Wie man ganz schnell Single wird #73

Wir waren spazieren und sitzen nun in meinem Auto.

Der Liebste: „Brr, es ist SO kalt.“

Ich: „Weißt du, was das Schönste an meinem Auto ist? Die Sitzheizung! Mach sie doch an.“

Der Liebste: „Ich habe Hoden.“

Ich rolle mit den Augen.

Ich: „Dieses EINE Mal werden deine Klöten schon überstehen.“

Der Liebste: „Und wenn wir dann irgendwann das Projekt ‚Tochter‘ angehen wollen und es nicht mehr geht…“

Ich: „Ein Sohn kommt nicht mehr infrage?“

Der Liebste: „Ach, das ist mir eigentlich egal. Man muss ja nehmen, was man kriegt.“

Ich: „Und so waren wir dann vier Jahre zusammen…“

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Keine halbe Jule

Auf der Bühne steht eine echte Powerfrau. Sie spricht über Sichtbarkeit, vor allem in den sozialen Medien. In manchen Dingen bin ich mit ihr auf einer Wellenlänge, in anderen nicht.

Das mag sich aber auch durch unseren Alterunterschied erklären, denn sie ist mir eine Generation voraus und pflegt wohl deshalb, wie die meisten, einen anderen Umgang mit Social Media als ich.

Sie sagt, dass sie nichts tut, was sie angreifbar macht. Sie äußert sich nicht politisch, sie postet keine Bilder ihrer Familie, sie informiert nur über berufsbezogene Themen. Die Betonung liegt wirklich auf „informiert“. Ihr Thema ist „Frauen und Arbeit“. Hierzu hat sie durchaus sehr viel zu sagen, zum Beispiel zur Frauenquote. Ihre Meinung würde sie aber niemals öffentlich kundtun, meint sie. Das würde sie angreifbar machen. Also schweigt sie – auch wenn sie auf mich den Eindruck macht, dass sie hinsichtlich mancher Themen innerlich fast platzt.

Ich finde das schade.

Ich findes es deshalb schade, weil dort eine Frau steht, die viel Power hat, die unheimlich stark ist, die sich gegen alle Widerstände durchkämpfte, herbe Rückschläge einstecken musste und trotzdem bis heute jeden Tag aufs Neue aufsteht, weil sie ihr Leben absolut toll findet und zu 100 % von dem überzeugt ist, was sie für „Frauen und Arbeit“ tut.

Sie ist eine der Frauen, die für andere Frauen ein Leuchtturm sein kann. Und deswegen finde ich es so schade, dass sie sich ein Stück weit selbst zensiert. Aber das respektiere ich.

Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass wir mehr Leuchttürme brauchen.

Aus diesem Grund ist mein Umgang mit Social Media anders. Und ich nehme dabei ganz bewusst in Kauf, mehr Steine aus dem Weg räumen zu müssen.

Ich halte meine Krankheit zum Beispiel absichtlich nicht geheim. Ich will nämlich kein Versteckspiel spielen, mir Ausreden ausdenken oder Geheimniskrämerei betreiben. Und ich will anderen zeigen, dass es geht! Dass man sich auch unter ungünstigen Bedingungen das Leben holen kann, das man haben will.

Deshalb zeige ich auch die unschönen, ganz privaten Seiten immer mal wieder öffentlich. Denn ich bin trotzdem eine starke Frau. Ich gehe meinen Weg. Ich bin anerkannt. Akzeptiert. Toleriert. Gefragt.

Weil ich mir das trotz vieler widriger Umstände in meinem Leben erarbeitet habe. Und jeden Tag aufs Neue erarbeite.

Mein Weg „da draußen“ wäre leichter, wenn ich mich aufs rein Berufliche beschränke. Aber er wäre auch nur halb. Das ist nicht die ganze Jule. Das ist nur die halbe. Und halb bin ich nun mal unvollständig. Denn meine Krankheit gehört genauso zu mir wie meine Emotionen, das Lächeln auf meinem Gesicht und der feste Wille, diese Welt besser zu machen, indem ich diesen Weg gehe, auch wenn er steinig ist.

Und wenn ich einige Frauen damit inspiriere, ihnen Mut gebe oder sie motiviere, ist das für mich weitaus mehr wert, als ein glattes Berufsleben als halbe Jule.

