Wie man ganz schnell Single wird #71

„Bloß keine Veränderung“, murmelt der Liebste und meint damit die Ablehnung seines Vaters gegenüber einer neuen Außenlampe in Edelstahl (als Ersatz für die aktuelle in Bronze).

„Mit ganz wenigen Ausnahmen ist das bei deiner Mutter auch nicht anders“, meine ich dazu.

„Alte Menschen mögen generell keine Veränderungen“, sagt er.

„Stimmt“, pflichte ich ihm bei.

„Du hast wirklich Glück, dass ich schon 34 bin! Vor zehn Jahren hätte ich wahrscheinlich nicht so sehr an dir gehangen.“

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Wie man ganz schnell Single wird #70

„Du bist so ein Klugscheißer“, sagt der Liebste zu mir.

„Hab ich von den beiden wichtigsten Männern in meinem Leben abgeguckt“, entgegne ich (und meine damit eigentlich den Liebsten und meinen Vater).

„Von Ernie und Bert?!“

Wie man ganz schnell Single wird #69

Heute waren wir erneut spazieren. Fast dieselbe Strecke wie gestern.

Wieder laufen wir den Berg hoch.

Währenddessen erzähle ich dem Liebsten, dass ich die gestrige Situation, als er die Hände in die Höhe riss und mir „RED ROOSTER!“ ins Gesicht brüllte, statt mich zu küssen, verbloggt habe.

Als wir wenige Sekunden wieder an der höchsten Stelle ankamen, sagte er, ich solle mal bitte stehen bleiben.

Gesagt, getan.

Er schaut aufs Handy und meint: „Angeblich sind wir auf 446 m. Aber meine Garmin meint, es wären 440 m. Hier ist aber doch keine Erhebung mehr. Oder siehst du irgendwo eine?!“

Ich schaue mich um.

„Nein.“

„Okay, dann ist das hier die höchste Stelle…“, sprach er…

… und geht auch diesmal einfach weiter.

Wie man ganz schnell Single wird #68

Ein Abendspaziergang im heimischen Wald.

Wir laufen einen Berg hoch.

Oben angekommen stellt sich der Liebste vor mich, schaut mir in die Augen und will wissen, ob das wohl die höchste Stelle ist.

Ich bejahe.

Er guckt mich strahlend an, reißt die Hände in die Höhe und ruft: „RED ROOSTER!“

Dann dreht er sich um und geht weiter.

Einige Sekunden später: „Du hast manchmal echt einen bekloppten Freund.“

„Ja“, sage ich. „Eigentlich dachte ich auch, dass du mich küsst. Stattdessen stehst du da und brüllst mir „RED ROOSTER!“ ins Gesicht.“

Er bleibt stehen, dreht sich langsam zu mir um, breitet unschuldig seine Arme aus und meint staubtrocken:

„Die besten Geschichten für deinen Blog schreibt eben das Leben.“

Sterneköche

Es ist schon ein wenig überraschend, einen Sternekoch ausgerechnet in einem 08/15-Restaurant kennenzulernen. Aber es steht ja auch niemandem auf die Stirn geschrieben.

Noch überraschender war aber wahrscheinlich, dass ich selber Sternekoch bin. Und es zu dem Zeitpunkt noch gar wusste.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Sterneköche zufällig begegnen? Und das auch noch in einer Mittelklassegastronomie?

Im Gespräch mit ihm ließ ich ein bisschen von meinen Rezepten durscheinen. Aber ich verriet nicht, dass meine Spezialität in Wirklichkeit das Kreieren von Rezepten war und nicht das Kochen selbst. Geschweige denn das Genießen des Mahls.

Darin war ich wirklich nicht besonders gut. Eigentlich war ich Lehrer und nicht Koch, Trainer und nicht Spieler.

Das funktionierte auch wirklich hervorragend. Bis ich dich kennenlernte, einen anderen Sternekoch.

Ab sofort wollten wir gemeinsame Sache machen und Rezepte kreieren, die zu deinen und meinen Fähigkeiten passten. Oder uns zumindest angemessen herausforderten.

Es ging darum, gemeinsam zu kochen. Und noch mehr darum, gemeinsam zu essen und es in vollen Zügen zu genießen.

Jeden. einzelnen. Bissen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Sterneköche, die ihr Können mischen, ihre Zutaten zusammenwerfen und ihr gemeinsames Rezept kreieren, am Ende alles versalzen?

„Lass es uns rausfinden“, sage ich strahlend und trete mit meinem weißen Schuh entschlossen über die Schwelle.

Der Text entstand zum Wort „mischen“ im Rahmen des Projektes .txt.

Beziehung zu dritt

„Und das geht? Obwohl ihr ein Paar seid?“

Ja, das geht. Aber nicht obwohl wir ein Paar sind, sondern gerade weil wir ein Paar sind.

Wenn wir ehrlich sind: Exklusive Paarzeit gibt es bei uns aktuell und schon länger nicht mehr. Die Arbeit ist immer mit dabei. Sie ist ein Teil von uns, ein Teil von unserer Beziehung.

Und gerade weil wir ein Paar sind und an derselben Sache arbeiten, ist das Verständnis dafür da, wenn der andere auch spät abends noch am Schreibtisch sitzt. Es ist okay, wenn wir morgens am Frühstückstisch und abends im Schein der Nachttischlampe noch übers Business reden und Fachgespräche führen.

Gerade weil wir ein Paar sind, wissen wir längst, dass unser Wertegerüst dasselbe ist. Wie der andere tickt, wie er fühlt, was er braucht, wie man ihn ergänzen kann. Wir haben dieselbe Ansicht auf die Welt, dieselbe Führungsphilosophie, verfolgen dieselben Ziele und arbeiten jeden Tag füreinander, miteinander, aneinander.

Wir wachsen und entwickeln uns gemeinsam. Wir lernen und entwickeln einander, wir führen uns gegenseitig, bestärken uns, kritiseren und verbessern den anderen.

Wären wir kein Paar, würden wir keine drei Minuten zusammenarbeiten können.

Wir zwei, dominante Menschen mit Führungsanspruch. Zwei Häuptlinge, die permanent die Nase vorn haben wöllten, die dem anderen wahrscheinlich nur wenig über den Weg trauen würden und jederzeit bereit sind, Konflikte auszutragen – mit dem Wissen, wie unangenehm jeder von uns als Diskussionspartner ist.

Wir teilen zwar auch hier noch dieselben Werte, aber eben auch dieselben Ansichten. Und eine davon ist, dass es nur einen Thron gibt.

Als Paar kann man dort aber gut zu zweit sitzen.

Warum der Liebste immer mich das Eis bestellen lässt

Lang genug dachte ich ja, es läge daran, dass er immer ein Spaghetti-Eis nimmt und ich hin und wieder – zwar eher selten, aber manchmal eben doch – was anderes als mein übliches Butterkeks-Eis. Im Sinne der Effizienz hätten wir uns also ganze zwei Sätze Kommunikation gespart.

Doch daran lag es nicht.

Die Männer in der Eisdiele geben hübschen Frauen immer etwas größere Kugeln.

Daran lag es.

Ziemlich clever.