss hätte eins meiner Instagrambilder geliked. Ich schicke den Screenshot an meine Brüder und will wissen:

„Jetzt habe ich es geschafft, oder?!“

Die Antwort von einem meiner Brüder:

„Dafuq?“

Äh… hä?!

Ich drücke dem Liebsten mein Handy in die Hand und frage, ob er mit diesem Wort was anfangen kann.

Konnte er auch nicht.

Wir googeln.

Es ist Jugendsprache. Und bedeutet so viel wie „What the fuck“.

Wir sind wohl alt geworden.

Und irgendwie bin ich da ganz froh drüber.