Wie man ganz schnell Single wird #72

Hinweis: Früher an diesem Morgen schaute der Liebste mich bewundernd an und sagte: „Du bist so eine hübsche Frau.“

Sonstige wichtige Hinweise: Manche Sätze des Liebsten beginnen mit: „Du bist einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne.“


Ich: „..und die hat eine Freundin, die mir dann einen Termin macht. Allerdings ist mir nicht klar, was die meint. Es gibt nicht mehrere Fachrichtungen in dem Bereich. Nur die eine. Und den Arztbrief zu wollen, der schon mehrere Jahre alt und nicht mehr aktuell ist, macht gar keinen Sinn. Ehrlich, das ist wirklich nicht die Hellste. Noch nie gewesen. Zwar eine wunderschöne Frau, wirklich wunder-wunderschön, aber extrem schlicht.“

Der Liebste: „Tja, man kann nicht alles haben. Entweder hübsch oder doof.“

Ich: „Ja, danke…?!“

 

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? November 2018

03:56 Uhr war es, als ich heute Morgen schwungvoll (ja, wirklich!) aus dem Bett sprang. Meine innere Uhr scheint noch halb in Vietnam zu sein. Macht aber nichts, denn ich bin ein früher Vogel, der die morgendliche Ruhe in vollen Zügen auskostet und es liebt, der Welt beim Aufwachen zuzuschauen.

Die morgendliche Ruhe ist übrigens auch deshalb gut für mich, weil ich meinen Tag seit neuestem mit einer Meditation beginne. Und: Morgens ist meine produktivste Zeit, sodass ich einiges wegarbeiten kann.

Arbeiten“ ist übrigens ein Wort, das mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Es ist so negativ. Ich stehe nicht auf, um zu arbeiten. Ich stehe auf, um den Unterschied für Menschen zu machen. Um diese Welt zu einem glücklicheren Ort (für sie) zu machen.

Genau deshalb habe ich auch ein neues Projekt gestartet, das seit über drei Jahren in mir reift, vor einigen Monaten dann in Angriff genommen wurde und leider auch fast genauso lange brachliegt. Bis jetzt! Denn ich gehe es wieder mit neuer Kraft an. Der Unterschied zu damals? Ich habe sie jetzt, die Kraft. Nach einigen Tagen steht nun immerhin schon die Homepage. Und Content wird auch produziert. Es wird, es wird.

Aber es gibt ja noch mehr Projekte und Aufgaben in meinem Leben. Zum Beispiel habe ich noch meine halbe Arbeitsstelle. Da ich dort morgen nach über fünf Wochen Urlaub und das erste Mal seit meinem Geburtstag aufschlage, habe ich den halben Morgen in der Küche verbracht, um den lieben Kollegen und Teams Bananebrot und Schokobrötchen kredenzen zu können.

Zwischendurch habe ich mich um die Homepage des Turnvereins gekümmert, dem ich als Vorstandsmitglied angehöre. Da der Turnverein am Wochenende Geburtstag gefeiert hat, gab es viele Fotos, die durchgeschaut, aussortiert und hochgeladen werden wollten. Was hier so locker-flockig klingt, hat mich die andere Hälfte des Morgens gekostet.

Irgendwie habe ich es dazwischen aber tatsächlich noch geschafft, mich um eine neue rheumatologische Betreuung zu bemühen („im Juli haben wir wieder was frei“; „mhm, wird aber Oktober“ – Leute, echt jetzt?). Hier möchte ich thematisch mal kurz einhaken, denn mich macht dieses Gesundheitssystem wütend. Ich nehme keine Tic Tacs zu mir, ich nehme ein Chemotherapeutikum und Cortison. Ich brauche eine dauerhafte rheumatologische Begleitung. Hausärzte haben „Angst“ vor diesen Medikamenten. Sie gehören nicht zu ihrem Alltag und sind aus ihrer Sicht mit äußerster Vorsicht zu genießen. Chronisch kranke Patienten gehören in die Hände von Spezialisten. Und davon haben wir leider viel zu wenig.

Apropos Rheuma. Prävention ist die beste Medizin. Deswegen stand heute auch Sport auf meinem Programm. Das erste Training nach fünf Wochen Urlaub. Es tat so, so, so gut. Mal sehen, was die Muskeln morgen sagen.. ;-)

Anschließend trieb es mich noch in die Stadt. Ich brauchte eine externe Festplatte, um die Vietnambilder auf den Rechner ziehen zu können (check), wollte außerdem bestimmte Notizbücher kaufen (check) sowie nach einem Stirnband schauen (geschaut) und warme Handschuhe kaufen (check). Besonders erfolgreich war ich dann auch im Supermarkt: Bohnen, Radieschen, Joghurt und Eiweißbrot. Und zum Abendbrot gab es dann am Ende doch nur Proteinpulver. Ach so, ich bin übrigens auf Diät..

Eigentlich hatte ich mir für heute noch vorgenommen (auch so ein Novum: ich plane jetzt meine Wochen und Tage), bei meinem Vater oder meiner Mutter durchzuklingeln. Da die Uhrzeit aber nicht so richtig passte, versuchte ich es bei meinem Bruder – reines Glücksspiel, er ist im medizinischen Bereich tätig, da weiß man nie so recht, wann er arbeitet. Aber Glück für mich: Er ging sofort dran. Und so hatte ich tatsächlich ein schönes zehnminütiges Telefonat mit meinem kleinen Bruder. Das war insofern besonders für mich, weil wir erstens sehr wenig Kontakt haben und er sich zweitens – wenn überhaupt – so gestaltet, dass ich Fragen stelle und einsilbige Antworten bekomme. Aber seitdem ich 30 bin, habe ich neues Selbstbewusstsein, neue Freude, neuen Optimismus geschöpft.

Nur diesmal hat keiner an meinem Geburtstag gefragt, wie ich mich jetzt fühle.

Aber falls es dennoch irgendwen interessiert: Ich fühle mich toll. Richtig toll.

Jeden 5. fragt Frau Brüllen, was man eigentlich den ganzen Tag macht. Was andere gemacht haben, könnt ihr hier nachlesen.

Alles neu macht die 30 :-)

Einiges ändert sich, wird umgekrempelt, neu gedacht, neu gemacht, über Bord geworfen oder angepasst.

Ein Teil davon ist dieser Blog. Ich liebe das Bloggen, bin gerne Teil der WordPress-Community, mag den Austausch und die Interaktion mit euch.

Aber ich muss auch zugeben, mein eigener Blog macht mich schon länger eher unzufrieden. Ich würde ihm gerne eine Richtung geben, weiß aber nicht so recht, welche das sein soll. Da ich mir mehrere vorstellen könnte, möchte ich euch gerne fragen, was euch denn interessiert. Denn den Blog bespiele ich ja nicht für mich alleine. :-)

Was ihr garantiert noch nicht über Vietnam wusstet

  1. Die katholischen Vietnamesen haben neben ihrem asiatischen Namen auch einen christlichen Namen, zum Beispiel Josef oder Matthias.

  2. Die Hochzeitsfotos eines vietnamesischen Paares werden vor der Hochzeit gemacht (für die Hochzeitseinladung).

  3. Die Vietnamesen benutzen oft Kinderstühle und Kindertische in den (Straßen-)Restaurants. Das ist praktischer für sie.

  4. Die Vietnamesen arbeiten sehr viel. Quantitativ jedenfalls. Praktischen stehen sie – je nach Job – vor allem viel rum.

  5. Wenn du einen tollen Roller hast, bekommst du auch tolle Frauen.

  6. Die Vietnamesen lieben unsere Nationalmannschaft. Wahrscheinlich sogar mehr als wir selbst.

  7. Es gibt im ganzen Land kein Sprudelwasser, glaube ich.

  8. Eis kriegt man nicht unbedingt als Kugel, sondern oft auch gerollt.

  9. Der vietnamesische Kaffee verführt sogar Nicht-Kaffeetrinker (mich jedenfalls ;-))

  10. Egal, wo man ist, überall sind Deutsche.

Weitere Erkenntnisse & Erfahrungen aus Vietnam

  1. Ich glaube, hier kennt man Nutella nicht.

  2. Deo gibt es wohl nur von Nivea.

  3. Karaoke liegt noch voll im Trend.

  4. Bürgersteige sind nicht für Fußgänger. Auf ihnen werden entweder Geschäfte künstlich verlängert oder unzählige Roller abgestellt.

  5. Wenn man Essen ordert, kommt es genau dann, wenn es fertig ist. Es kommt also durchaus vor, dass man gemeinsam bestellt und der eine sein Essen erst kriegt, wenn der andere schon fertig ist.

  6. Vietnamesen scheinen sich niemals aufzuregen. Die Gelassenheit in Person.

  7. Genormte Treppenstufen kennt man hier nicht.

  8. Merke: Wenn du mitten in der Pampa von Vietnam steckst, noch nicht mal weißt, wo genau, und kein Mensch um dich rum Englisch spricht, weil es eben kein Touriort und die Bildung niedrig ist, dann wirst du trotzdem jemanden finden, der dir dabei hilft, den Platten aus deinem Roller zu kriegen.

  9. Ich musste erst 30 werden, um das erste Mal einen Roller zu besteigen.

  10. Die Häuser sind sehr schmal und werden eher nach hinten als in die Breite gebaut. Wie die Seiten links und rechts aussehen, scheint niemanden zu jucken. Die Fassaden dagegen schon, die sind oftmals schön.

  11. Wer braucht schon die Lautlosfunktion am Handy? Die Vietnamesen jedenfalls nicht.